24.11.2011 - 00:00 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Erst sehr spät gleitet die Oberpfalz in eine Randlage ab - Vortrag von Franz Herbst Lange Zeit ein wichtiges Kernland

Mit der Historie der Oberpfalz setzte sich der gebürtige Wernberger Franz Herbst in einem Vortrag auseinander, zu dem ihn die Abteilung "Heimatgeschichte" des Kulturforums Wernberg-Köblitz eingeladen hatte.

von Autor SEFProfil

Wenn jemand nach einem stressigen Berufsleben in Führungsposition wieder die Schulbank drückt, ist das eher ungewöhnlich. Nicht so beim gebürtigen Wernberger Franz Herbst: Als Oberstleutnant a. D. verwirklichte er einen Kindheitstraum und studierte Kunstgeschichte, weil er Architektur, Formensprache und Symbolik der Kirchen verstehen wollte.

Zusätzlich widmete er sich intensiv der bayerischen Geschichte und verlegte den Schwerpunkt auf die reichlich komplizierte Vergangenheit der Oberpfalz, die er in seiner ehemaligen Heimat vermitteln wollte. Engagiert hatte ihn die Abteilung "Heimatgeschichte" des Kulturforums Wernberg-Köblitz, deren Vorsitzender Hermann Meiller zahlreiche Besucher im Gasthof Burkhard begrüßen konnte.

Spannende Zeitreise

Der Referent verstand es, die an sich spröde und unübersichtliche Materie klar zu strukturieren, mit zahlreichen Bildern und Karten aufzulockern und zwei Stunden lang die Anwesenden auf eine spannende Zeitreise mitzunehmen.
Wie ein "roter Faden" zog sich durch seine Ausführungen, dass der seit der Altsteinzeit besiedelte Nordgau und später die Oberpfalz mehr als 1000 Jahre lang ein Kernland des Ostfränkischen und Heiligen Römischen Reiches (Deutscher Nation) war und erst nach dem Zweiten Weltkrieg in eine Randlage abglitt.

Der Reihe nach wurde es von Agilolfingern, Schweinfurtern, Saliern, Ottonen, Staufern, Luxemburgern, Leuchtenbergern und Wittelsbachern beherrscht und geriet ob seiner Zentralstellung häufig in den Strudel verlustreicher Konflikte.

Als besonders gravierende Beispiele nannte Franz Herbst, der jetzt in Neunburg vorm Wald wohnt, die Einfälle der Hussiten, den Landshuter Erbfolgekrieg, den Dreißigjährigen Krieg, den Spanischen Erbfolgekrieg und die beiden Koalitionskriege am Ende des 18. Jahrhunderts.

Den Kunsthistoriker nicht verleugnen konnte er hinsichtlich einer weiteren Durchreise, die aber ausnahmsweise friedlich vonstattenging: Der hoch verschuldete Ottheinrich von Pfalz-Neuburg brach 1536 nach Krakau auf, wo er die Mitgift seiner Großmutter Hedwig (Landshuter Hochzeit) in Höhe von 32 000 Gulden einfordern wollte. Von den Orten auf seiner Route - etwa Neuburg, Burglengenfeld, Schwandorf, Nabburg und Pfreimd - wurden kolorierte Federzeichnungen angefertigt - erste Stadtansichten noch vor Merian.
Einschneidende Veränderungen für das Gefüge der Oberpfalz brachten drei Regelungen: 1329 wurde durch den Hausvertrag von Pavia die Wittelsbachische Hausmacht geteilt. Kaiser Ludwig der Bayer übergab den Söhnen seines Bruders Rudolf die Pfalz am Rhein mit Heidelberg, dazu Gebiete des ehemaligen Nordgaues, die sogenannte Obere Pfalz mit Amberg. Den eigenen Nachkommen sicherte er die altbayerischen Herzogtümer Ober- und Niederbayern.

In der Religion rigoros

1623 belehnte Kaiser Ferdinand II. den Herzog Maximilian I. mit der Oberpfalz (ausgenommen Pfalz-Neuburg), nachdem Kurfürst Friedrich V. 1620 in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag unterlegen war. Der neue Landesherr führte mittels Religionspatent von 1628 eine rigorose Gegenreformation durch: Wer nicht zur katholischen Konfession konvertierte, musste auswandern.

1777 starb der letzte altbayerische Kurfürst Maximilian III. Joseph - im Gegensatz zu manchen prunksüchtigen und anmaßenden Vorgängern ein sparsamer, friedliebender Herrscher. Ihn beerbte der Pfälzer Kurfürst Karl Theodor, was nach fast 450 Jahren eine Wiedervereinigung aller Wittelsbachischen Lande bedeutete. Nachdem Bayern 1806 von Napoleons Gnaden Königreich geworden war, wurde 1810 die Regierung der Oberpfalz von Amberg nach Regensburg verlegt.

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