Wer soll die Dachrinne reparieren?

Spenglermeister Hecht (rechts) fehlen Auszubildende. Klaus Gredinger von der Arbeitsagentur Weiden sieht wenig Hoffnung. Bild: sbü

Aufträge im Handwerk gibt es genug. Doch die Fachkräfte fehlen. "Seit vier Jahren haben wir für die Ausbildung zum Spengler keinen einzigen neuen Bewerber mehr", bedauert der Firmenchef der Spenglerei Hecht GmbH die aktuelle Lage. Noch kann Hecht fast alle Aufträge ausführen, denn er hat in der Vergangenheit mit Einstellungen vorgesorgt. Aber bei Privatkunden gäbe es noch ein erhebliches Auftragspotenzial, sagt Hecht.

Dazu komme, dass zwei Mitarbeiter über 50 sind. "Es fehlt mir vor allem die Generation zwischen 22 und 35 Jahren", rechnet der Handwerksunternehmer vor. Es ist genau die Generation, die in den letzten Jahren sich eher für weiterführende Schulen und ein Studium entschieden hat. Um Bewerber zu bekommen schöpft Hecht alle Möglichkeiten aus. "Wir gehen in die Schulen, wir schalten Anzeigen, bieten Ferienarbeit und Praktikumsplätze an und machen bei fast allen Berufsinformationsveranstaltungen mit." Doch Fehlanzeige. Es gebe in Weiden auch keine Berufsschulklasse für Spengler mehr. Nur für den Heizungs- und Sanitärbereich habe Hecht noch Interessenten. Für Arbeitsagentur-Teamleiter Klaus Gredinger ist dies auch fast eine Ausnahme. "Unter den derzeit 1800 gemeldeten Ausbildungsstellen bei nur 1100 Bewerbern sind auch viele aus dem Heizungs- und Sanitärbereich, die unbesetzt bleiben." Hecht führt den Personalmangel im Handwerk vor allem "gesellschaftliche Ursachen" zurück, sagt aber "auch wir Handwerksbetriebe sollten mehr tun". Viel häufiger sollte man sich die Frage stellen "Wer soll denn die Reparatur am Haus noch machen, wenn so viele studieren?" Am Verdienst im Handwerk liege es längst nicht mehr.

HintergrundDass der Bewerbermangel bei der Spenglerei keine Ausnahme ist, zeigen die neuesten Zahlen über abgeschlossene Ausbildungsverträge, die von der Arbeitsagentur Weiden zusammengestellt wurden. In Weiden wurde laut Handwerkskammer bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen im Jahre 2017 der tiefste Stand seit Beginn der Statistik im Jahre 1995 erreicht. Mit 558 Verträgen wurde der Vorjahresstand um 99 unterschritten. Anders ist die Entwicklung im Bereich der Industrie- und Handelskammer. 2017 schloss mit 831 neuen Verträgen gegenüber dem Vorjahr mit einem Plus von 27 ab. (sbü)
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