13.02.2018 - 19:16 Uhr
Weiden in der Oberpfalz

Weidener Werkstattkette möchte von der "digitalen Kompetenz" der Franzosen lernen Michelin will sich operativ nicht bei ATU einmischen

Nachdem über lange Jahre branchenferne Finanzinvestoren die Werkstattkette ATU um ein Haar in den Ruin getrieben hätten, kommen nunmehr gleich zwei Gesellschafter aus der Autobranche. Auf breite Zustimmung stieß am Dienstag in der Weidener ATU-Zentrale der Einstieg des französischen Reifenherstellers Michelin, der beim Eigner Mobivia (Europas Marktführer für markenübergreifende Fahrzeugwartung und -services) eine Minderheitsbeteiligung in Höhe von 20 Prozent (60 Millionen Euro) am Kapital von Auto-Teile-Unger erworben hat.

Der Reifenhersteller Michelin übernimmt 20 Prozent Kapitalanteil bei der Werkstattkette ATU. In der Weidener Firmen-zentrale freut man sich auf den französischen Riesen, der 60 Millionen Euro zahlt. Archivbild: Götz/Bildmontage: NT/AZ
von Clemens Fütterer Kontakt Profil

Wie Oberpfalz-Medien aus Unternehmenskreisen erfahren hat, wird Michelin keinen Sitz im Aufsichtsrat der deutschen ATU bekleiden: "Es geht allein um eine strategische Partnerschaft - nicht um einen operativen Einfluss." Kategorisch von der Hand gewiesen wird auch eine (finanzielle) Notwendigkeit für das Engagement. Vielmehr pflegten die beiden französischen Traditionsunternehmen seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit: beispielsweise als Zulieferer oder zuletzt bei einem E-Bike-Sharing-Projekt in Frankreich. Umgekehrt ist auch Mobivia an zahlreichen (jungen, zukunftsträchtigen) Unternehmen beteiligt.

Gibt es in den ATU-Werkstätten künftig nur noch Autoreifen von Michelin? "Nein. Denn ATU wird immer ein Mehr-Marken-Anbieter sein", heißt es dazu aus der ATU-Zentrale. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass die gerade beim E-Commerce etwas verschlafen wirkende ATU Synergien aus der "digitalen Kompetenz" von Michelin schöpfen will. Die Innovationskraft des französischen Weltmarktführers wird in der Oberpfalz in höchsten Tönen gelobt.

Dynamik stärken

Mobivia mit den Marken Norauto, Midas und Carter-Cash (2,7 Milliarden Euro Umsatz) übernahm im Dezember 2016 die 1985 von Peter Unger gegründete und dann von "Heuschrecken" ins Straucheln gebrachte ATU. Der Minderheits-Gesellschafter Michelin ist seit 80 Jahren in Deutschland ansässig und beschäftigt hier mehr als 8600 Mitarbeiter in Herstellung, Vermarktung und Vertrieb von Reifen und reifen-bezogenen Dienstleistungen. Olivier Mélis, Vorstandschef von Mobivia: "Wir sind davon überzeugt, dass unsere Partnerschaft mit einem der europäischen Branchenführer in der sich verändernden Automobilindustrie die Umstrukturierung, die ATU seit 2017 betreibt, unterstützen wird."

Jörn Werner, Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) von ATU, betont: "Mit der Eingliederung von ATU in die Mobivia-Gruppe wurden die Voraussetzungen für die Weiterentwicklung unserer Marke geschaffen. Der Beitrag von Michelin wird die Dynamik von ATU weiter stärken, so dass wir den Erwartungen unserer Kunden noch besser gerecht werden können, was unser oberstes Ziel ist."

Michelin wird die Dynamik von ATU weiter stärken.Jörn Werner, Vorsitzender der ATU-Geschäftsführung

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