07.06.2017 - 14:12 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Weiden einstimmig für Fusion „Einzigartige Regionalbank“

Die erste Etappe für die genossenschaftliche "Elefanten-Hochzeit" ist geschafft: Einstimmig votierte die Vertreterversammlung der Raiffeisenbank Weiden für die Verschmelzung mit der Volksbank und der Raiffeisenbank im Stiftland.

Nur noch ein Jahr wird der Aufsichtsrat in dieser Stärke bestehen. Rechts Vorsitzender Winfried Hecht, links Vorstand Hermann Ott und Dritter von rechts Vorstand Bernhard Wolf. Josef Etterer (Vierter von rechts) gehörte dem Aufsichtsrat 25 Jahre lang an, er scheidet aus Altersgründen aus. Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Mit Erleichterung und Beifall quittierte die Versammlung am Dienstagabend in der Max-Reger-Halle die 100-prozentige Zustimmung. Wie überfällig die "Platz-Fusion" ist, machte Vorstand Hermann Ott vor der öffentlichen Abstimmung (per Akklamation) deutlich: Überall in Bayern - außer in Straubing - haben sich die genossenschaftlichen Banken am gleichen Platz bereits zusammengeschlossen.

Die einmaligen Fusionskosten von 2,5 Millionen Euro sollen sich "relativ schnell" amortisieren: "Mittelfristig beträgt der Fusions-Nutzen mindestens 5 Millionen Euro pro Jahr."

"Folie des Grauens"

Ott machte eine einfache Rechnung auf: Die Zinsspanne, die fast zwei Drittel des Ertrags ausmacht, schrumpfte von früher 3 Prozent auf heute unter 2 Prozent. So sank bei der Raiffeisenbank Weiden 2016 der Zinsüberschuss um 280 000 Euro auf 13,35 Millionen Euro. Gleichzeitig reduzierten sich die Erträge aus Wertpapieren und Beteiligungen um 284 000 Euro. Dem gegenüber steht eine Erhöhung der Provisionseinnahmen um lediglich 289 000 Euro.

Dazu kommt der horrende Aufwand für die Regulatorik. Die von Ott gezeigte "Folie des Grauens" weist 40 000 (!) bindende Vorgaben und Vorschriften auf: Solche Kontroll-Aufgaben müssen dann nur noch ein Mal, nicht mehr drei Mal gemacht werden. Diesem Kostendruck soll die Fusion mit "klugem Kosten-Management" und Wachstum im Kreditgeschäft gegensteuern. Eine enorme Herausforderung bedeutet die Digitalisierung: Auf einen Kunden-Kontakt in der Filiale kommen bereits 500 Online-Kontakte. Vorstand Hermann Ott: "Wenn die Geschwindigkeit der Veränderungen außerhalb unserer Genossenschaft schneller ist als innerhalb, haben wir irgendwann ein Problem ..."

Ausbau Lagerhaus Wurz

Ott beteuerte, dass es keine fusionsbedingten Kündigungen geben werde. Personalabbau erfolgt durch Fluktuation. Betriebsrat und Mitarbeiter stünden "voll und ganz" hinter der Verschmelzung. Im Vorfeld tagten 35 verschiedene Projekt- und Arbeitsgruppen. Bei der Fusion setzen die Verantwortlichen "weiterhin auf Regionalität und schnelle Entscheidungen". Sowohl das Warengeschäft, wie auch die Filialen in Tschechien werden als "strategische Geschäftsfelder der Zukunft gesehen".

So stehen der Ausbau des Lagerhauses Wurz für 2,5 Millionen Euro und die Eröffnung einer fünften Filiale in Westböhmen - in Karlsbad - an. Aus dem derzeit siebenköpfigen Vorstand wird ab Anfang 2019 ein Vierer-Gremium. Die Zahl der Aufsichtsratsmitglieder reduziert sich von zunächst 17 auf 9 im Frühjahr 2018: Je zwei kommen von den beteiligten Banken (für die RB Weiden Winfried Hecht und Manfred Lehner) und drei Aufsichtsräte aus den Reihen der Mitarbeiter.

"Diese genossenschaftliche Regionalbank wird nicht nur in der Größe einzigartig sein", betonte Hauptrevisor Helmut Thurn vom Genossenschaftsverband Bayern (GVB). "Auch die menschliche Seite scheint zu passen." Bei allen Vertreterversammlungen - am Mittwochabend RB im Stiftland in Waldsassen und am Donnerstag Volksbank in Weiden - sind immer auch Vorstände und Aufsichtsräte der beteiligten Banken zugegen.

Bei der Fusion tritt die Volksbank Nordoberpfalz in die "Gesamtrechtsnachfolge", inklusive des kompletten "Vermögens-Übertrags". Die Höhe der Geschäftsanteile beträgt einheitlich 100 Euro (plus 100 Euro Haftung). Aufsichtsratsvorsitzender Winfried Hecht sprach von einem historischen Schritt. "Die drei Banken gehören und passen zusammen. Gemeinsam werden wir noch besser." Die Vertreterversammlung zählt künftig 150 Mitglieder.

Raiffeisenbank Weiden 2016 mit glänzendem Kreditgeschäft

Selbstbewusst - mit dem dichtesten Zweigstellennetz der Region, Nummer Eins der Immobilienbranche und bei Baufinanzierungen sowie 1200 neuen Kunden - geht die Raiffeisenbank Weiden in die Fusion. "Keine Bank ist näher", meinte Vorstand Hermann Ott. Die 115. Vertreterversammlung war auch gleichzeitig die letzte in der Geschichte.

Aus dem Geschäftsjahr 2016 ragt das glänzende Kreditgeschäft heraus: mit einem Wachstum von 5,9 Prozent (Landesdurchschnitt 5,1 Prozent) auf 522,8 Millionen Euro. Damit liegt die Ausleihquote der um 4,4 Prozent auf 843,7 Millionen Euro gestiegenen Bilanzsumme bei fast 62 Prozent (Bayern: 59,4 Prozent). Stark gefragt waren Baufinanzierungen. Insgesamt wurden 137 Millionen Euro neue Darlehen ausgereicht. Das operative Ergebnis beträgt 8,266 Millionen Euro und liegt damit hinter 2015, wo Sondereffekte den Gewinn steigerten. Die 20 386 Mitglieder (davon 754 neu) dürfen sich über eine Dividende von 3 Prozent freuen. Das Wertpapier- und Fondsgeschäft legte um 7,2 Prozent zu, die Einlagen erhöhten sich insgesamt moderat um 1,7 Prozent auf 672,8 Millionen Euro. Das Eigenkapital stieg um 9,4 Prozent auf nahezu 73,2 Millionen Euro. Damit verdoppelten sich die Eigenmittel innerhalb von fünf Jahren. Die Personalausgaben kletterten um 387 000 Euro auf 13,76 Millionen Euro.

Zum Stichtag 31. 12. 2016 weist die künftige "Volksbank Raiffeisenbank Nordoberpfalz eG" eine Bilanzsumme von 2,6 Milliarden Euro auf, 2 Milliarden Einlagen und 1,65 Milliarden Euro Kredite. Die Eigenmittel der fusionierten Regionalbank betragen 256,2 Millionen Euro. Sie zählt 46 824 Mitglieder, fast 114 000 Kunden und 730 Mitarbeiter. (cf)

Zinstief und Regulierungswahn bestrafen genau unsere Banken, die wir brauchen, um die Wirtschaft durchgängig mit Krediten zu versorgen.Vorstand Hermann Ott

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