19.01.2017 - 02:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vertrag für Jugendberufsagentur unterzeichnet Niemand soll verlorengehen

Noch nie hatten Schulabsolventen so gute Chancen wie heute. Trotzdem schaffen viele nicht den Sprung ins Arbeitsleben. Ihnen soll nun ein Dreierbündnis helfen.

Den Kooperationsvertrag für die Jugendberufsagentur unterschrieben (sitzend, von links) Wolfgang Hohlmeier, Geschäftsführer des Jobcenters, Oberbürgermeister Kurt Seggewiß und Arbeitsagenturchef Thomas Würdinger. Bei der Vorbereitung dabei waren Jugendamtsleiterin Bärbel Otto sowie Rechts- und Sozialdezernent Hermann Hubmann. Bild: Bühner
von Siegfried BühnerProfil

Sie packen gemeinsam an: Stadt, Arbeitsagentur und Jobcenter haben eine Kooperationsvereinbarung zur Errichtung einer Jugendberufsagentur unterzeichnet. Was informell schon seit Jahren praktiziert wurde - die Zusammenarbeit der drei Partner, um junge Leute in Jobs zu bringen -, ist jetzt vertraglich festgehalten. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, Arbeitsagenturchef Thomas Würdinger und Jobcenter-Geschäftsführer Wolfgang Hohlmeier unterzeichneten das Dokument im Neuen Rathaus.

"Wir haben noch immer viel zu viele Jugendliche, die Schwierigkeiten haben, einen Beruf zu erlernen", stellte Seggewiß fest. Manche hätten obendrein keinen Schulabschluss geschafft. Für Würdinger geht es vor allem darum, "Karrieren in prekären Beschäftigungsverhältnissen zu vermeiden".

Neue Impulse

Alleine könne jeder der drei Partner in seinem Zuständigkeitsbereich in den schwierigsten Fällen nicht ausreichend helfen, stellte Hohlmeier fest. Zwar gab es bereits seit Jahren als Teil der Arbeitsmarktinitiative Weiden und bei gemeinsamen Projekten eine enge Zusammenarbeit. Mit der Jugendberufsagentur werde dies alles aber noch einmal intensiviert und könne neue Impulse bringen, zeigten sich die Vertragspartner überzeugt.

Anders als es der Begriff Jugendberufsagentur nahe legt, gibt es für diese Einrichtung keine feste Adresse in den Räumlichkeiten eines der Vertragspartner. Vielmehr geht es um gemeinsame Arbeit an den jeweils unterschiedlichen Einzelfällen. Die häufigste Form dabei sind die sogenannten Fallkonferenzen: Alle Beteiligte beraten gemeinsam einzelne erforderliche Hilfestellungen für Jugendliche und leiten diese ein.

Seitens der Stadt ist vor allem das Jugendamt mit aufsuchender Sozialarbeit und sozialpädagogischen Einzelfallhilfen dabei. Berufsberatung und -orientierung, Förderung und Integration in Arbeit oder Ausbildung, das sind die Leistungen der Arbeitsagentur. Das Jobcenter wiederum organisiert die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts und das im Mittelpunkt stehende Fallmanagement.

Hohe Fördermittel

Als weitere Partner können Schulen, Arbeitgeber und ihre Verbände, aber auch Beratungsstellen wie Sucht- oder Schuldnerberatung hinzugezogen werden. Eng eingebunden und integriert in der Jugendberufsagentur ist das Projekt "Jugend stärken im Quartier". Alleine durch dieses Programm stehen Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds, der Bundesagentur für Arbeit sowie der Stadt in Höhe von 1,1 Millionen Euro zur Verfügung. Rechts- und Sozialdezernent Hermann Hubmann erinnerte an die Ausgangslage. Nach wie vor gebe es im Stadtgebiet in allen Altersgruppen hohe Anteile von Kindern, die in Hartz-IV-Familien leben. Laut Hubmann ist es wichtig, dass "der Vertrag mit Leben gefüllt wird".

Einigkeit bestand auch darüber, dass alle Kommunen in Bayern, die eine ähnliche schwierige Situation im Hartz-IV-Bereich wie Weiden aufweisen, zusätzliche finanzielle Unterstützung nötig hätten. "Wir brauchen die Rahmenbedingungen, um die vorhandenen guten Ideen umzusetzen", sagte Würdinger. Hubmann pflichtete bei: "Wir müssen selbst tätig werden können."

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp