Unternehmensethiker der OTH und regionale Unternehmer über soziale Verantwortung
Der Fluch des Profits

Lachend gehen Schüler in Wangdue, Bhutan, zur Schule. Staatsziel Glück: In Bhutan, dem kleinen Königreich im Himalaya, ist ein «Bruttonationalglück» seit 2008 in der Verfassung verankert: Ein Index aus neun Punkten schätzt ein, wie sich die Menschen wirtschaftlich, gesellschaftlich und natürlich emotional fühlen. Bild: Barbara Walton/epa/dpa
 
Alexander Herzner, Dozent an der OTH Amberg-Weiden, arbeitet derzeit an seiner Promotion über verantwortungsvolle Unternehmensführung. Bild: OTH

Weiden/Wernberg-Köblitz. "Das Königreich Bhutan misst lieber das Bruttonationalglück (BNG) als das Bruttosozialprodukt", nennt Alexander Herzner, Dozent an der OTH Amberg-Weiden , einen Ansatz, der der globalisierten Gewinnmaximierung konträr entgegensteht. Es gibt sie noch, Länder, die nicht alles dem Profit unterordnen.

Die Idee geht auf ein Zitat in einem Rechtskodex von 1729 zurück: "Wenn die Regierung für ihr Volk kein Glück schaffen kann, dann gibt es für sie keine Daseinsberechtigung." Auch wenn im Land des Donnerdrachens nicht alles Gold ist, was glänzt, die Idee findet Nachahmer: Bhutans BNG definiert den Lebensstandard in humanistischer und psychologischer Weise und hat mit dem "Happy Planet Index" oder dem "World Happiness Report" Nachahmer gefunden.

Herzner, der an seiner Promotion über verantwortungsvolle Unternehmensführung arbeitet, versucht den Wirtschaftsstudenten ethisches Rüstzeug mit auf den Weg zu geben: "Was würden Aristoteles, Kant oder die Utilitaristen dazu sagen?" Wenn man Entscheidungen, wie die Schließung einer Niederlassung betrachte, gebe es keine absoluten Wahrheiten, sondern verschiedene Perspektiven. "War die Entscheidung nötig, um das Unternehmen zu retten?", wäre so ein Aspekt. "Wir orientieren uns als Hochschule am ,Global Compact' der Vereinten Nationen, die weltweit größte Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung."

Share- oder Stakeholder?

13 000 Unternehmen und Organisationen aus 170 Ländern haben unterschrieben, sich bei ihren Entscheidungen an die zehn Prinzipien aus den vier Themenfeldern "Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umwelt und Korruptionsprävention" zu halten. Ein übersichtlicher Leitfaden. Über Entlassungen ist hier nichts zu finden. "Das ist Thema bei der Diskussion Shareholder Value versus Stakeholder Value", sagt Herzner. Im Kern hat erstere den Profit der Anteilseigner im Fokus, zweitere bezieht Mitarbeiter, Kunden und Umfeld mit ein. Shareholder nehmen die Ausbeutung von Mensch und Natur in Billiglohnländern in Kauf, Stakeholder sorgen für einen Interessensausgleich.

In der Praxis hat nicht jeder Unternehmer bei seinen Entscheidungen Aristoteles parat. Dennoch schwört Dieter Kirchgeßner, Seniorchef von Eisen-Knorr in Weiden , auf eine faire Behandlung seiner Mitarbeiter: "Es gibt zwei Pole, die Gewinnmaximierung und die Menschlichkeit", sagt der 80-Jährige. "Wir haben am Sonntag unsere Weihnachtsfeier, da werden über 30 Mitarbeiter ab ihrem Fünfjährigen geehrt." Der Leiter eines Familienunternehmens sei immer auch Mensch: "Das ist ein ganz anderes Verhältnis, da kennt man jeden einzelnen Mitarbeiter - ob Witron, Seltmann oder Witt, als sie groß wurden, haben sie die Mitarbeiter nicht vergessen." Bauscher habe durch die Loyalität seiner Mitarbeiter in der Krise sogar "einen zweiten Schub" bekommen.

Solche Unternehmen hätten die Oberpfalz nach vorne gebracht. Anders als mancher Konzern: "Es ist ärgerlich, wenn einige die Infrastruktur nutzen, die wir Steuerzahler finanzieren, und nichts dafür zahlen - das ist ungerecht." Handwerkliche Fehler der Politik seien mit daran Schuld. Insgesamt sieht der Unternehmer aber Deutschland immer noch gut aufgestellt: "Wir halten die Balance zwischen Familienunternehmen und AGs." Auch wenn letztere nur selten eine Geschichte wie seine 253 Jahre alte Firma aufweisen, die inzwischen die achte Besitzerfamilie mit 200 Mitarbeitern in die Zukunft führt.

Soziale Verantwortung gehört zur Kernkompetenz von Sandra Löw, Chefin der Loew'schen Einrichtungen , die in Bayern in über 110 Häusern mit 1900 Mitarbeitern 1800 Menschen mit geistigen und psychischen Einschränkungen betreuen. "Was mich aufregt, sind rein monetäre Entscheidungen, Standorte aufzulösen", kritisiert die Betriebswirtin und Sozialpädagogin. Wenn man seine Belegschaft respektvoll behandle, dürfe man im Krisenfall auf Loyalität hoffen: "Das geht aber nicht, wenn ich dem Vorstand riesige Gehälter bezahle, und dann die Mitarbeiter auf Lohnverzicht einschwören will."

Unfaires System

Manches laufe schief im Wirtschaftsleben: "Man versucht große Konzerne wie Amazon oder Zalando mit günstigen Grundstückspreisen und niedriger Gewerbesteuer an die Autobahn zu locken." Ein unfaires System, findet die Sozial-Unternehmerin. "Wir regionalen Unternehmen, die integer ihr Unternehmen führen, zahlen die Zeche für Konzerne, die mit einem Federstrich die Belegschaft auf die Straße schicken und unsere Solidarkassen belasten." Der Wirtschaftsclub Nordoberpfalz stemme sich gegen solche Entwicklungen: "Wir wollen die Region stärken, setzen auf regionale Wertschöpfung."

Es gibt zwei Pole, die Gewinnmaximierung und die Menschlichkeit.Dieter Kirchgeßner, Eisen-Knorr
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