Spontanes "Treppenhaus-Gespräch" bei ATU
"Unglückliche" Kommunikation

"Wir müssen Seriosität in den Umbau-Prozess bringen", sagt Horst Ott, 1. Bevollmächtigter der IG Metall. Bild: Schönberger

Aus der Zeitung erfuhren die Mitarbeiter von der angestrebten Verschlankung der ATU-Zentrale. Das kommt bei vielen Betroffenen nicht gut an. Ein spontan angesetztes "Treppenhaus-Gespräch" des Betriebsrats am Donnerstag sollte die Wogen einigermaßen glätten.

In der vergangenen Woche hatte die ATU-Geschäftsführung in einer Mitteilung an die Führungskräfte über das Projekt "Move" informiert, die Verwaltung personell abzuspecken und im Gegenzug die Filialen/Werkstätten zu stärken: Mit dem Ziel, innerhalb von drei Jahren 15 Millionen Euro einzusparen. Das interne Papier wurde der Presse zugespielt. Diese "unglückliche, nicht optimale Kommunikation" bereitete dem Vernehmen nach auch der Geschäftsführung keine Freude.

Am Donnerstag um 10 Uhr versammelten sich mehrere Hundert Mitarbeiter auf Einladung des Betriebsrats im Foyer der Zentrale. Immerhin zählt ATU am Standort Weiden fast 1200 Beschäftigte, davon rund 700 in der Verwaltung. In den vergangenen vier Jahren waren die Personalkosten in den Filialen um mehr als neun Prozent gesunken, während sie zeitgleich in der Zentrale um neun Prozent stiegen.

Kein "Präventiv-Protest"

Horst Ott, 1. Bevollmächtigter der IG Metall (Amberg), wertet den Umbau des Konzerns "grundsätzlich richtig und gut", nämlich die vorhandenen Strukturen zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen. Ott kritisiert jedoch die Weitergabe von Insider-Informationen an die Öffentlichkeit als "gewisse Schwäche": "CEO Jörn Werner ist letztendlich verantwortlich dafür, was aus der ATU rausgeht."

Da erst im Oktober detaillierte Ergebnisse über das personelle Abspecken der Zentrale erwartet werden, will er keinen "Präventiv-Protest" anzetteln. Er vertraut der Zusage von ATU-Chef Werner, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommt. Betriebsratsvorsitzender Helmut Meindl sieht sich bei der Umstrukturierung zwar "mit im Boot, wir wissen aber noch nicht, was auf uns zukommt." Zur Feststellung von Werner ("wir haben in der zentralen Verwaltung Fett angesetzt") bemerkt Meindl spitz, dass Werner schließlich selber auch ein großes Team mitgebracht habe. Für Veränderung ist jedoch der Betriebsrat offen. "Wir dürfen uns nicht gegen die Digitalisierung stellen und müssen uns durch Wirtschaftlichkeit beweisen," sagt Meindl. Der Investitionsstau gerade bei der "antiquierten" IT gilt als offenes Geheimnis.

Auf neue Informationen hoffen die Mitarbeiter bei der Betriebsversammlung am 18. September; am 13. tagt der Aufsichtsrat. (Angemerkt)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.