13.07.2017 - 19:18 Uhr
Oberpfalz

Bayerischer Bauernverband informiert zur Ernte 2017 Keine Gefahr für Chips und Kloß

Auf den Äckern der Oberpfalz läuft die Ernte 2017. Die Wintergerste ist eingebracht, jetzt geht es an die Braugerste, während Mais und Kartoffeln noch etwas zulegen müssen. Das kalte Frühjahr und die Hitze im Juni beeinflussen den Ertrag. Experten gaben am Donnerstag eine Prognose ab.

von Gertraud Portner Kontakt Profil

"Letzte Nacht hat es 27 Liter geregnet. Da haben wir wieder mal Glück gehabt", sagt Junglandwirt Sebastian Betz. Er begrüßt die Gäste, die am Donnerstag auf seinem idyllisch gelegenen Bauernhof im Schönseer Land eintreffen. Der Bayerische Bauernverband (BBV), Geschäftstelle Oberpfalz, hatte zum Ernte-Gespräch eingeladen, und neben Geschäftsführer Josef Wittmann waren der neue BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz, Kreisobmann Josef Irlbacher, einige Ortsobmänner sowie Thomas Zirngibl vom Erzeugerring Oberpfalz und der stellvertretende Landrat Jakob Scharf gekommen.

"Unterm Strich sind die Ernteaussichten für die Oberpfalz durchschnittlich, aber regional sehr unterschiedlich", sagte Wutz. Im Vergleich zu den Spitzenjahren 2015 und 2016 werde mit 20 Prozent weniger Ertrag gerechnet. Die Hitzetage im Juni machten vielen Feldfrüchten schwer zu schaffen, Trockenschäden werden bei Weizen und Raps befürchtet. Die Niederschläge in der vergangenen Woche waren deshalb für die meisten Betriebe sehr wertvoll. "Im gesamten Vegetationsverlauf kann die Natur aber viel ausgleichen", erklärte Kreisobmann Josef Irlbacher. Ebenso wie der Mais sei die Kartoffelernte heuer später dran. Entscheidend werde jedoch das Wetter der nächsten Wochen sein. Die Kartoffeln in den Hochlagen der Weidinger Flur (schwerer, lehmiger Boden) weisen eine gute Wurzelmasse auf. Sie haben die Trockenheit gut überstanden. Das gilt im Bereich Nabburg/Schwandorf (Sandboden) allerdings nur für die Flächen mit Beregnung oder die späteren Sorten. Irlbacher appelliert an die Verbraucher, regional einzukaufen: "Gerade bei den Kartoffeln können wir die heimische Landwirtschaft unterstützen. Egal ob festkochend oder mehlig, alles wächst hier bei uns." Und er ergänzt: "Geschält, gestampft oder gratiniert. Kartoffeln sind kulinarische Alleskönner." Trotzdem sei die Nachfrage nach Frischware rückläufig; Fertigprodukte im Supermarkt stabilisieren den Absatz. Was im Landkreis Schwandorf nicht direkt ab Hof verkauft wird, landet bei "Burgis Kloßteig" (Neumarkt) oder in den Chipstüten der Lorenz Bahlsen Snack-World (Neunburg vorm Wald).

"Erpfl sind Diven, was den Anbau betrifft", sagt Austragslandwirt Helmut Betz, der den Betrieb 2015 an Sohn Sebastian (27) übergeben hat. Er schwärmt am Feld von der "Roten Laura" und "Queen Anne", während die helle "Lady Britta" nur als Chips-Kartoffel Verwendung findet.

Unterm Strich sind die Ernteaussichten für die Oberpfalz durchschnittlich, aber regional sehr unterschiedlich.Josef Wutz, BBV-Bezirkspräsident

Sommergerste enttäuscht

Weiding. (ptr) In der Oberpfalz stehen über 150 000 Hektar Getreide zur Ernte an. Die Trockenheit bringt weniger Erträge, allerdings ist heuer der Krankheitsdruck durch den langen Winter sehr gering. "Die bereits abgeerntete Wintergerste hat die Hitze relativ gut weggesteckt, aber der Aufwand wird preislich nicht honoriert", erklärte BBV-Kreisgeschäftsführer Josef Wittmann. Der Bayerische Bauernverband unterstützt die Landwirte auch mit der Kampagne "Habe die Ähre". Als nächstes steht die Ernte von Raps und Winterweizen an.

"Die Sommergerste wird 2017 der größte Verlierer sein", betonte Thomas Zirngibl, Geschäftsführer vom Erzeugerring Oberpfalz. Sie sei in der Trockenheit von der Schoss- in die Notreifephase gefallen. Die Sommergerste (rund 20 000 Hektar) wird in der Oberpfalz überwiegend als Braugerste eingesetzt. Doch produziert wird für den Weltmarkt. BBV-Bezirkspräsident Josef Wutz sprach die Ernteausfälle in USA und Australien an. Obwohl die Ukraine gute Erträge vorweisen kann, könne mit der Ernte 2017 die Nachfrage nicht gedeckt werden. Doch große Lagerbestände würden dies ausgleichen, so Zirngibl. Er hatte noch interessante Zahlen parat: Silomais belegt 21,7 Prozent Ackerfläche, Winterweizen (19,7), Wintergerste (14), Klee/Ackergras (8), Sommergerste (7,9), Raps (6,5), Triticale (5,2), Körnermais (2,5), Kartoffel (2,4).

Dinkel und Topinambur

Weiding. (ptr) Sebastian Betz setzt vor allem auf Ackerbau. Und er liebt Experimente. Beim Abstecher auf das Dinkelfeld in Hofnähe erklärt er die Vermarktung von Korn (Ledermühle Nabburg) und Spelz (Pferde-Einstreu). Im zweiten Jahr baut er - als einziger Betrieb im Landkreis Schwandorf - Topinambur an, wobei Knolle oder Blatt verwendet werden können.

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