Helmut Krauss hilft als Mediator bei Konfliktlösungen in der Wirtschaft - Pilotprojekt am ...
Zum Schlichter statt zum Richter

Lokales
Weiherhammer
17.12.2004
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Schneller, billiger. Solche Begriffe haben im Wirtschaftsleben hohen Stellenwert. Nach diesem Motto sollen auch Auseinandersetzungen ein Ende finden. "Mediation" heißt der Weg, der bereits im Bereich Schule und Ehe immer häufiger beschritten wird.

"Schlichten ist besser als richten" ist das Motto von Helmut Krauss aus Weiherhammer. Er ist einer der ersten ausgebildeten und zertifizierten Wirtschaftsmediatoren in der Oberpfalz. Als Schiedsrichter auf dem juristischen Schlachtfeld versteht er sich jedoch nicht. "Als Vermittler zwischen Konfliktbeteiligten lote ich einvernehmliche und wirtschaftlich sinnvolle Lösungen aus. Die letztendliche Entscheidung bleibt dabei jedoch einzig den Parteien vorbehalten."

Streitigkeiten vor Gericht ließen sich durch speziell dafür ausgebildete Mediatoren nicht nur weitgehend vermeiden, es gehe zudem auch günstiger und zügiger.

Während vor Gericht Streitwert, Zeugen-, Gutachter- und Anwaltskosten nicht nur teuer zu Buche schlagen würden, sondern auch viel Zeit beanspruchten, hätten erste Erfahrungen gezeigt, dass Streitigkeiten mittels Mediator im Schnitt nach drei bis vier Wochen beigelegt und dann durch Notar oder Anwalt in eine rechtsverbindliche Form gebracht werden könnten.

"Freilich", so Krauss, "müssen die, die den Mediator in Anspruch nehmen, auch ernsthaft eine Einigung wollen". Daher gelte es für den Schlichter erst einmal herauszufinden, wo die wahren Interessen der Beteiligten lägen. Der Wirtschaftsmediator sieht das Arbeitsfeld dieser modernen und kooperativen Methode der außergerichtlichen Konfliktlösung zum Beispiel bei Konflikten zwischen Unternehmen und Lieferanten, Verbraucherbeschwerden, Erbauseinandersetzungen, Scheidungs- und Trennungskonflikten oder baurechtlichen Auseinandersetzungen.

MIt der EU-Osterweiterung eröffne sich für ihn ein weites Betätigungsfeld, glaubt Krauss. "Oft ist die Rechtslage im Nachbarland nicht eindeutig, der Gerichtsstand unklar, oder auch die Frage, welche Rechtslage Gültigkeit hat."

Auf das Thema Mediation ist auch die Staatsregierung aufmerksam geworden, auch weil die Gerichte vielfach überlastet sind. Justizministerin Beate Merk startet am 1. Januar ein Pilotprojekt, unter anderem am Landgericht Weiden. Es heißt "Gerichtsnahe Mediation" und zielt auf außergerichtliche Vermittlung.