Zusammenschluss senkt Kontrollgebühren
"Obazda": Im Bündel billiger

Mit einem Handstreich umbenannt: Aus "Obazter" wird Abazter - zumindest bei einem Zoiglwirt in der Region. Bild: exb

Ausgestanden ist der Kaas mit dem Obazdn noch nicht. Aber: Es gibt einen Silberstreif am Horizont. Bündelung heißt das Zauberwort, mit dem die Wirte die Kosten deutlich abspecken können.

Weiden/Neustadt. Die Chancen stehen gut. Denn sowohl die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) als auch der Vertreter eines der Kontrollinstitute sehen in einem Zusammenschluss die beste Möglichkeit, die Kosten für den einzelnen Wirt zu senken.

"In bestimmten Bereichen ist eine Gruppenzertifizierung möglich", erklärt Stefan Bach, Fachreferent bei der ABCERT AG in Augsburg. Sie ist eines der drei Institute, die in Bayern für die Kontrolle des original "Obazda" zuständig sind. Eine Institution beziehungsweise ein Wirt müsste als sogenannter Bündeler auftreten, der die nötigen Unterlagen für die Zertifizierung besorgt und einreicht. Dann würden in dieser Gruppe Stichproben erfolgen und nicht jeder Wirt einzeln kontrolliert.

"Beim Schrobenhausener Spargel wird das schon so gemacht", sagt Bach. Der Name des beliebten Gemüses ist ebenso eine geschützte geografische Angabe, wie seit 2015 die Begriffe "Obazda", "Obatzter" und ähnlich klingende Bezeichnungen. Für die Spargelbauern würden die Kontrollgebühren damit deutlich niedriger ausfallen.

350 bis 400 Euro

Auf mindestens 350 bis 400 Euro pro Jahr beziffert Stefan Bach andernfalls die Kosten für die jährliche Kontrolle. Denn neben einer Grundpauschale und einer Organisationspauschale werde auch die Zeit vor Ort verrechnet, die für die Kontrolle anfällt. Auch ihm ist klar: "Für einen kleinen Biergarten oder eine Zoiglwirtschaft ist das schon viel." Für eine große Käserei oder so manchen Gastwirt in der Landeshauptstadt dagegen sei das durchaus zu verkraften. "Es gibt schon Gastronomen in München, die für den Namen ,Obazda' zahlen." Die Spargelbauern in Schrobenhausen dagegen hätten die Kosten durch ihren Zusammenschluss auf etwa 50 Euro pro Kopf reduziert, bestätigt Dr. Peter Sutor, Leiter des Instituts für Ernährungswirtschaft und Märkte an der Landesanstalt für Landwirtschaft. Auch er empfiehlt den Wirten in der Nordoberpfalz deshalb die Bündelung. "Wenn sich zum Beispiel die Zoiglwirte zusammentun und es einen Bündeler gibt, dann soll er zu uns kommen und wir reden miteinander."

Im übrigen versteht er nicht, weshalb das Vorgehen der Schutzgemeinschaft "Obazda" so einen Wirbel ausgelöst hat. "Das ist doch zugleich eine Chance für die Wirte", argumentiert er, "wenn sie den Namen verwenden und damit einen Mehrwert erzielen können". Der Schrobenhausener Spargel habe zum Beispiel einen Aufpreis von einem Euro. Die vorgeschriebene Kontrolle bringe außerdem eine Verbesserung für die Verbraucher. "Wir hatten schon ,Obazde' von katastrophaler Qualität. Da war Schmelzkäse drin und alles mögliche, was nicht reingehört."

Dass der Wirbel um die geschützte Herkunftsbezeichnung "Obazda" erst jetzt ausgelöst wurde, obwohl der Schutz bereits seit 2015 besteht, führt Sutor auf einen Personalwechsel bei der DEHOGA Bayern, sprich dem Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (BHG) zurück. "Die DEHOGA hat auf unsere Schreiben mehrfach nicht geantwortet. Dann hat sich eine Dame darum gekümmert, doch es gab es einen Personalwechsel." Seitdem herrschte Sendepause. Im Juli 2017 habe der Verband dann seine Mitglieder informiert und die Wellen schlugen hoch.

Gespräch im September

Inzwischen hat sich Ulrich Korb, BHG-Bezirksgeschäftsführer aus Regensburg, in die Verhandlungen eingeschaltet. Er hat mit Dr. Sutor einen Gesprächstermin für 22. September vereinbart. "Unser Ziel ist es, die Kosten so gering wie möglich zu halten", versichert er. "Wenn eine Bündelung möglich ist, würden wir das übernehmen. Aber natürlich nur für unsere Mitglieder." 50 Euro Kosten pro Jahr wären "eine Hausnummer, über die man nachdenken kann".

Sollten die Gastronomen sich nicht einig werden, bleibt laut Sutor immer noch folgende Möglichkeit: "Dann nennen S' ihn halt Zoiglkas und bieten diesen Käse an."

"Oberpfälzer Manna" oder "Zsammadruckta"An Fantasie mangelt's unseren Lesern nicht. Der NT-Aufruf nach Alternativ-Namen für "Obazda" oder "Obatzter" hat ein lebhaftes Echo ausgelöst. Falls sich die Wirte nicht auf eine Bündelung einigen können, hier einige Vorschläge zur Umbenennung.

Johannes Dill (Bärnau/München) hat etliche Ideen zu Papier gebracht: Viazgprotzeniger ("wegen des Käseanteils"), Camembertkäskümmelbierbreimischung ("schön bürokratisch"), Boarisch Nutella , Der gelbe Schmierige , Boarisch Gold, Ombrosia ("wie der Götternektar"), Bierschmier oder Oberpfälzer Manna . Hubert Wenisch aus Mitterteich wirft den Oberbazi in den Ring. Zsammabazda oder Zsammadruckta hat Werner Duschner aus Waidhaus eingesandt.

Eine Flut von Ideen samt Begründung steuert Stefan Kastner aus Weiden bei. Hier eine Kostprobe: Streichada oder Gstreichalda , "weil man das Zeugs liebevoll aufs Brot streichen kann". Higlangda , "weil's eben gescheit hinlangen". Umbazda , "vom Zwang der Umbenennung". Deppada , Creme-Deppada oder Creme-Depp , "weil's depperter einfach nimmer geht". Seufzabaz , Seufzbazda ("a klar warum"). Asgschamda , "weil's so is".

Waltraud Witteler, bekannt als Weidener Kräuterköchin, rät zu Bunter . Herbert Schober aus Eslarn hat schließlich folgenden Vorschlag: Die Zoiglwirte könnten den Obazdn Zoiglbazi nennen, und alle anderen könnten den Namen ihres Lokals verwenden, wie zum Beispiel Bräuwirtbazi , Ratskellerbazi , Riebelbazi , Dagnerbazi und so weiter. (ps)
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