25.03.2018 - 12:14 Uhr
Wernberg-Köblitz

Juri-Smirnov-Trio spielt Hommage an den Jazz-Olymp

Diesen Abend kann das veranstaltende "Kulturforum" als schönen Erfolg verbuchen. Drei glänzend aufgelegte Virtuosen, eine ausverkaufte Location und ein Drummer, der ein gewisses Extra zu bieten hat. Mit anderen Worten: Das Juri-Smirnov-Trio sollte bald mal wiederkommen.

Das Juri-Smirnov-Trio mit Namensgeber Juri Smirnov, Schlagzeuger Thomas Stock und Kontrabassist Markus Fritsch (von links) spielte am Samstag im historischen Stallgewölbe der Kaffee-Rösterei Leo Bäumler in Oberköblitz.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

"Mir gefällt es hier gut", verriet der Regensburger Kontrabassist Markus Fritsch, der den ungewöhnlichen Auftrittsort noch nicht kannte. Denn das historische Stallgewölbe der Kaffee-Rösterei Leo Bäumler in Oberköblitz, das etwas versteckt und sehr idyllisch an der Kirchgasse gelegen ist, bot genau jene intime Atmosphäre, in der sich der klassische Jazz des Juri-Smirnov-Trios gut entfalten konnte.

Damit die Kälte der Nacht zuverlässig draußen blieb hatte Bäumler den Kaminofen im Gewölbe angeheizt. Dieser Ofen stand auf der Bühne, so dass sich die drei Musiker im Laufe des Konzerts etwas "entblätterten", weil ihnen recht warm wurde. Den Zuhörern wurde ebenfalls warm, aber denen heizte ja auch noch das Trio gehörig ein.

Für Jazz-Freunde braucht man nur ein paar Titel hinzuschreiben, die bei dem Konzert zu hören waren, und sie wissen, wohin die musikalische Reise ging: "Girl from Ipanema", "Night in Tunisia" oder "Misty", um drei zu nennen, sind   Super-Klassiker des Jazz-Kanons, und so war der Wiedererkennungseffekt hoch und die Freude am Zuhören nicht minder. Denn die drei Profis auf der Bühne setzten die Vorlagen mit ihrer Virtuosität nicht nur mitreißend um, sie zeigten auch soviel unangestrengte Spielfreude während des Auftritts, dass es eine wahre Freude war, zuzusehen.

Für den Senior des Trios und dessen Namensgeber, Juri Smirnov, war das Konzert quasi eine Rückkehr zu den Wurzeln seiner neuen Heimat. Denn Smirnov, der heuer im Herbst seinen Siebzigsten feiern kann, stammt aus Riga, der Hauptstadt Lettlands. Mit seiner Familie kam er in den 1990er Jahren nach Deutschland und fand zunächst Quartier in Wernberg-Köblitz. Dort befreundete er sich mit dem Bildhauer Leo Bäumler, der zwischenzeitlich verstorben ist. Zwar lebt Smirnov jetzt in Nürnberg, aber den Weg zu den Bäumlers und in die Kaffee-Rösterei kennt er auswendig.

Kenntnisreiche Ansagen

Ähnlich geht es dem in Weiden unterrichtenden Drummer Thomas Stock, wie Bassist Fritsch ein Mann in den Fünfzigern, der schon einen Auftritt im Stallgewölbe der Rösterei hinter sich hat, wo er vor eineinhalb Jahren mit zwei weiteren Künstlern "Spanische Impressionen" in Musik fasste.

Das Besondere an dem neuen Konzertauftritt war Stocks Beitrag als Conférencier. Der erfahrene Pädagoge, der seit 1994 an der Musikschule in Weiden Schlagzeug und klassisches Schlagwerk unterrichtet, stellte jedes Stück kenntnisreich und oft humorvoll vor und erzählte von den Komponisten wie Charlie "Bird" Parker, Dizzy Gillespie, Antônio Carlos Jobim, Miles Davis. . . ewig glänzenden Helden im Jazz-Olymp.

Am Ende blieb nur eine Frage offen, wegen der sich ein kleiner, humorvoller Disput zwischen Stock und Fritsch entspannte: Was meint "Ipanema" aus dem Evergreen "Girl from Ipanema"? Wie ein Blick in Wikipedia zeigt, hatten beide recht. Ipanema ist sowohl ein Stadtteil wie auch ein berühmter Strand von Rio de Janeiro.

Nächster Termin

"Kulturforum"-Leiter Helmut Burkhardt, der den Abend mit dem Juri-Smirnov-Trio einleitete, wies auch auf eine weitere Veranstaltung hin: den Auftritt des Kammerorchesters "Auftakt", das sich aus früheren Nabburger Gymnasiasten zusammensetzt. Das Konzert ist am Sonntag, 8. April, um 17 Uhr im Fürstensaal der Burg Wernberg. Auf dem Programm dieses Debütkonzertes steht unter anderem das Concerto grosso in C-Cur aus dem Oratorium "Alexanderfest" von Georg Friedrich Händel. Der Eintritt kostet zwölf Euro. (td)

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