23.10.2017 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vom Minijob in die Altersarmut

Fast alle Branchen klagen über Kräftemangel. Trotzdem verändert sich die Zahl der Minijobs kaum oder steigt eher noch an. In der Arbeitsagentur Weiden will man das nicht verstehen. Eine Ausstellung informiert jetzt darüber.

Es ist nicht einzusehen, warum in Zeiten von Kräftemangel immer noch Tausende in Minijobs arbeiten. Das finden (von links) Monika Reichel, Stephanie Wirth und Thomas Würdinger von der Agentur für Arbeit. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Ende März gab es im Bezirk der Arbeitsagentur Weiden gut 21 000 Minijobs. Zwar wachsen hauptsächlich nur die Minijobs, die zusätzlich zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung geleistet werden. Doch auch die Gruppe der "ausschließlich geringfügig entlohnten Beschäftigten" liegt seit über sieben Jahren bei über 13 000.

"Warum kommt es in Anbetracht des Fachkräftemangels nicht öfters zu einer Umwandlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse?", fragt Agenturchef Thomas Würdinger. Um über das Thema aufzuklären, zeigt die Arbeitsagentur im Berufsinformationszentrum ab sofort die Ausstellung "Minijob? Da geht noch mehr".

Ausführlich werden darin Vor- und Nachteile, insbesondere die Risiken für Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgezeigt. Man müsse von der Arbeit leben können. Mit einem Minijob geht das weder jetzt, noch im Alter. Mit konkreten Berechnungen versucht die Ausstellung, auch Arbeitgeber von der Umwandlung zu überzeugen. So vergleicht ein Plakat den Fall von zwei Minijobs mit einer "richtigen" Stelle im gleichen zeitlichen Umfang. Im Ergebnis ergibt sich für den Arbeitgeber eine Einsparung von 70 Euro pro Monat.

An der Bereitschaft der Arbeitnehmer zur Arbeitszeiterhöhung dürfte es selten fehlen, stellen die Vertreter von Arbeitsagentur und Jobcenter einmütig fest. "Nutzen Sie doch bitte das Potenzial an Arbeitskräftereserven, das bei Ihren Minijobbern verborgen ist", schlägt Würdinger den Arbeitgebern vor. Bei Qualifikationsdefiziten bestünden Fördermöglichkeiten, etwa für Kosten der Weiterbildung oder die Möglichkeit von Arbeitsentgeltzuschüssen.

Ausstellung

Die Ausstellung "Minijob? Da geht noch mehr" ist bis 27. Oktober im Berufsinformationszentrum zu sehen. Am 25. Oktober, 9 Uhr, spricht zum Thema Peter Hofmann vom Deutschen Gewerkschaftsbund. Die Ausstellung wird fachlich begleitet von den Beauftragten für Chancengleichheit von Arbeitsagentur und Jobcenter, Stephanie Wirth und Monika Reichel. Beide stehen für Auskünfte und Beratung zur Verfügung. (sbü)

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