11.09.2017 - 18:46 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

"LaBrassBanda" im vollen Kirwa-Zelt: Energiegeladene Blasmusikkapelle

"LaBrassBanda" spielt, was die Instrumente hergeben - und das Publikum lässt sich zwei Stunden lang mitreißen. Die Erfinder des "Bayerischen Techno" landen auf ihrer Zelt-Tour einen Volltreffer. Bei der Wernberger Kirwa verraten sie auch, warum sie so gern in der Oberpfalz auftreten.

Voll war das Kirwa-Zelt, und die Begeisterung kannte keine Grenzen: "LaBrassBanda" riss das Publikum mit. Bilder: twi (2)
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Die beiden Vorbands bringen das Publikum schon in Schwung. Während "Skavaria" und "Gringo Bavaria" als Anheizer ihr Bestes geben, füllt sich das Bierzelt, in dem es an diesem Abend keine Sitzplätze gibt. Sie wären auch völlig unnötig, denn der Sound von "LaBrassBanda" lässt eh keinen der Fans stillhalten. Das zeigt sich ab der ersten Minute. Frontmann Stefan Dettl und seine sechs Mitspieler holen aus den Instrumenten und sich selber alles heraus, und die Zuhörer nehmen die Töne auf, setzen sie in permanentes Mitsingen, Springen, Wippen und Klatschen um. "Wir sehen ja eher harmlos aus, aber unsere Musik kann schon gewaltig werden", "warnt" der 36-Jährige aus Grassau am Chiemsee vor zu viel Euphorie. Ernst gemeint ist das freilich nicht, und bremsen lässt sich da sowieso keiner.

Mit einer Liebeserklärung legt die Band los. "Weil i Di mog" spielt sie, um in den folgenden zwei Stunden einen rasanten Ritt durch ihre inzwischen zehnjährige Geschichte zu unternehmen. Mit "Autobahn" darf einer der ältesten Titel und zugleich die selbst ernannte Lieblingsnummer der Crew genauso wenig fehlen wie "Inter Mailand", "Holland" oder der neue "Cadillac". Egal, was von der Bühne kommt: Unten beim Fanvolk, dem beinahe alle Altersgruppen angehören, löst die als Unikat geltende Mischung aus Ska, Punk, Reggae, Techno und Brass pausenlose Begeisterung aus.

Zwischendurch lässt der Oberbayer Stefan Dettl wissen, dass "LaBrassBanda" inzwischen schon zum 32. Mal in der Oberpfalz gastiert - nicht nur weil sein früherer Studienkollege Jörg Hartl aus Maxhütte-Haidhof eine der Trompeten bläst. Hier in der Oberpfalz habe es schon von Anfang an, als man noch vor ein paar Leuten spielte, gute Veranstalter gegeben, die Newcomern eine Chance lassen. Neulinge sind die Mannen aus der "Blasmusikkapelle" - wie ihr Name auf gut Deutsch heißt - spätestens seit ihrem Mitwirken beim Europäischen Song-Contest nicht mehr. Das damals international nicht so sehr in die Erfolgsspur gekommene Grand-Prix-Lied "Nackert" gehört übrigens an diesem Abend auch zum Repertoire. Umso besser können sie einschätzen, wie großartig die Vorarbeit war, die der Wernberger Kirwaverein mit Maxl Geitner an der Spitze in den zurückliegenden Wochen leistete.

Dettl & Co. laufen zur Höchstform auf. Wer ihre Songs inhaltlich verstehen möchte, ist bei ihren Konzerten ohnehin fehl am Platz. Das Tempo, das der studierte Jazz-Trompeter als Sänger vorlegt, kann akustisch keiner mithalten. Die zum Teil durchaus bemerkenswerten Mundart-Texte lassen sich nur aus der Konserve wirklich verinnerlichen. Der Schwerpunkt liegt "live" eindeutig auf dem Klang. "Gute Musik" wollen sie nämlich nach eigenen Worten spielen - womit sie nicht meinen, fehlerfrei. "Gut" im Sinne von "LaBrassBanda" bedeutet: gute Stimmung erzeugend und ohne Playback. Beide Kriterien schätzen die Anhänger im Wissen, dass vor ihnen perfekt ausgebildete Musiker mit virtuosen Fähigkeiten stehen.

Auch auf der Schlussrunde gibts keinen Anflug von Abnutzungserscheinungen. Im Gegenteil: Bei "Ringlbleame", "Bauer Bauer" und "VW Jetta" - wer hielt es überhaupt für möglich? - legen Dettl und Konsorten noch eine Schippe drauf. Die Stimmung kocht, während das Kondenswasser vom Zeltdach tropft.

Mit einer Liebeserklärung begann der Abend, mit einer weiteren endet er. Stefan Dettl holt das Wernberger Oberkirwapaar Lisa Weber und Sebastian Preißer auf die Bühne und macht ihnen ein dickes Kompliment dafür, dass sie es geschafft haben, ein solches Kirwa-Ereignis auf die Beine zu stellen. Einbeziehen will er da ausdrücklich die Einwohner und die Politiker, die einen solchen, nicht gerade geräuscharmen Abend mitten im Ort zulassen.

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