13.10.2017 - 12:16 Uhr
WeiherhammerOberpfalz

Ein Mann im Meerjungfrauenkostüm, eine Frau mit Bauchladen. Beim Junggesellenabschied scheiden sich die Paare. Peinlich oder nicht? Zwei Bräute sagen ihre Meinung. Junggesellenabschied

von Wir heiraten!Profil

Pro: „Ich mag gar nicht wissen, wie lange die das geplant haben“

Es kam ihr komisch vor. Als Sonja vom Gassigehen mit dem Hund zu ihrer Wohnung zurückkam, stand da das Auto ihrer Schwester. In ihrer Wohnung in Altötting begrüßten die Schwester und zwei Freundinnen die Braut mit Sekt. „Das war echt cool“, freut sich die 24-Jährige noch heute. Dann fuhren sie nach München, wo sich die drei mit weiteren Freundinnen trafen.

Sonjas Junggesellinnenabschied verlief „wie eine Schnitzeljagd“ zum Thema Harry Potter. Am Viktualienmarkt zum Beispiel musste die junge Frau, die aus Weiherhammer (Kreis Neustadt/WN) stammt, nach ihrem Equipment suchen. Ihre Aufgabe war, mehrere Standbetreiber zu fragen: „Ollivander, hast du einen Zauberstab für mich?“ Ein Gemüsehändler hatte ihn. „Ich bin nicht unbedingt der Mensch, der aus sich rausgeht. Aber die Leute haben echt cool reagiert“, erinnert sich die junge Frau. An mehreren Stationen musste Sonja ihr Wissen unter Beweis stellen. Den Abend ließen die Mädels schön ausklingen und waren feiern.

„Etwas zu verkaufen ist für mich schrecklich.“ Ein Bauchladen kam nicht in Frage. Sonja hat vorher mit ihrer Schwester abgesprochen, was sie keinesfalls machen möchte. Die Braut, die im Mai 2017 standesamtlich geheiratet hat, wollte nichts unternehmen, was zu peinlich ist. Auch Passanten würden sich oft an solchen Aktionen stören, gerade in Städten wie München, wo am Wochenende so viele Gruppen unterwegs seien. „Irgendwann denkt man sich: ,Nicht schon wieder.“

Daher kann die 24-Jährige die Entscheidung der Wirte in Regensburg nachvollziehen die die Gruppen aussperren. „Die Leute sind ja teilweise so betrunken, das ist ja nicht mehr schön.“ Andererseits fragt sich die Oberpfälzerin, wie es gewesen wäre, wenn sie ihren Junggesellinnenabschied in Regensburg gefeiert hätte. „Als Braut ist man schon enttäuscht, wenn man nicht im Lieblingslokal feiern darf.“

Contra: „So richtig zum Affen machen – das passt einfach nicht zu mir“

Eigentlich wollte Corinna ihren Junggesellinnenabschied gar nicht feiern. Zwei Wochen vor ihrer Hochzeit im Juni 2016 rief sie an einem Nachmittag eine Freundin an. „Komm doch mal rüber“, habe sie Corinna aufgefordert. Das kam ihr schon verdächtig vor, gibt die Braut zu. Bei ihrer Freundin angekommen war klar: Das wird ihr Junggesellinnenabschied. Schminken, sich professionell fotografieren lassen, lecker Essen beim Lieblingsmexikaner und zum Abschluss in eine Bar. „Es war ganz ruhig. Wir haben viel geratscht und viel gelacht“. Da der JGA sehr spontan stattfand, hatten nur zwei ihrer Mädels Zeit. „Das war trotzdem echt schön“, erinnert sich die 29-Jährige.

Der Nachmittag und Abend verlief nach Corinnas Geschmack. „So richtig zum Affen machen, jemanden übers Gesicht lecken, einen Mann suchen, der einen String anhat – das passt einfach nicht zu mir.“ Die 29-Jährige findet, dass viele Passanten, die von Braut und Bräutigam zum Kauf von Schnaps und Kondomen oder zu einem Spiel überredet werden, peinlich berührt sind. Alkohol beim JGA sei für sie absolut ok, „aber in Maßen“.

Ihre Freundinnen kennen die Wernbergerin zu lange, um beim Junggesellinnenabschied das Falsche zu unternehmen. Über diesen besonderen Tag hat Corinna vorher nicht explizit mit ihren Mädels geredet. Auch befreundete Paare haben bei einer solchen Veranstaltung nie peinliche Aktionen geliefert, erinnert sie sich.

Corinna hat, unabhängig von ihrer persönlichen Einstellung zum Junggesellenabschied, Verständnis für die Wirte in Regensburg, die nun keine betrunkenen Freundesgruppen in Verkleidung in ihre Gaststuben lassen. Jeder Wirt müsse selbst wissen, ob es zum Lokal und der Kundschaft passt oder nicht. Zusammengefasst von Elisabeth Saller

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