Witt-Gruppe investiert 42 Millionen Euro in Weiden-West
Internationalisierung und Online als Wachstumstreiber

Für die Witt-Gruppe stellt Weiden-West die logistische Drehscheibe für das In- und Auslandsgeschäft dar. Das neue Warenverteilzentrum (WVZ) Nummer IV entsteht auf der noch freien Fläche bei den ersten Distributionsprojekten I und II (links). Bilder: privat
 
"Eigentlich gehören wir als klassischer Versender der Old Economy an. Nur wer bereit ist für Veränderungen, wird langfristig erfolgreich sein und bleiben. Und wir werden dazu gehören." Zitat: Wolfgang Jess, Vorsitzender der Geschäftsführung

Die Witt-Gruppe investiert massiv in ihren zentralen Logistik-Standort Weiden: Für 42 Millionen Euro entsteht ein weiteres Warenverteilzentrum. Es ist inzwischen der vierte Bauabschnitt. Seit 2008 fließen damit insgesamt 140 Millionen Euro nach Weiden-West. Die Witt-Gruppe wartet mit einer zweiten guten Nachricht auf.

Wie der Vorsitzende der Geschäftsführung, Wolfgang Jess, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigt, legte der Umsatz im aktuellen Geschäftsjahr (bis Februar 2018) um 6 Prozent auf mehr als 800 Millionen Euro zu. Der Umsatz des Versenders erhöhte sich in den vergangenen 10 Jahren um rund 50 Prozent, die Zahl der Mitarbeiter um 35 Prozent auf 3011. Die Witt-Gruppe setzt mit Damen-Oberbekleidung konsequent auf die Altersgruppe 50 plus.

Die 100-prozentige "Tochter" der milliardenschweren Hamburger Otto Group fährt höchst erfolgreich eine Multi-Channel-Strategie: einerseits mit dem klassischem Katalogversand und dem Fachhandel mit inzwischen 126 Witt-Geschäften im deutschsprachigen Raum, anderseits mit dem Ausbau des E-Commerce. Der Online-Handel macht - mit stark steigender Tendenz - bereits 20 Prozent des Umsatzes aus, in manchen Ländern wie Russland oder Niederlande bis zu 40 Prozent.

Starke Internationalisierung

Die Witt-Gruppe bestellt den internationalen Markt in elf Ländern. Seit 2017 ist der Oberpfälzer Traditionsversender mit europäischer Mode ("creationL") auch in den USA präsent. Wolfgang Jess kündigt mittelfristig einen "Lückenschluss" mit Polen, Slowakei und Belgien an: "Wir brauchen bei den Auslandsmärkten eine gewisse Größe. "

Die logistische Drehscheibe für das internationale Wachstum der Witt-Gruppe bildet seit 2008 Weiden-West. "Eine logistische Zell-Teilung würde für uns keinen Sinn machen", erklärt Jess. In dem Industriegebiet erfolgt zentral der Versand für alle Marken. Perfekt automatisiert, schicken knapp 1000 Beschäftigte (davon 70 Prozent Teilzeit) in der Logistik täglich 350 000 Artikel oder 120 000 Sendungen (Pakete) auf die Reise. Mit dem neuen Warenverteilzentrum steigt bis spätestens 2022 die Kapazität um ein Drittel auf 520 000 Artikel oder 180 000 Sendungen am Tag. Nach Auskunft von Logistikchef Roland Dietz investiert die Witt-Gruppe zunächst 30 Millionen Euro in das neue Gebäude und modernste Technik. Angesichts des zu erwartenden Volumens - wenn die Geschäftsentwicklung so anhält - wird das Projekt mit dem Ausbau der Packerei für 12 Millionen Euro abgerundet.

Wolfgang Jess und Roland Dietz unterstreichen die Zielvorgabe, dass der Kunde im Inland in der Regel innerhalb von 48 Stunden seine bestellte Ware erhält. Bisher betrug diese Zeitspanne eine Woche. Insgesamt besitzt die Witt-Gruppe in Weiden-West ein Areal von 170 000 Quadratmetern. Das neue Warenverteilzentrum entsteht parallel in direkter Nachbarschaft zum ersten Projekt aus dem Jahre 2008. Damals zog Witt von der Schillerstraße mit der Logistik komplett nach Weiden-West um. In der Schillerstraße sitzt heute die Verwaltung. Der enorme Bedarf an Lagerkapazitäten erfordert die Anmietung weiterer 50 000 Quadratmeter im Weidener Stadtgebiet (unter anderem Hallen von Würschinger, Mitras, Südwolle), an denen auch künftig festgehalten wird. Noch Zukunftsmusik ist eine Verlagerung des bisher am Standort Ullersricht beheimateten Retourenbetriebs nach Weiden-West.

Neue Online-Plattform

Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Wolfgang Jess, sieht neben der Internationalisierung ein außerordentliches Potenzial im Online-Handel: "Wir wollen der beste Online-Anbieter für die Zielgruppe 50 plus werden." Die 18 Online-Auftritte aller Marken sind über eine einheitliche E-Commerce-Plattform konzeptionell "verwoben". Jess: "Nicht der Erfolg der einzelnen Marke zählt, sondern die Entwicklung der Witt-Gruppe." Das nunmehr vierte Wartenverteilzentrum sei ein Meilenstein für die "verstärkte Wachstumsstrategie" im In- und Ausland. Gleichzeitig investiert Witt jährlich Millionen in die Infrastruktur.

HintergrundDas Management der Witt-Gruppe nimmt sich des innerbetrieblichen "Kulturwandels 4.0" an. Dazu gehört auch die Neugestaltung der auf Großräume ausgelegten Bürolandschaft. "Wir wollen noch kommunikativer werden. Wir begegnen uns in immer vielfältigeren Umgebungen", betont Wolfgang Jess, Vorsitzender der Geschäftsführung die Bedeutung von Inspiration, Offenheit und Kooperation der Mitarbeiter im direkten Arbeitsumfeld - neben aller Leistungsorientierung.

Mit Blick auf die "Work-Life-Balance" bietet Witt den mehr als 3000 Mitarbeitern inzwischen über 450 flexible Arbeitszeitmodelle. Zu den "Anreiz-Systemen" zählen u. a. betriebliche Altersversorgung, Kita, Weiterbildungs-Angebote, Gesundheits-Prophylaxe, die beliebten "After-Work-Partys" (Jess: "Da geht die Post ab.") und nicht zuletzt die Bezahlung nach dem Handelstarifvertrag. Zur Unternehmenskultur gehört auch das vertrauliche "Du" quer durch alle Abteilungen und Hierarchien.

"Ansonsten hätten wir es im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter schwer", sagt Jess. Es gebe deshalb keinen Einbruch bei den Bewerbungen. Die Witt-Gruppe kooperiere eng mit den nordbayerischen Hochschulen und Universitäten. "Dies hat sich bewährt." Im Ranking des Magazins "Fokus" erreicht die Witt-Gruppe erneut den dritten Platz als Top-Arbeitgeber in der Branche "Bekleidung, Schuhe, Sportausstattung (Herstellung und Handel)" - hinter den Dax-Konzernen Adidas und Puma. (cf)


Eigentlich gehören wir als klassischer Versender der Old Economy an. Nur wer bereit ist für Veränderungen, wird langfristig erfolgreich sein und bleiben. Und wir werden dazu gehören.Wolfgang Jess, Vorsitzender der Geschäftsführung


Der kontinuierliche Mengenzuwachs macht das neue Warenverteilzentrum notwendig.Roland Dietz, Bereichsleiter Logistik
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