16.05.2018 - 18:44 Uhr
Oberpfalz

Witt Group Weidener machen Otto Freude

Der HSV ist abgestiegen, doch dieser Hamburger Dino lebt: Als einziges Versandunternehmen aus der Katalog-Ära hat Otto den Weg ins Digitalzeitalter geschafft - erfolgreich.

Vorstandschef Alexander Birken und Finanzchefin Petra Scharner-Wolff geben einen Ausblick auf das laufende Jahr der Otto Group und legen die Bilanz für das vergangene Geschäftsjahr vor. Bild: Christian Charisius/dpa
von Agentur DPAProfil

Hamburg/Weiden. (dpa/paa) Nach einem Jahr mit starkem Gewinn will die Otto-Group ihren Wandel zum Technologiekonzern vorantreiben. "Das Thema Digitalisierung wird in Deutschland unterschätzt", sagte der Vorstandschef Alexander Birken am Mittwoch in Hamburg. Otto sei an rund 250 Startup-Unternehmen beteiligt und erhalte so Zugang zu neuen Ideen und Technologien. Ein absoluter Schlüsselfaktor für die digitale Transformation sei die Kultur eines Unternehmens. "Wir werden da als eine Art Trendsetter gesehen."

Beispielhaft sei die Tochtergesellschaft About You, die im vergangenen Geschäftsjahr (28. Februar) ihren Umsatz auf 283 Millionen Euro mehr als verdoppelt hat. Die Mode-Plattform hat sich über Deutschland hinaus nach Österreich, in die Schweiz und den Benelux-Raum ausgebreitet und nimmt Osteuropa ins Visier. Die Otto-Group hält nur noch 68 Prozent an About You. 25 Prozent hat eine Gesellschaft von Benjamin Otto übernommen, dem Sohn von Aufsichtsratschef Michael Otto. Zudem soll ein weiterer Investor ins Boot genommen werden. "Wir wollen aus About You ein Milliardenunternehmen machen und es in drei oder vier Jahren an die Börse bringen", sagte Finanzchefin Petra Scharner-Wolff. Otto öffnet die Plattform auch für andere Unternehmen und macht die Software zugänglich. Das soll mehr Geld einbringen, als das Wissen im Konzern zu halten. "Die Öffnung des Ökosystems für Partner lässt sich monetarisieren", sagte Birken. Otto wird damit auch zur Software-Firma.

Das Wachstum der Gruppe macht sich auch bei der Beschäftigung bemerkbar: Die Zahl der Vollzeit-Stellen nahm weltweit um rund 2000 auf 51 800 zu, davon 1500 auf 28 100 in Deutschland. Diese Entwicklung sei ebenfalls stark technologiegetrieben; eingestellt würden vor allem Programmierer, Web-Designer, Daten-Experten und andere IT-Mitarbeiter. Allein für die Webseite der deutschen Tochter Otto.de arbeiten 300 Spezialisten. Die Otto-Group ist nach Amazon der größte Online-Händler in Deutschland und gehört international zur Spitzengruppe.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr erhöhte sich das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) um knapp elf Prozent auf 405 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss stieg von 41 Millionen auf 519 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sei mit einem Umsatzwachstum von rund fünf Prozent zu rechnen. Bis 2022 will die Otto-Group einen Umsatz von 17 Milliarden Euro erreichen. Der Konzern hat seine Umsätze um 6,7 Prozent auf fast 13,7 Milliarden Euro gesteigert hat.

Die Witt-Gruppe ist ein Hoffnungsträger von Otto. Der Versandhändler aus Weiden, der vor allem die über 50-jährige Kundschaft im Visier hat, steigerte vergangenes Jahr den Umsatz um gut acht Prozent auf 818 Millionen Euro bei einer erneut sehr guten Rendite, heißt es. Mit dem erfolgreichen Markteintritt in den USA expandierten die Weidener vergangenes Geschäftsjahr über Europa hinaus. Witt investiert massiv in den Online-Handel und soll die Generation der Baby-Boomer gezielt und personalisiert ansprechen.

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