Walzer von Chopin, Gedichte von Heine: Dr. Hans-Jürgen Loelgens musikalisch-literarischer Abend ...
Was die Nacht so alles zu bieten hat

In ihren Musikstücken und Gedichten drehte sich alles um die Nacht. Verdienten Beifall gab es für Hermann Meiller, Dr. Hans-Jürgen Loelgen, Susanne Kirchner und Dr. Siegfried Koller (von links). Bild: tie
Kultur
Wernberg-Köblitz
15.12.2016
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Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da: Ein reizvolles Motto hatte Dr. Hans-Jürgen Loelgen für den mittlerweile elften musikalisch-literarischen Abend gewählt. Die Gäste waren gespannt darauf, was ihnen der Arzt und Musiker diesmal im Fürstensaal der Burg Wernberg "verordnet". Es war gerade noch Platz für die Akteure, ansonsten waren sehr viele zusätzliche Stühle erforderlich, um alle Besucher unterzubringen. Dr. Hans-Jürgen Loelgen begrüßte die vielen Gäste, stellte fest, dass der Schlager "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da" nicht gesungen wird, und fragte sich und alle anderen, was die Nacht so alles bieten könnte - außer Schlaf.

Heines Nachtgedichte

Die Finsternis war von Anfang an da, die Erde wüst und leer. Die Naturwissenschaften haben dann klarere Aspekte gefunden. Immer wieder gab es neue Ansichten, musikalisch benannte man die Nacht "Nocturno" und stellte sie dementsprechend möglichst friedvoll dar. Dazu passte das "Nocturne Nr. 9 Es-Dur" von John Field, dem Erfinder dieser musikalischen Ausdrucksform, das den musikalischen Part einleitete. Melodie betont spielte Dr. Loelgen das Stück. Ausdrucksvoll und variationsreich in der Stimmführung trug Hermann Meiller daraufhin Nachtgedichte von Heinrich Heine vor. Immer wieder wurden dessen Gedichte gekonnt zwischen die musikalischen Beiträge eingebaut.

Von Franz Schubert folgte das Lied "Der Mond ist aufgegangen", eine weniger bekannte aber auch sehr beeindruckende Vertonung des Textes. Susanne Kirchner, die Tochter von Dr. Loelgen, sang berührend fein. Ganz neuartig klang der Anfangssatz aus der "kleinen Nachtmusik" von Mozart in einer Fassung für Klarinette und Klavier. Dr. Sigi Koller vermochte sein Instrument so einzusetzen, dass die Musik Mozarts auch in dieser Variante glaubhaft klingt. Zwischen zwei ruhig gespielten "Nocturnes" von Frédéric Chopin rezitierte Hermann Meiller das Gedicht "Noctambulatio" von Joachim Ringelnatz mit ironischer Darstellung des Nachtspaziergangs vor.

Im zweiten Teil des Abends folgte das "Nocturne e - moll" op 72/1, das erst nach Chopins Tod veröffentlicht wurde. Es klingt, als wolle sich der Komponist von der Welt verabschieden. Dr. Loelgen spielte das "Andante" aus der "kleinen Nachtmusik" ruhig und ausgeglichen auf dem Klavier. Dann ein Ausflug in die Jazzmusik: Dr. Loelgen, Klavier, und Dr. Siegfried Koller, Saxofon, begleiteten Susanne Kirchner bei "Fly me to the moon" und "Blue moon". Beide Lieder passten hervorragend zum Nacht-Thema des Abends. Als Parodie auf Helmut Kohls Sprechgewohnheiten muss man Dieter Hildebrandts Fassung des Liedes "Der Mond ist aufgegangen" verstehen. Hermann Meiller trug sie hinreißend vor.

Chopin-Walzer als Zugabe

Von Chopin folgte der "Walzer As-Dur" op 69/1, doch dann strafte Wilhelm Buschs Gedicht "Ein Maulwurf" übertriebene Egomanie und warb für Stille: Koller und Loelgen, Klarinette und Klavier, spielten den 2. Satz aus der "Sonatine D-Dur" op 137/1, eigentlich für Violine und Klavier, aber auch in der abgewandelten Variante eine Bereicherung. Der "Walzer a-moll" von Chopin ertönte als krönender Abschluss der Klaviermusik, dann spielten die beiden Herren, sang die Dame den "Abendsegen" aus "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck in melodischer Vollkommenheit. Ein Chopin-Walzer als Zugabe beendete einen genussreichen Musikabend.
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