Trotz angeblich guter Auftragslage: Transportunternehmen Stahl in vorläufiger Insolvenz
Leasingpartner koppelt Spedition ab

Lokales
Weiherhammer
01.05.2013
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Im Jahr 2010 feierte die Spedition Stahl 20-jähriges Bestehen. Am Montag hat sie beim Amtsgericht Weiden Insolvenzantrag gestellt. Stahl gehört mit 50 Zugmaschinen und 71 Mitarbeitern zu den größten Transportbetrieben in der Fuhrunternehmer-Hochburg Weiherhammer.

Das Lebenswerk von Karl Stahl ist durch einen Leasingpartner in Schieflage geraten, erklärt Insolvenzverwalter Dr. Hubert Ampferl aus Nürnberg. Er soll bis 1. Juli die Sanierung managen. Mit im Boot ist die Weidener Rechtsanwältin Dr. Christa Kraemer.

Der Leasinggesellschaft gehören etliche Fahrzeuge aus dem Stahl-Fuhrpark. Vor kurzem hat dieser langjährige Partner den Vertrag gekündigt. Die dadurch sofort fällig werdenden Ablösen kann Stahl zurzeit nicht zahlen. Wie viel Geld aussteht, wollten weder Insolvenzverwalter noch Inhaber sagen.

Löhne gesichert

Warum sich die Leasingfirma zu diesem Schritt entschlossen hat, bleibt offen. Ampferl und Kraemer betonen ausdrücklich, dass die Kunden des Transportbetriebs, unter anderem der Flachglasriese Pilkington, rein gar nichts damit zu tun haben. "Die Auftragslage ist gut, der Geschäftsbetrieb mit allen Mitarbeitern gut ausgelastet."

Eine mögliche Erklärung, warum Stahl bei seinem Partner in der Kreide steht: In der Branche, die international unterwegs ist, gilt es als immer schwieriger, nach der Lieferung Ladungen für Rückfahrten zu gewinnen. Die Krise lässt in vielen europäischen Ländern grüßen. Aber auch dies bleibt vorerst Spekulation.
Die Lage ist jedoch alles andere als hoffnungslos, sagt Rechtsanwältin Kraemer in Richtung Mitarbeiter und Auftraggeber: "Wir fahren voll weiter." Die Beschäftigten haben von Stahl noch ihr Gehalt für März bekommen, am 10. Mai erhalten sie den April-Lohn vom Insolvenzverwalter über das Arbeitsamt, ebenso den für Mai und Juni.

Kein Zugriff auf Lastwagen

Karl Stahl fiel der Schritt in die vorläufige Insolvenz nicht leicht. "Er war hin- und hergerissen", erklärt Kraemer. Die Entscheidung sei auch im Einvernehmen mit der Hausbank gefallen. Der große Vorteil: In der Insolvenz kann die Leasinggesellschaft ihre Fahrzeuge nicht einfach abziehen. Die Laster samt 30 Silos, 22 Planensattel und Spezialaufliegern werden dringend gebraucht, um Aufträge abzuarbeiten.

Laut Anwalt Ampferl laufen Lieferverträge, etwa für Diesel, ganz normal weiter. "Aus insolvenzrechtlicher Sicht schaut es gut aus. Der Gang zum Amtsgericht erfolgte in einer Phase, wo alles noch im Lot ist."

Ampferl hat nun drei Monate Zeit für die Sanierung. Dem Vernehmen nach könnte die so aussehen, dass Karl Stahls Sohn eine Firma gründet und den Betrieb des Vaters übernimmt.
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