12.01.2018 - 20:00 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Wachstumsbremse Fachkräftemangel Erfolgreiche Jahresbilanz

Dass "fette Jahre" bevorstünden, prognostiziert der ehemalige Wirtschaftsweise Bert Rürup bei einem Vortrag in Weiden bereits vor vier Jahren. Die Bilanz der Arbeitsagentur Weiden für das vergangene Jahr zeigt, dass der Wissenschaftler die Entwicklung vollkommen richtig eingeschätzt hatte.

Der Aufschwung am Arbeitsmarkt geht weiter. Das prognostizieren Arbeitsagenturchef Thomas Würdinger und seine Stellvertreterin Claudia Wildenauer-Fischer. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

Als eines "der erfolgreichsten Jahre der letzten Jahrzehnte" fasste Thomas Würdinger, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Weiden, seine Jahresbilanz zur Entwicklung des regionalen Arbeitsmarktes zusammen.

Mit vielen statistischen Zahlen belegte er seine Aussage. So sei zum Beispiel die durchschnittliche Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr um genau 10 Prozent gesunken. "Wir schneiden damit besser ab als der Durchschnitt aller bayerischen Arbeitsagenturen", freute sich Würdinger. Denn dieser läge bei minus 9,5 Prozent.

Das Weidener Arbeitslosigkeitsniveau passe sich außerdem von Jahr zu Jahr näher an den bayerischen Landesdurchschnitt an. Ende Dezember habe die Arbeitslosenquote mit 3,7 Prozent nur noch um 0,8 Prozentpunkte über diesem Wert gelegen. Längst gäbe es auch Fortschritte bei den Langzeitarbeitslosen, betonte Würdinger. Doch am deutlichsten sei der Aufschwung am Beschäftigungswachstum zu beobachten. Aktuell 83 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten seien der höchste Stand dieser Statistik, seit jene 1974 eingeführt wurde. Auch hier schneidet Weiden mit plus 3 Prozent besser ab als der bayerische Durchschnitt von plus 2,7 Prozent.

Jede zweite zusätzliche Stelle wurde von einem Arbeitnehmer mit ausländischer Staatsangehörigkeit besetzt, erklärte Würdinger. 3350 tschechische Arbeitnehmer sind aktuell im Arbeitsagenturbezirk Weiden beschäftigt. Die Region, die noch vor wenigen Jahrzehnten als strukturschwaches Grenzland galt, sei somit zu einem florierenden und boomenden Wirtschaftsraum geworden, stellte Würdinger fest. Trotz dieser außerordentlich positiven Bilanz weiß der Chef der Arbeitsagentur: "Wir stehen in den nächsten Jahren vor einer gewaltigen Herausforderung." Er nimmt dabei Bezug auf den stets wachsenden Arbeitskräftebedarf der Wirtschaft. 2200 unbesetzte Stellen, und damit 25 Prozent mehr als im Jahr zuvor, wurden Ende des Jahres im Agenturbezirk gezählt. Fast alle Wirtschaftsbereiche meldeten derzeit Personalbedarf an.

Auch das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung prognostizierte dem Bezirk Weiden für das Jahr 2018 ein weiteres Beschäftigungswachstum von 2,3 Prozent. Es sei damit zu rechnen, so Würdinger, dass auch die Zahl unbesetzter Stellen weiter steige. "Manche Wachstumsprognose wird allerdings wegen fehlender Kräftereserven nicht zu realisieren sein", befürchtet er und rechnet mit weniger als 2 Prozent Beschäftigungswachstum in der Region.

"Ich sehe in vielen Betrieben nach wie vor hohe Qualifizierungspotenziale", sagte der Chef der Arbeitsagentur. Er empfiehlt den Firmen dringend, sich auf Qualifizierungsreserven im eigenen Betrieb zu konzentrieren. Langfristige Personalplanung sei hier gefordert, denn diese helfe auch in den kommenden Jahren, wenn der Arbeitsmarkt noch mehr leer gefegt sein wird als heute. Mit zahlreichen Förderprogrammen könne die Arbeitsverwaltung diese Prozesse unterstützen. Trotz der bestehenden Fachkräfteengpässe zeigt sich der Arbeitsagenturchef auch für 2018 sehr optimistisch. "Wir rechnen im Agenturbezirk Weiden für das kommende Jahr mit einem über dem bayerischen Durchschnitt liegenden Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 4,3 Prozent." Kommentar

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