23.02.2018 - 16:04 Uhr
Weiherhammer

Brennerei EG in kaltenbrunn aufgelöst Was wird aus Dixi-Land?

Es war schon ein denkwürdiger Tag: Im "Goldenen Anker", wo 21 Kartoffelanbauer am 21. Februar 1968 die Brennerei EG Kaltenbrunn gegründet haben, findet auf den Tag genau 50 Jahre danach die Liquidationsversammlung statt. Was wird nun aus dem Areal?

Sie ist nun endgültig Geschichte: Die Brennerei, 42 Jahre ein Segen für die Landwirte, ist verkauft, die Auflösung der Genossenschaft beschlossen. Die vergangenen Jahre hatte die Firma Toi Toi & Dixi das Gelände als Stützpunkt verwendet, daher der Spitzname "Dixi-Land" Bild: bk
von Siegfried BockProfil

Kaltenbrunn. Dabei beschlossen die Mitglieder unter Vorsitz des seit 2000 amtierenden Vorstandsvorsitzenden Eckhard Neumann die Auflösung der Genossenschaft.

Ludwig Regn, der die Genossenschaft seit der Gründung kaufmännisch begleitete, hatte zum Jubiläum eine Broschüre mit den wichtigsten Ereignissen und Zahlen verfasst. "Viele angenehme Erinnerungen, aber auch manche unangenehme Geschehnisse habe ich in diesen 50 Jahren erfahren. Die Zusammenarbeit mit dem Vorstand und Aufsichtsrat war jedoch stets vertrauensvoll", berichtet Regn. In Dankbarkeit gedachte man der seither verstorbenen 24 Mitglieder.

Es war im wesentlichen auf die Initiative von Junglandwirt Schorsch Krauß zurückzuführen, dass aus 21 Kartoffelanbauern "Schnapsbrenner" wurden. Er und Andreas Poß mussten viel Zeit und Mühe aufwenden, bis sich in Kaltenbrunn 13 Betriebe sowie in Freihung, Thansüß, Schickenhof je 2, in Schmelzmühle und Gut Grub je 1, zu einer Genossenschaft zusammenschlossen. Poß übernahm bis 1972 den Vorstandsvorsitz. Der langjährige Aufsichtsratsvorsitzende Eduard Wittmann war allein mit einem Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche beteiligt. Nach Überwindung vieler Hindernisse konnte das vom Freistaat und Landkreis geförderte 1,2-Millionen-Mark-Projekt auf dem von der Gemeinde angekauften 13 000 Quadratmeter großen Grundstück am 17. Dezember 1971 gesegnet und seiner Bestimmung übergeben werden.

Die Anlage war bereits seit 22. Dezember 1970 in Betrieb. Begonnen wurde mit einem Brennrecht von jährlich 1500 Hektolitern (hl); 1993 lag es bereits um 50 Prozent höher, zuletzt hatte die Genossenschaft ein Kontingent von 2600 hl. 35 Jahre lang wurden Erdäpfel und seit 2005 die Getreidesorte Triticale zu Branntwein mit 85 Prozent Alkohol verarbeitet, der zur Herstellung von Schnaps, Likören, Kosmetika, Reinigungs- und Arzneimitteln diente. Das eiweißreiche Nebenprodukt Schlempe stellte jeweils von November bis März eine Futterergänzung für die Rinderhaltung dar. Investitionen von 200 000 Euro erforderten 2002 die Umstellung auf Kaltmaische und die Dach-Teilerneuerung.

Schorsch Krauß, 28 Jahre Vorstandsvorsitzender, und Eduard Wittmann, 33 Jahre Aufsichtsratschef, war die Brennerei stets ein Herzensanliegen. Tragisch, weil sie beide an Herzversagen starben und das Ende des Branntweinmonopols nicht mehr erlebten, das 2013 nach einer EU-Verordnung bundesweit für solche Einrichtungen kam. Statt Traktoren mit beladenen Anhängern verkehrten nun Lkw der der Firma Toi Toi & Dixi GmbH, die weltweit Sanitär-Systeme anbietet und in dem Gebäude einen Stützpunkt eingerichtet hatte. Inzwischen haben die Grafenwöhrer Patrick Schwemmer und Franz Petschnig das Gebäude mit Areal und beiden Fischweihern erworben.

Was sie damit machen, ist laut telefonischer Nachfrage noch Zukunftsmusik. Seit Januar ist "Dixi-Land", wie es im Volksmund genannt wurde, geschlossen und nach Weiden-Brandweiher umgezogen.

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