02.04.2004 - 00:00 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Eröffnung des Insolvenzverfahrens für die Gießerei - Alle 155 Mitarbeiter behalten ihren Job Wieder Rückenwind für Gusstec

Übertroffene Ziele, gute Auftragslage, keine Entlassungen. Die Schlagworte bei der Gusstec-Betriebsversammlung am Donnerstag klangen so gar nicht nach dem Tag, an dem das Insolvenzverfahren für die ins Schlingern geratene Gießerei eröffnet wurde. Dementsprechend verbreitete Insolvenzverwalter Dr. Siegfried Beck zum Beifall der Belegschaft Zuversicht: "Es wird schon schief gehen."

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Ohne blauäugig zu sein, blickte Beck, dessen Kanzlei seit Donnerstag die Löhne und Gehälter für die 155 Mitarbeiter zahlt, in die Zukunft. Die nächsten Wochen würden zeigen, ob neue Aufträge eingehen. Davon hänge ab, ob die Gießer ihren Arbeitsplatz behalten können. Bis Anfang Juli sei das Auftragspolster erst einmal weich.

Weiter könnten auch viele gesunde Betriebe nicht planen, deshalb sei die Situation bei Gusstec momentan "völlig undramatisch, völlig normal." Besonders imponiere ihm, dass Belegschaft und Geschäftsführung sehr gut mit dem Insolvenzverwalter zusammenarbeiteten. Der März habe den Rekordumsatz von 1,6 Millionen Euro gebracht.

Hohe Rohstoffpreise

Die Frage drängt sich auf, warum das Unternehmen dann überhaupt in Schieflage geriet und die Agentur für Arbeit die Löhne für die ersten drei Monate des Jahres übernehmen musste. Laut Beck und Geschäftsführer Joachim Placzek sei dies neben Großschäden bei hochwertigen Serienprodukten vor allem ein Problem der Kalkulation gewesen. Die Rohstoffpreise für Stahlschrott, Eisen und Energie hätten im vergangenen Jahr rapide angezogen. "Jetzt kann man besser darauf reagieren", sagt Beck.

Placzek verneint, dass er zu teuer eingekauft habe. Umstrukturierungen in den Betriebsabläufen würden allmählich greifen. Sie hätten bereits durch einen neuen Produktmix mit höherer Rentabilität, einer anderen Schichtzusammensetzung und weiteren Verbesserungen zu einer deutlich höheren Tagesleistung geführt. Dies mache 20 Prozent mehr aus, beziehungsweise 65 000 statt 55 000 Euro wie noch im ersten Quartal 2003.

Der Gang zum Insolvenzgericht sei trotzdem unvermeidbar gewesen. Placzek: "Wir hatten zum Schluss einfach keine Luft mehr."

Hans-Dieter Speidel, der das Verfahren im Auftrag Becks vor Ort abwickelt, sieht auch weiterhin Chancen für Gusstec als Zulieferer für Hersteller von Windkraftanlagen. Diese Betriebe würden stark in ausländische Märkte expandieren.

Kein Übernahme-Favorit

Solche Perspektiven sollen die Firma auch für den Einstieg eines Investors interessant machen. Beck verhandelt, ein Favorit sei aber nicht dabei. Dies sei jedoch nicht ungewöhnlich. "Viele Profis steigen erst später ein", berichtete er aus eigener Erfahrung.

Gusstec ist aber auch entschlossen, allein weiter zu machen. Dies sei möglich, habe aber einen Nachteil, räumt Beck ein. "Wenn kein Investor einsteigt, wird sich der Makt zurückhalten."

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