27.11.2017 - 20:10 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Weltweit 575 Milliarden Dollar Schaden durch Cyber-Angriffe Profitabler als der Handel mit Rauschgift

Es gibt nur wenige Unternehmen, die noch nicht Opfer eines Cyber-Angriffs waren. Der Wirtschaftsclub Nordoberpfalz stellte das Thema Cyber-Sicherheit in den Mittelpunkt seines 8. Wirtschaftsforums an der OTH in Weiden. Mit Professorin Claudia Eckert sprach eine deutschlandweit renommierte Expertin. Die Informatikerin ist Lehrstuhlinhaberin an der Fakultät für Informatik der TU München sowie Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Angewandte und Integrierte Sicherheit (AISEC). Auch das neue Labor Cyber-Sicherheit im E-House in Weiden gehört zu ihrem Zuständigkeitsbereich.

Mit den von Professorin Dr. Claudia Eckert aufgezeigten Themen sollen sich künftig die Fraunhofer Arbeitsgruppe in Weiden und das Lernlabor Cyber-Sicherheit befassen. Der Präsident des Wirtschaftsclubs Nordoberpfalz, Gerhard Ludwig, plädierte eingangs für einen weiteren Ausbau der OTH Amberg-Weiden. Bild: sbü
von Siegfried BühnerProfil

"Cyber-Angriffe nehmen rasant zu", wies Eckert auf die jährliche Schadenssumme von weltweit 575 Milliarden Dollar hin. "Cyber-Attacken sind profitabler als der globale Rauschgifthandel." Zentrale Probleme sind für die Expertin unsichere Software, Apps, mobile Geräte und ungeschützte Internetanbindungen. Sie beschrieb verschiedene Angriffsszenarien, unter anderem den Fall der "Smarten Produktion", bei dem jemand über das Internet auf die Steuerung eines Industrieroboters zugegriffen hat. Ähnliches geschah bei einem Heizkraftwerk. Über die Google-Suchmaschine Shodan sei es sehr leicht, Rechner zu finden, die angegriffen werden können. "SPS-Steuerungen für Maschinen und Anlagen verwenden zu 99 Prozent ein Standardpasswort." Eckerts Empfehlungsliste begann zunächst mit dem Satz: "Stellen Sie für Ihr Unternehmen eine ganzheitliche Sicherheits-Betrachtung an." Es reiche nicht, "irgendwann einmal zu kontrollieren, sondern dies muss permanent durch Analysen erfolgen, um Anomalien zu erkennen". "Von wo und nach wo fließen Daten?" Wichtig seien auch die Fragen "Kann Information abfließen, sind Daten manipulierbar und kann eine Schadfunktion eingeschleust werden?"

Unternehmen müssten die "Daten-Souveränität" - gegebenenfalls branchenübergreifend - zwischen den Bereichen Datenbereitstellung und Datenverarbeitung behalten.

Hin zur "Sicherheitskultur"

Besonderes Augenmerk sollte auf Wechselwirkungen zwischen den IT-Systemen in der Produktion und im Business-Bereich gerichtet werden. Daten-Sicherheit müsse ein "Management-Thema" sein. Wichtig seien auch die Etablierung einer Sicherheitskultur und die Weiterbildung der Fachkräfte. Laut Dr. Wolfgang Weber von der OTH Amberg-Weiden liegt der Schwerpunkt der Arbeitsgruppe "auf einer Verzahnung der angewandten Forschung im Bereich IT-Sicherheit mit der Weiterbildung von Fach- und Führungskräften aus der regionalen Wirtschaft".

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