22.05.2009 - 00:00 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Kulturforum Wernberg-Köblitz präsentiert Helmut Friedrich Fenzls Klavierkomposition "Skolion ...: Trinklied auf der Reise durch Zeit und Raum

von Stefan Zaruba Kontakt Profil

"Lacht das Licht, Phainus, dir, halte Kummer dir fern und Gram!" Ein hehrer Trinkspruch. Sinnigerweise auf einen Grabstein gemeißelt. Letzte Ruhestätte eines gewissen Seikilos. Das Besondere an diesem Trinklied, im Altgriechischen "Skolion" genannt, ist, dass es sich hierbei um die älteste überlieferte Musiknotation handelt, zurückdatiert auf den Beginn unserer Zeitrechnung, die 2000 Jahre später der Berliner Komponist Helmut Friedrich Fenzl auf eine "Wanderung durch Raum, Zeit und Klang" schickt.

Unter ebendiesem Titel fand beim Kulturforum Wernberg-Köblitz im Fürstensaal der Burg Wernberg ein außergewöhnlicher Konzertabend statt. Außergewöhnlich nicht nur hinsichtlich der Konzertdauer von gerade einmal 60 Minuten. Originell, wenngleich nicht völlig neu ist auch die Idee des Berliner Komponisten Helmut Friedrich Fenzl, diese als "Skolion des Seikilos" bekannt gewordene, angeblich älteste Melodie der Menschheit in "sechs nostalgischen Promenaden" durch die Jahrhunderte zu führen.

Keine Stilkunde für Hörer

Musik, die ihre eigene Geschichte zum Thema hat. Bei Fenzl ein pathetisches Durchschreiten der verschiedenen Musikstile vom Mittelalter bis zur Moderne. Und Fenzl ist klug genug, das Seikilos-Thema nicht "im Stile von" durchzuführen, also keine unterhaltsame Stilkunde für Interpreten und Hörer zu komponieren, sondern es bei Zitaten stilprägender Elemente wie mittelalterlichen Quintgängen, barocken Figurationen oder klassischen Trillerketten zu belassen.

Grundgerüst dieser Komposition ist zeit- wie raumlos wirkende Akkordik, durch die sich das Seikilos-Thema in Abwandlung wie ein roter Faden zieht. Feinfühlig und sehr konzentriert vorgetragen von der Pianistin und Ehefrau des Komponisten, Mari Kimura.

Fenzls "Seikilos"-Komposition vorangestellt wurde an diesem Abend die Klavier-Fantasie C-Dur von Franz Schubert, besser bekannt unter dem Namen "Wanderer-Fantasie". Und so wurde das Wandern zum Leitthema dieser musikalischen Stunde. Zum Symbol für die Suche nach dem Nichtfassbaren, das sich sowohl in Schuberts jenseitiger Musik abzeichnet wie in Fenzls verklärter, Zeit und Raum überdauernder Musik.

Gedichte als Garnitur

Und weil Musik und Literatur sich schon immer aufs Beste ergänzen, trug der Berliner Schauspieler Jörg-Peter Malke nicht nur das Schubert inspirierende Gedicht "Der Wanderer" von Georg Philipp Schmidt von Lübeck vor, sondern rezitierte zwischen Fenzls "Promenaden" Texte von Shakespeare bis Ringelnatz zum Thema Zeit, Raum und Klang.

 

 

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