Richard Hirmer startet bei der Eisschwimm-WM in Estland
Nichts für Warmduscher

Ohne Neopren-Anzug startet Richard Hirmer im Eisbecken von Tallinn. Erlaubt sind nur Badehose und -kappe, Schwimmbrille und Ohrstöpsel. Bild: exb
Freizeit
Weiherhammer
16.03.2018
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Die Mütze mit den Namen seiner vier Kinder ist Hirmers Glücksbringer. Bild: Schönberger

Minus fünf Grad - für die meisten ein Grund, dick eingepackt auf der Couch zu lümmeln. Nicht so für Richard Hirmer. Der Weiherhammerer geht dann Baden im Baggerweiher - oder in Estland.

Wenn Richard Hirmer aus dem Loch steigt, dass er sich in die Eisdecke im Baggerweiher geschlagen hat, friert er nicht. Nach fünf Minuten beginnt er zu zittern. Erst da tun ihm Zehen und Finger weh. Hirmer setzt sich dann daheim ins lauwarme Badewasser und wärmt sich langsam auf. "Das ist der beste Moment. Das wohlige Wärmegefühl von innen heraus ist für mich fast wie eine Droge", sagt Hirmer.

"Die allgemeine Meinung zu meinem Hobby: 'Du spinnst doch'. Aber mir tut das gut. Ich bin seit 36 Jahren Saunagänger. Da mag ich auch den Temperaturwechsel warm und kalt", erzählt Hirmer, der bei BHS Weiherhammer arbeitet. Seit über 20 Jahren geht der 56-Jährige regelmäßig im Winter schwimmen. Dreimal in der Woche badet er im Baggerweiher oder am Brandner. "Ich rudere kurz mit den Armen und gehe sofort rein. Man darf nicht zögern." Ist das Wasser eiskalt, bleibt Hirmer drei bis vier Minuten drin. "Das packe ich locker. Jeder kann sich das antrainieren." Hat er einen Aufpasser dabei, geht er schon mal bis zu 12 Minuten baden. "Alleine geht das nicht. Es muss jemand schauen, dass nichts passiert."

Hirmers Liebe zum Eisbaden hat vor zwei Jahren eine neue Dimension angenommen: Da war er zum ersten Mal bei der Eisschwimm-Weltmeisterschaft. Damals in Tyumen in Sibirien. "Auf der Kinderseite im Neuen Tag habe ich von zwei älteren Damen aus Rostock gelesen, die das ganze Jahr im Freien baden gehen und sich auf die WM vorbereiten", erzählt er. "Da hab ich beschlossen, mitzumachen." Hirmer meldete sich bei einer Sportreiseagentur an und fuhr ohne besondere Vorbereitung zur WM. Eine Qualifikation gab es nicht. "Ich schwamm 50 Meter Brust und 100 Meter Kraul und wurde Vorletzter und Drittletzter." Doch die Platzierung war für Hirmer nicht das wichtigste. "Ich habe mir einen Kindheitstraum erfüllt."

Damals erfuhr der Schwimmer von der WM in Tallinn, von der er nun vor einigen Tagen wieder nach Weiherhammer heimgekommen ist. "Ein Jahr vor Tallinn habe ich begonnen, zu trainieren: Schwimmen, Kondition und Krafttraining." Hirmer meldete sich für vier Einzelrennen und eine Staffel an. "Das war eine Gaudi: Die Staffel schwamm ich mit den zwei Damen, die ich damals im Neuen Tag gesehen habe."

Kurz vor seinem Flug nach Estland musste sich Hirmer noch Sorgen machen: "Die Influenza ging um. Ich hatte Angst, mich anzustecken. Dann wäre alles Training umsonst gewesen." Am 3. März reiste er nach Estland. Die Wettkämpfe fanden im Hafenbecken von Tallinn statt. Hirmer schaffte in der Altersgruppenwertung der Männer zwischen 55 und 59 drei 12. und einen 15. Rang. "Die Profis schwimmen natürlich um Medaillen. Aber die WM hat eher den Charakter einer riesigen Breitensportveranstaltung", sagt Hirmer. "Ich habe mir Ziele und Zeiten gesetzt und war sogar besser als gedacht." Immer beobachtet wurde er dabei von seinen Töchtern Felicitas, Franziska und Magdalena. "Die Mädels haben die Rennen per Livestream geschaut."

In zwei Jahren findet die WM in Slowenien statt. Hirmer hält's mit Franz Beckenbauer: "Schau ma mal. Wenn alles gut läuft und ich gesund bleibe, mache ich wieder mit. Dann will ich meine Zeiten halten oder verbessern."

Die allgemeine Meinung zu meinem Hobby: "Du spinnst doch."Richard Hirmer
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