28.03.2018 - 19:06 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Stadtrat will die Voraussetzungen für eine Förderung abklopfen Kopfstände für neue Turnhalle

Die Bürgerliste hat genug vom "Rumwabern und Rumlabern": Fraktionssprecher Christian Deglmann fordert deshalb den konkreten Beschluss, dass die Stadt eine Dreifach-Turnhalle baut. Er findet zwar für sein "Sofort" im Stadtrat keine Mehrheit, aber für einen Turnhallenbau steht nun der Fuß in der Tür.

Hier, im Zwickel von FOS/BOS (Bildmitte) und Hochschule (rechts) wär' noch Platz für eine Dreifach-Turnhalle. Bild: Schönberger
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Die Bürgerliste habe der Verwaltung einen Prüfungsauftrag zum Bau einer Dreifach-Turnhalle erteilt und erwarte endlich eine klare Antwort der Verwaltung. Diese gebe es auch diesmal nicht, klagt Deglmann. Weiden habe als Oberzentrum auch dem Vereinssport eine Plattform zu bieten. Sogar OB Seggewiß habe mehrfach den Bedarf bejaht, merkt Deglmann an. "Irgendwann müssen wir Farbe bekennen."

Natürlich hätten gerne alle Fraktionen eine weitere Dreifach-Turnhalle in der Stadt. Und sie dürfen sogar darüber streiten, wer als erster die Forderung erhoben hat. Matthias Loew (SPD) verweist auf die Debatte, die er im Jahr 2010 bei der Planung des FOS/BOS-Neubaus ausgelöst hatte. Der Mehrheit im Stadtrat habe - angesichts der erwarteten Kosten - jedoch der Mut gefehlt. Auch heute gebe es noch keine Grobschätzung der Baukosten, keine Prüfung des schulischen Bedarfes, keine Anfrage bei der OTH, keine Aussagen über Förderungen, betont Loew.

Bedarf für 67 Sportklassen

Stadtkämmerin Cornelia Taubmann erklärt, nur die schulische Nutzung werde gefördert - und schlägt ein neues Kapitel auf: 54 Schulklassen nutzen die Mehrzweckhalle, die eigentlich nur dem Vereinssport vorbehalten ist. Bei der Suche nach Notunterkünften wurden 2016 diese Zahlen genannt. Weder beim Bau durch die Spielvereinigung noch bei der 900 000 Euro teuren Übernahme durch die Stadt seien Fördergelder für den Schulsport geflossen. Einen Bedarf von weiteren 13 Klassen meldet zudem FOS/BOS. Die OTH zeigt kein Interesse. Eine Kostenbeteiligung sei daher unwahrscheinlich.


Die Fördervoraussetzungen bringe die Stadt mit diesen Schulklassen hin, meint Taubmann, um sogleich zu hohe Erwartungen abzublocken. Der Hallenbau sei eine freiwillige Leistung der Stadt, der die Regierung zustimmen müsse. Taubmann sieht sogar die millionenschweren Stabilisierungshilfen der letzten Jahre in Gefahr, die erst noch vom Kredit in echte Zuschüsse umgewandelt werden müssten.

Hier haken die Vorsitzenden der beiden großen Fraktionen ein. Roland Richter (SPD) fragt, wie man auf die Idee kommen könne, Weiden könne sich ein derartiges Projekt leisten. "Wir haben den Masterplan Schulsanierung. Werfen wir den über Bord, wird's peinlich." Zudem hielt er der Bürgerliste vor, dass sie vor acht Jahren die Turnhalle an der FOS/BOS nicht wollte. "Da hätten sie mitmachen können. Ich habe den Eindruck, wir machen ein bisschen Wunschkonzert."

Förderung nötig

Die Wünsche für eine weitere Turnhalle seien nicht neu, stellte Wolfgang Pausch (CSU) fest. Ohne Förderung sei das nicht zu stemmen. Dazu sei eben der schulische Bedarf nachzuweisen. Die durch die Sanierung der Realschul-Sportstätten erwarteten Engpässe könne eine weitere Dreifach-Turnhalle nicht mehr beheben. "Sie käme viel zu spät." Pausch mahnte die richtige Reihenfolge bei der Vorbereitung an, die von der Bedarfsermittlung, Förderantrag, über Planung bis hin zur "Verankerung in einem soliden Haushalt" gehen müsse. Er verwies zudem auf die überfälligen Schulsanierungen. Trotz der Euphorie, die OB Seggewiß gerne zur Schau stelle "wird es nicht aufhören, dass wir den Haushalt konsolidieren müssen". Karl Bärnklau, Fraktionssprecher der Grünen, sieht angesichts der Sanierungsberges bei den Schulen keine Finanzierungschancen. Der Standort an OTH und FOS/BOS sei nicht festgezurrt.

Obwohl ein Neubau noch in der Ferne liege, appellierte Loew an die Stadträte, Visionen zu entwickeln, damit der Weidener Sport bei der Sanierung der Mehrzweckhalle, die mindestens im gleichen maroden Zustand wie die Realschul-Sportstätten sei, nicht wieder vor dem gleichen Problem stünde. Laut Reinhold Wildenauer (Bürgerliste) ist ein Turnhallen-Neubau nötig. Die Realschul-Sportstätten seien für viele Wettbewerbe ungeeignet. Zugleich aber mache der Schulsport die Mehrzweckhalle dicht. "Beschließen wir doch den Bau einer Dreifach-Turnhalle, vorbehaltlich einer Finanzierung."

Bürgermeister Jens Meyer griff den Vorschlag von Baudezernent Oliver Seidel auf, dass weitere Voraussetzungen für eine Turnhalle abgefragt und die Fördergelder ermittelt sowie im Zuge der Neufassung des Flächennutzungsplanes entsprechende Standorte gesucht werden.

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