wie ein Orkan in Niederbayern auch die Oberpfälzer Waldbauern trifft
Preisliches Nachbeben beim Holz

Der "Baum des Jahres 2017", die Fichte zeigt zwei Gesichter: Zum einen triste, monotone "Plantagen", zum anderen lichten Hochwald. Nach wie vor gilt die Fichte als der "Brotbaum" schlechthin für die Waldbauern in der mittleren und nördlichen Oberpfalz. Bilder: Fütterer (4)
 
Der "Baum des Jahres 2017", die Fichte zeigt zwei Gesichter: Zum einen triste, monotone "Plantagen", zum anderen lichten Hochwald. Nach wie vor gilt die Fichte als der "Brotbaum" schlechthin für die Waldbauern in der mittleren und nördlichen Oberpfalz. Bilder: Fütterer (4)

Die katastrophalen Sturmschäden in Niederbayern treffen indirekt die Oberpfälzer Waldbauern: über den Holzpreis, der teilweise im freien Fall ist. Die Auswirkungen des jüngsten Orkans beflügeln auch die Diskussion über den Umbau der heimischen Wälder.

Weiden/Amberg. "Die Waldbauern im ganzen Freistaat sind geschädigt." Hans-Peter-Lang, Vorsitzender der Waldbesitzer-Vereinigung Eslarn-Vohenstrauß (1200 Mitglieder mit mehr als 7000 Hektar Wald), berichtet von deftigen Preisabschlägen. Vor dem großen Sturm erbrachte der Festmeter Fichtenholz bis zu 90 Euro, jetzt weniger als 70 Euro.

"Der Markt mit Hackschnitzeln bricht regelrecht zusammen." Nach dem Motto "Hauptsache weg" werde Hackschnitzel zum Teil für 3 Euro je Kubikmeter verramscht. Lang: "Es ist zu viel Holz am Markt." Die Sägewerke seien randvoll eingedeckt, "und brauchen eigentlich keine neue Ware". Die Erlöse für das sogenannte "Käfer-Holz" (Einschlag der vom Borkenkäfer befallenen Bäume) bewegen sich dem Vernehmen nach nur noch um die 40 Euro je Festmeter. "Die Folgekosten des Sturms in Niederbayern treffen jedenfalls alle Waldbauern", sagt Lang.

Die flachwurzelnde Fichte bewies erneut ihre Anfälligkeit für Windwurf. Nach wie vor prägt dieser Nadelbaum das Landschaftsbild der Oberpfalz und dominiert mit einem Anteil von 60 bis 70 Prozent die heimischen Wälder. Die Staatsforsten gehen seit vielen Jahren entschlossen den Waldumbau an: Weg von Fichten-Monokulturen und hin zu einem "stabilen" Mischwald. Die Douglasie rückt als Alternative zur Fichte verstärkt in den Fokus: "Die Douglasie wächst schneller als die Fichte - hat dabei ein zäheres Holz und 30 Prozent mehr Volumen", unterstreicht Stefan Bösl, Leiter des Forstbetriebs Flossenbürg der Bayerischen Staatsforsten, die "eindeutigen Vorteile". Bösl kündigt an, den Anteil der bis zu vier Meter tief wurzelnden Douglasie von derzeit bescheidenen zwei Prozent auf fünf bis zehn Prozent zu steigern - in den nächsten 50 Jahren. Der Staatsforst flankiert die natürliche Verjüngung - durch die Samen älterer Bäume - mit der Pflanzung von jährlich 5000 bis 10 000 Douglasien in der nördlichen Oberpfalz.

Trockenheit kostet Geld

Forstdirektor Bösl und sein Stellvertreter Hubert Schlamminger betonen die Bedeutung der Fichte auch in Zukunft für den (niederschlagsreichen) Grenzkamm: Sie lassen jedoch keinen Zweifel daran, dass zunehmend die Veränderungen des Klimas zu spüren sind. So lässt die Trockenheit die bisher "Wurzel-nackten" Jungbäumchen verkümmern. "In diesem Frühjahr ging ein großer Teil unserer Neuanpflanzungen kaputt", berichtet Bösl. Bei durchschnittlich 5000 Bäumchen pro Hektar für die künstliche Verjüngung (2017 insgesamt 27 Hektar Neuanpflanzungen) kostet die Austrocknung richtig Geld: "Wurzel-nackt" kommt ein Bäumchen auf 60 bis 70 Cent, als Container-Pflanze mit Humus auf das Doppelte.

Die Douglasie wächst schneller als die Fichte - hat dabei ein zäheres Holz und 30 Prozent mehr Volumen.Stefan Bösl, Leiter des Forstbetriebs Flossenbürg Bayerische Staatsforsten
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