Markus Engelstädter über Schlager, schrille Outfits und Brad Hering
"Damals hat ja keiner Hans Meyer geheißen"

Breites Grinsen und gute Laune garantiert: Brad Hering, alias Markus Engelstädter, und seine "Golden Glitter Band" sorgen für einen stimmungsvollen Abend in Weiherhammer. Bild: exb
Kultur
Weiherhammer
03.07.2017
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Comeback der "Golden Glitter Band": Am 14. Juli kehrt die Party-Truppe auf die Bühne zurück. Im Interview spricht Sänger Markus Engelstädter über schrille Outfits, den Schlager von heute und den der 70er Jahre sowie die Kunstfigur Brad Hering.

Wer braucht schon Jürgen Marcus oder Costa Cordalis, wenn er Brad Hering oder die Cabanossi-Brüder kriegt? Die sind unter den Schlagerfans der Region mindestens genauso bekannt wie die alten Recken. Lustiger sowieso. Und: Sie sind wieder zu hören, zu sehen und zu erleben, beim Open-Air-Konzert im Innovision-Center in Weiherhammer. Sänger und Veranstalter Markus Engelstädter verspricht vor allem eins: Gute Stimmung, jede Menge Spaß und eine Reise in die Zeit der Glitzer-Outfits.

Was ist Ihr Lieblingsschlager?

Markus Engelstädter: Einen zu wählen, ist gar nicht so einfach. Wenn dann: "Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben" von Jürgen Marcus. Weil es einfach Spaß macht, den Song zu singen. Er passt super zu meiner Stimme, hat einen tollen Vibe. Auch die alten Peter-Maffay-Lieder finde ich schön. Da ist sehr viel Schmalz drin.

Wie unterscheidet sich der deutsche Schlager von heute von dem der 70er?

Das ist nicht vergleichbar. Vom Schlager der 70er ist nichts übrig geblieben. Wenn jetzt jemand eine neue Single mit dem Sound herausbringt, interessiert das keinen.

Was halten Sie vom neuen deutschen Schlager à la Helene Fischer?

Alle Songs haben durchgehend nur einen Beat. Helene Fischer steht beispielhaft dafür. Das ist nicht unbedingt schlecht und hat bestimmt seine Berechtigung, aber mein Ding ist das nicht.

Was war früher so besonders?

Das war noch deutscher Schlager, mit einem besonderen, nostalgischen Sound. Das hört man jetzt gar nicht mehr. Die Künstler trugen extravagante Glitzer-Outifts. Heute würde keiner mehr solche Klamotten anziehen. Das war damals ein Lebensgefühl.

Wie viel haben Sie davon mitbekommen? Schließlich sind Sie erst 1977 geboren.

Natürlich habe ich nicht direkt viel mitbekommen. Ich bin irgendwann daraufgestoßen. Der Hang zur Theatralik ist bei mir aber auf jeden Fall hängengeblieben. Glitter - das fällt einfach auf. Das habe ich als kleiner Steppke schon mitbekommen. Als ich die Leute im Fernsehen gesehen habe, habe ich mir gedacht: Was sind das für Typen? Die haben mich fasziniert. Das waren die Vorreiter der Disco-Zeit. Etwas ganz Besonderes

So wie die "Golden Glitter Band"?

Ja, wir in der Band sind auch solche Schlagertypen wie aus dieser Zeit. Jeder hat einen besonderen Namen wie Brad Hering, Angelo und Enrico Cabanossi oder Pino Grigio. Damals hat ja keiner Hans Meyer geheißen.

Die Band hat zuletzt pausiert. Warum das Comeback?

Ich glaube, die Leute wollen uns wieder hören. Ich hatte zuletzt zehn Anfragen für die Band. Wir hatten erfolgreiche Jahre mit der Band, jetzt nach fünf Jahren Pause ist es Zeit, für ein Comeback.

Eine einmalige Sache?

Ja, das ist erst mal so geplant.

Am 14. Juli steigt die große Comeback-Party in Weiherhammer. Was dürfen die Zuschauer erwarten?

Das wird eine Persiflage auf den deutschen Schlager, den guten alten Schlager der 70er Jahre. Wir wollen den Leuten, die damit aufgewachsen sind und die Schlager gelebt haben, diese besondere Zeit zurückholen - mit einem Augenzwinkern.

Wollen Sie sich über die damalige Zeit lustig machen?

Nein, überhaupt nicht. Wir versuchen, so nah wie möglich am Original zu sein. Trotzdem soll es aber vor allem ein großer Spaß werden.

Angst, dass nur die "ältere" Generation kommt?

Nein. Das ist auch was für junge Leute. Das sieht man immer wieder. Wir feiern zwei Stunden lang ein großes Fest. "Ein Bett im Kornfeld", "ein knallrotes Gummiboot" - man kennt jeden Song, jeder kann mitsingen.

Hören Sie privat Schlager?

Jein. Das Genre finde ich sehr wichtig, aber ich höre nicht jeden Tag Schlager aus den 70ern. Ich bin in so vielen Genres zu Hause. Aber es ist halt ein großer Spaß.

Wie lange dauert es, bis Sie sich in Brad Hering verwandeln?

Eigentlich gar nicht so lange, wie man glaubt. Perücke, Schminke und Outfit dauern meist nicht länger als eine knappe Stunde. Aber man schlüpft natürlich auch in eine komplett neue Person. Den Schlagerstar Brad Hering zu spielen, macht einfach großen Spaß. Gesten, Haltung, Gang und auch die Aussprache - Brad verfügt über einen leicht amerikanischen Akzent - werden angeglichen. Das wird dann im Backstage mit allen Bandmitgliedern unter großen Lachattacken zelebriert.

Wo hat Brad Hering seine Klamotten her?

Brad Hering lässt seine Klamotten natürlich schneidern, meistens von Karl Lagerfeld. (lacht)

Was hat er in Weiherhammer an?

Brad wird es sich wegen der großen Hitze, die an diesem Abend erwartet wird, nicht nehmen lassen, im Pelz aufzutreten. Aber keine Angst: Brad und seine Band haben ein Herz für Tiere - es wird ausschließlich Kunstpelz getragen. Mehr verrate ich nicht. Nur so viel: Es ist viel Gold und Glitter dabei. (Verlosung)

Engelstädter-Open-AirZeit, die Plateauschuhe und Schlaghose aus dem Keller zu holen: Am 14. Juli steigt die große Schlagerparade der 70er im Innovision-Center Weiherhammer. Die Show beginnt um 20.30 Uhr, der Einlass öffnet zwei Stunden vorher.

Veranstalter Markus Engelstädter rechnet mit rund 1000 Gästen. "Der Kartenverkauf läuft okay. Ich bin zufrieden." Wer das Konzert unter freiem Himmel nicht verpassen möchte: Eintrittskarten gibt's im NT-Ticket-Shop.

Zu Hören gibt es hochkarätige Künstler. Mittlerweile sind in der Band acht Musiker, die unter anderem aus Regensburg und München stammen. Eine Backgroundsängerin reist aus Graz an. Sie singt sonst für Superstar Andreas Gabalier, wie Engelstädter erzählt. (jut)
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