09.03.2018 - 15:54 Uhr
Weiherhammer

Pilkington in Weiherhammer erneuert Produktionslinie zwei Wannenreise zu Ende

Der Countdown läuft: In vier Tagen schaltet Pilkington die Wanne zwei ab. Die Produktionslinie wird bis Juni auf Vordermann gebracht. Die Kosten für die Kaltreparatur liegen im zweistelligen Millionenbereich.

Im Floatwerk Weiherhammer steht eine große Maßnahme bevor. Die 570 Meter lange Produktionslinie (rechts, mit dem weißen Kamin) wird in den nächsten Wochen stillgelegt und komplett erneuert. Die Wanne eins (links, daneben) läuft ganz normal weiter. Luftaufnahme © Michael Ascherl
von Martin Staffe Kontakt Profil

Zehn Jahre lang lief die Schmelzwanne wie geschmiert. 2,5 Millionen Tonnen Glas spuckte die Floatlinie aus, bis zu 810 Tonnen täglich. Das entspricht bei einem 4 Millimeter starken Bauglas 250 Millionen Quadratmetern oder einem Glasband mit 3,5 Metern Breite und 75 000 Kilometern Länge. Damit könnte man immerhin 1,8 Mal die Erde umrunden.

Gefertigt wird 365 Tage im Jahr, rund um die Uhr. In den vergangenen Wochen wurden die Lager vollgefahren, um genügend Glas vorrätig zu haben. Zudem läuft die Wanne eins ganz normal weiter.

"Wir produzieren all das, was die anderen nicht machen wollen", sagt Werkleiter Reinhold Gietl. Glas von 0,75 bis 19 Millimeter Stärke und Längen bis zu 16 Metern. Weiherhammer ist das Werk mit der kompliziertesten Produktpalette. Deshalb muss "Float zwei" jetzt auch deutlich früher erneuert werden. Die letzte Wannenreise hatte noch 17 Jahre gedauert. Aus der Oberpfalz kamen zum Beispiel die gebogenen Glasscheiben für die ufoförmige Apple-Zentrale in Kalifornien. Auch der Medizinsektor setzt auf die Spezialgläser von Pilkington.

Am Mittwochfrüh wird der Produktionsprozess gestoppt und die Wanne abgelassen. Drei Tage dauert es, bis die 1600 Grad heiße Glasschmelze abgelaufen und unter lautem Zischen und Pfeifen abgekühlt ist. "Das ist gutes Glas, das nehmen wir dann beim Hochfahren der Wanne wieder", verrät Gietl. Dazwischen liegen 90 bis 100 Tage. Schon nach drei Tagen ist die Wanne leer. Am Boden setzen sich die begehrten Glasbrocken ab. Sie kommen raus, sobald alles kalt ist. Dann geht es ans Eingemachte. Zahlreiche Firmen, überwiegend aus der Region, darunter die Horn Glass Industries AG aus Plößberg, reißen den Ofen komplett ab und erneuern die Wannenauskleidung. "In Spitzenzeiten arbeiten bis zu 200 Fremdarbeiter rund um die Uhr", weiß der Pilkington-Chef. Aber auch die eigenen Leute werden benötigt. Gietl: "Von unseren 480 Mitarbeitern sind alle betroffen, vom Pförtner bis zur Produktion." Vor allem der komplette technische Bereich ist zu 100 Prozent eingebunden. "Das ist eine Herausforderung."

Wie viel genau die Großmaßnahme kostet, will der Grafenwöhrer nicht sagen. Denn wenn die Wanne schon einmal stillsteht, werden viele andere Dinge gleich mit erledigt.

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