02.02.2017 - 17:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Statistik der Bundesagentur für Arbeit Immer mehr Zweitjobs

Für viele ist es ein Zeichen für nicht ausreichende Löhne. Die Interpretation bleibt jedem selbst überlassen. Tatsache ist, es gibt immer mehr Menschen mit zwei Jobs.

Minijobs führen zu Minirenten,sagt der DGB. Jeder sechste bis siebte Minijob entfällt auf das Reinigungsgewerbe. Auch in Weiden gibt es viele, die 450 Euro monatlich verdienen. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Seit Jahren steigt die Zahl derer, die neben ihrer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung zusätzlich noch einen Minijob ausüben. Neueste Zahlen für Juni 2016 wurden jetzt von der Bundesagentur für Arbeit (BA) veröffentlicht. Danach gab es im Stadtgebiet Weiden fast 3000 Arbeitnehmer, die laut Bundesagentur für Arbeit "im Nebenjob eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausüben". Somit arbeiten also fast exakt 11 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten neben ihrer Hauptbeschäftigung zusätzlich noch in einem Minijob. In dieser Beschäftigung können sie ohne Abführung eigener Sozialversicherungsbeiträge bis zu 450 Euro monatlich verdienen.

Über dem Durchschnitt

Seit 2007 werden "Nebenjobber" in der BA-Statistik erfasst. Damals gab es in Weiden 1850 Arbeitnehmer mit Haupt- und Nebenjob. DGB-Organisationssekretär Peter Hofmann kommentiert die Entwicklung: "Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass Löhne oftmals nicht ausreichen, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können." Während die Zahl dieser "Nebenjobber" kontinuierlich gewachsen ist, stagniert oder sinkt die Zahl derjenigen leicht, die ausschließlich einen Minijob ausüben. Vor fünf Jahren waren dies in Weiden 5700, jetzt sind es 5400. Die konjunkturbedingten Beschäftigungsgewinne entfallen also ausschließlich auf sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einschließlich derer, die zusätzlich noch einen Minijob ausüben.

Für den DGB ist die Zahl der Minijobs viele zu groß. "Allenfalls als Übergangssituation in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung halten wir diese Beschäftigungsform für sinnvoll", sagt Hofmann. Langjährig ausgeführte Minijobs hätten später Minirenten zur Folge.

Minijobs sind in der Stadt überdurchschnittlich häufig. Den 11 Prozent "Nebenjobbern" unter allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Weiden stehen im Kreis Neustadt lediglich 9 Prozent und im Kreis Tirschenreuth 8 Prozent gegenüber. Auch in Amberg sind es nur knapp mehr als 7 Prozent. Allerdings liegt der bayerische Durchschnitt immerhin auch bei fast 10 Prozent. Am Dienstleistungsstandort Weiden gibt es auch insgesamt deutlich mehr Minijobs als anderswo. Fasst man "Nur-Minijobber" und "Nebenjobber" zusammen, so kommt in Weiden fast schon auf jeden dritten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz ein Minijob. In Amberg ist es nur bei jedem fünften der Fall. Ablesen lässt sich aus der BA-Statistik auch, dass in Weiden fast 13 Prozent der Minijobber über 65 Jahre alt sind. Fast zwei Drittel sind Frauen. 92 Prozent aller Minijobs entfallen auf das Dienstleistungsgewerbe, 15 Prozent auf Reinigungsberufe und knapp 8 Prozent auf Verkaufsberufe. Ausländer sind nur zu 5 Prozent unter den Minijobbern vertreten.

Allenfalls als Übergangssituation in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung halten wir diese Beschäftigungsform für sinnvoll.Peter Hofmann vom DGB

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