05.11.2017 - 17:30 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Warnung vor "München-Bashing" beim Wirtschaftsbeirat Regionale Wirtschaft und Politik nicht immer einer Meinung

Altenstadt/WN. Bei allem Respekt vor den Anstrengungen zum Breitband-Ausbau: In der regionalen Wirtschaft herrschen starke Zweifel, ob die Kupfer-Leitungen angesichts ihrer begrenzten Kapazität zukunftsfähig sind. Aufhorchen ließen beim "Kamingespräch" der Vorstandschef der Sparkasse Oberpfalz-Nord, Ludwig Zitzmann, und der Unternehmer Stefan Rank. Sie sprechen sich für eine höhere finanzielle Beteiligung der Privatwirtschaft aus - sich nämlich beim schnellen Internet nicht nur auf den Staat zu verlassen; die tatsächlichen Kosten sollten auf die Nutzer verteilt werden. Weil das Tempo dabei wichtig ist, sieht Zitzmann besondere Chancen im Mobilfunk.

"Die gemeinsame Interessensvertretung für die nördliche Oberpfalz" betonen die Landtagsabgeordneten Tobias Reiß (CSU) und Annette Karl (SPD). Bild: cf
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Der Initiator und Gastgeber der Runde, Helmut Hör, setzte beim Wirtschaftsbeirat der Union das Mega-Thema "Digitalisierung" auf die Tagesordnung. Im Sportheim Altenstadt/WN zollte die wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Annette Karl, der digitalen Aufrüstung in den Schulen zwar ihre "neidlose Anerkennung". Beim schnellen Internet drohe jedoch ein "Stadt-Land-Gefälle", die technischen Standards hinkten den wirklichen Anforderungen hinterher. So erwähnte Karl auch das fast "durchgehende Funkloch" bei der Bahnfahrt nach Nürnberg.

Eigentlich ist die Nordoberpfalz bei der Digitalisierung so clever aufgestellt, "dass die Zukunft bei uns stattfindet". CSU-Landtagsabgeordneter Tobias Reiß ("Geld für die Digitalisierung ist offensichtlich da") zählte auf: Fraunhofer-Institut an der OTH Amberg-Weiden, digitales Gründerzentrum, E-House - und das Überbetriebliche Bildungszentrum in Ostbayern (ÜBZO) in Weiherhammer "als Ergänzung zur OTH". Dies wollte seine MdL-Kollegin Karl nicht so stehen lassen: Durch das ÜBZO dürfe es keinesfalls zu einer "Parallel-Struktur" zur OTH kommen ...

"Digitalisierung und Breitband reichen nicht aus für eine Steigerung der Attraktivität der Region." Gerhard Ludwig, Präsident des Wirtschaftsclubs Nordoberpfalz, plädiert auf "dringenden Ausbau der OTH". Angesichts einer Kostenüberschreitung um 50 Millionen Euro bei der Sanierung des Münchener Gärtnerplatz-Theaters platzte ihm der Kragen: "Bei uns kriegt man seit 30 Jahren nicht einmal die Elektrifizierung der Bahnlinie Regensburg-Hof hin."

Annette Karl sieht die Erweiterung der OTH kritisch: "Mit einem Verzicht auf die Außenstandorte hat sich unsere Hochschule keinen Gefallen getan." Am Beispiel Gärtnerplatz-Theater erkennt sie mangelnde Wertschätzung der Staatsregierung für die Region. So werde dem Keramikmuseum die (staatliche) Trägerschaft für die Personalkosten verweigert. "Jammern bringt uns nicht weiter", warnt Tobias Reiß vor einem pauschalen "München-Bashing". Vielmehr brauche die Nordoberpfalz Qualität in allen Bereichen. Dies unterstreicht ebenfalls Architekt Karlheinz Beer: "Es gibt auch ein analoges Leben. Wir müssen mit baulichen Maßnahmen regionale Identität schaffen."

Die Unternehmerschaft machte außerdem Druck auf "marktnahe Preise" beim künftigen Gewerbegebiet West IV. Die Quadratmeter-Preise bewegen sich flott auf den dreistelligen Bereich zu. "Der Schlüssel liegt hier bei den Staatsforsten", meinte Stefan Rank.

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