28.08.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Abschied in Gottes freier Natur

Die Natur geschätzt und geliebt hat Pfarrer Dr. Jan Adrian Lata. Als letzter Pfarrer von Weiding feierte der Priester seinen Abschiedsgottesdienst in der Natur - im Wald bei der Schönbrunnenkapelle. Dabei gab es auch mahnende Worte.

Mit (von links) Diakon Hans Winter, Pfarrer Martin Särve und Dekan Alfons Kaufmann (rechts) feierte Pfarrer Dr. Jan Adrian Lata seinen Abschiedsgottesdienst bei der Schönbrunnenkapelle.
von Ludwig HöcherlProfil

In einer Prozession, vorbei an den 15 Rosenkranzbildstöcken, zog Pfarrer Lata mit den Ministranten, den Konzelebranten und vielen Gläubigen aus Weiding, Schönau, Hannesried und Kagern zu dem kirchlichen Kleinod. Den Dankgottesdienst im Freien, so der Geistliche in seiner Begrüßung, verbinde er mit dem Rosenkranzgebet und dem Pilgern. Im Glauben unterwegs sein, das Wohl für Leib und Seele suchen oder aus der Betriebsamkeit des Alltags zum Wesentlichen zu finden, entdecke man im Pilgern.

Mit Stadtpfarrer Alfons Kaufmann, Oberviechtach, Ruhestandspriester Pfarrer Martin Särve, Regensburg, und Diakon Hans Winter, Oberviechtach, feierte Pfarrer Lata die heilige Messe. Diese wurde von der Blaskapelle Weiding unter Leitung von Josef Schneider begleitet.

Immer miteinander

Im Christentum liege die Wahrheit, jeder Christ sollte das Leben in der Kirche als Chance nutzen, so Pfarrer Lata in seiner Predigt. In jeder Kirchengemeinde lebe jeder Pfarrer aus der Energie der Pfarrei, beide können sich zum Wohl dieser ergänzen. Heute als Pfarrer zu arbeiten sei nicht einfach, so der scheidende Geistliche, er sehe zunehmend den Glauben verdursten. Gott werde immer mehr aus dem öffentlichen Leben verdrängt, das Christentum habe gegen den Glaubensschwund zu kämpfen, wie es Lata auch im letzten Weidinger Pfarrbrief schreibt. Die Religion spiele immer weniger eine Rolle bei der Erklärung der Welt. Trotzdem könne auch die moderne Wissenschaft nicht alles erforschen. Die letzten Fragen, woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir gehen könne nur die Religion und der Glaube an Jesus Christus genügend beantworten.

Dank vom Bischof

Für das Dekanat Neunburg/Oberviechtach dankte Dekan Alfons Kaufmann auch im Auftrag von Diözesanbischof Dr. Rudolf Voderholzer Pfarrer Lata für seinen Dienst in der Pfarrei Weiding. Dabei verlas der Oberviechtacher Stadtpfarrer einen Brief des Oberhirten der Diözese, in dem dieser neben Lata's Engagement auch dessen verfasste Bücher über theologische Fragen würdigte. Wie der Bischof in seinem Brief wünschte auch der Dekan Pfarrer Lata einen wohlverdienten Ruhestand in seinem polnischen Heimatland.

Für die politischen Gemeinden Weiding und Tiefenbach sprachen die Bürgermeister Manfred Dirscherl und Ludwig Prögler den Dank an den Geistlichen. Mit ihm gab es stets ein harmonisches Miteinander. Pfarrer Martin Särve, Priestersohn der Pfarrei Weiding, dankte Pfarrer Lata für sein theologisches und philosophisches Wirken. Ihn schmerze das Ende des Pfarrsitzes Weiding, mit dem nun auch die Kirchenbücher nach Schönsee kommen. Leider sei es aber auch Tatsache, dass aktuell jährlich bis zu 30 Priester in der Diözese versterben, lediglich fünf bis acht Neupriester erhalten die Priesterweihe. Pfarrer Särve wünsche sich, dass, entgegen dem Zeitgeist, junge Menschen den Glauben vertreten und im Gebet pflegen. Alle anwesenden Gläubigen bat er, dazu beizutragen, dass das Interesse am Priesterberuf wachse.

Einen einschneidenden Augenblick in der Pfarrei Weiding nannte Christian Stangl, Vorsitzender des Pfarrgemeinderates, den Abschied vom letzten Pfarrer der Pfarrei. Lata habe 1991 ohne zu zögern das Angebot, in Weiding tätig zu werden, angenommen. Während der vergangenen 26 Jahre hätte sich vieles positiv verändert.

Viele Baumaßnahmen

Stangl erinnerte an die Renovierungsmaßnahmen der Pfarrkirche, der Filialkirchen Schönau und Hannesried, des Jugendheims und des Pfarrhofs. Wallfahrten mit den Pfarrangehörigen führten unter anderem nach Italien, Portugal und Polen mit Besuchen bedeutender Wallfahrtsstätten. Audienzen bei Papst Bedendikt XVI. und Papst Franziskus I. wohnten die Gläubigen bei. Rat und Trost hätten die Pfarrangehörigen immer bei Pfarrer Lata, den Stangl als belesenen Menschen bezeichnete, gefunden.

Autor vieler Bücher

Geistig war der 73-jährige in unzähligen Büchern, Zeitschriften und selbstgeschriebenen Lektüren unterwegs. Den Montag als Ruhetag kannte er nie. Wenn er nicht zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs war, stand die Tür zum Pfarrhof immer offen. Als weltoffener Priester zeigte sich der scheidende Pfarrer mit geistigem und politischen Wissen immer auf höchstem Niveau. Christian Stangl dankte Dr. Lata namens der Pfarrei für sein Engagement zum Wohl der Gläubigen und überreichte ihm ein Bild mit den Kirchen der Pfarrei und der Schönbrunnenkapelle. Nach dem Segen und dem gesungenen "Segne du Maria" verabschiedeten sich viele Pfarrangehörige in persönlichen Worten von ihrem Pfarrer. "Do Widzenia" - "Auf Wiedersehen" stand in polnischer Sprache auf einem Blumenteppich neben der Kapelle. Das wünschten sich auch die Teilnehmer am Dankgottesdienst. (mmj)

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