21.12.2017 - 18:08 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Der musikalisch-literarische Abend des Kulturforums begeistert Casanova und die böhmische Klassik

Der Fürstensaal auf Burg Wernberg ist weihnachtlich dekoriert, immer wieder werden wegen des großen Andrangs Stühle hereingetragen. Der musikalisch-literarische Abend des Kulturforums hat Zugkraft.

Hermann Meiller, Hans Loelgen und Siegfried Koller (von links) bereiteten den Zuhörern einen reizvollen musikalisch-literarischen Abend. Bild: twi
von Anton (Rufn. Toni) WildProfil

Im Mittelpunkt stehen diesmal klassische Klavierstücke der böhmischen Komponisten Myslivecek, Dussek, Wanhal und Kozeluh. Sie werden gefühlvoll und gekonnt vorgetragen von Hans Loelgen auf dem Klavier. Das Programm enthält noch zwei meisterhafte Klarinettensonaten von Wanhal, die er zusammen mit Siegfried Koller an der Klarinette spielt.

Mit viel Esprit

Zur Auflockerung liest Hermann Meiller aus böhmischen Sagen und etwas skurrilen Texten von Jaroslav Hasek, dem Dichter des "Braven Soldaten Schwejk". Durch das Programm führt Loelgen locker und launig, mit viel Esprit angereichert durch heitere und ernste Anekdoten aus der Biografie der Komponisten.

In der Programmankündigung wird die Frage aufgeworfen: "Was hat der Frauenheld Giacomo Casanova mit klassischer böhmischer Musik zu tun?" Die Zuhörer schmunzeln zum ersten Mal, als Hans Loelgen verkündet: "Eigentlich nichts!" Doch die ersten zwei Sonaten von Franz Xaver Dussek (1731-1799) seien auf Schloss Dux im Waldsteinarchiv gefunden worden, wo der Frauenheld die letzten 13 Jahre seines Lebens mit wenig Erfolg als Bibliothekar angestellt war und somit die Noten irgendwann in den Händen hatte.

Schon bei den ersten harmonischen Klängen der Dussek-Sonaten erkennt man die Ähnlichkeit zur Wiener Klassik Mozarts und Haydns. Kein Wunder, denn man kannte sich. Nach Auszügen aus Haseks "Schwejk" durch Hermann Meiller folgten Stücke von Johann Baptist Wanhal, der ebenfalls mit Familie Mozart befreundet und hochgeschätzt war.

Wanhal bildete mit Haydn, Mozart und Dittersdorf eines der bedeutendsten Streichquartette der Musikgeschichte. Mit dessen Sonate für Klarinette und Klavier kam eine neue Klangfarbe ins Spiel.

Ratschläge fürs Leben

Nach der Pause folgten harmonisch klingende Stücke des Komponisten Josef Myslivecek (1731-1781), wie Rondo in G-Dur oder das Allegro aus der Sonate in D-Dur, gefolgt vom Allegro aus der Sonate op. 35 von Leopold Kozeluh (1752-1818). Dazwischen in der Anmoderation immer wieder witzige und besinnliche biographische Hinweise.

Nach den seltsamen "Ratschlägen für das Leben" des Jaroslaw Hasek kam das wohl schönste Stück des Abends, eine Arie "Ridente a calma", die sowohl bei Myslivecek als auch bei Mozart notiert ist. Natürlich kommt Hans Loelgen um eine Zugabe nicht herum. Mit "Andante innocente" versetzt er das begeisterte Publikum in Weihnachtsstimmung.

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