31.10.2013 - 00:00 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Flurdenkmal an der alten Linde im Wernberger Friedhof retten - Ein Werk von Georg Herold Das Kreuz des Herrgottschnitzers

Der Beschluss des Bauausschusses steht: Drei Linden an der Wernberger Friedhofsmauer sind krank und müssen gefällt werden (wir berichteten). Josef Eimer macht auf ein ausdrucksvolles Kreuz aufmerksam, das an einem der Bäume befestigt ist. Wenn sie weichen, könnte das Kreuz in der Kalvarienbergkapelle einen wettergeschützten und besser beachteten Standort finden, erinnert das Flurdenkmal doch an den Herrgottschnitzer Georg Herold.

Der heilige Christophorus - eine Holzfigur von Georg Herold aus dem Jahr 1928.
von Autor SEFProfil

Religiöse Volkskunst wollte der Verehrung Gottes und der Heiligen dienen, den Betrachter erbauen und erfreuen. Priorität hatten Kruzifixe. Kein anderes Motiv wurde ab dem 18. Jahrhundert so oft realisiert. Landschaften, Straßenränder, Kirchen, Kapellen, Schulräume, Wohnstuben und Werkstätten waren ohne "Herrgott" undenkbar.

Verzierte Kreuzbalken

Eigene Kunstwerke stellten oft die Kreuzbalken dar. Insbesondere ihre Enden regten die Fantasie der Schnitzer an. Da gab es Blattwerk, Weinreben, Blütenformen und Früchte zu bestaunen. Ein herausragendes Beispiel dafür ist das Wernberger Friedhofskreuz.

Für den Vertrieb der Andachtswerke existierten unterschiedliche Wege: Oft holten sie die Auftraggeber selbst beim Schnitzer ab. Hin und wieder gab es auch Verkaufsläden. In Wallfahrtsorten standen Buden, wo Devotionalien - darunter vor allem Kruzifixe - feilgeboten wurden. Häufig waren die Herrgottschnitzer mit einer Kirm unterwegs, um als Wanderhändler ihre Erzeugnisse an den Mann zu bringen.
Zur Gruppe solcher Hausierer gehörte Georg Herold, ein Autodidakt aus Wernberg. Die Werke des 1879 geborenen Schnitzers hatten künstlerisches Niveau, obwohl er nie eine Lehre genossen hatte. In Markt überlebten nur wenige Werke. Eines davon ist das eingangs erwähnte Kreuz zu Füßen der Kalvarienbergkapelle. Christoph Kehrer gab 1928 eine Statue des Nothelfers Christophorus in Auftrag und stellte sie in die Straßenfassade des Anwesens. Sohn Hans Kehrer erwarb 1932 ein Kreuz und hängte es in den Herrgottswinkel der Wirtsstube.

Für den Kammerwagen

Wenn Georg Herold von einer bevorstehenden Hochzeit "Wind bekam", versuchte er einen Auftrag für den Kammerwagen zu bekommen. Das war ein Leiterwagen, auf dem die Aussteuer der Braut zum Haus des Bräutigams gefahren wurde. Auch ein Kruzifix zuoberst durfte nicht fehlen. Sein besonderes Augenmerk legte der Schnitzer auf die Ausschmückung des Kreuzstammes mit Pflanzenmotiven. Auf dem Weg zum Hopfenzupfen besuchte er viele Kirchen und speicherte die Bilder von Kreuzen und Heiligen im Gedächtnis.

Mit sechs Fingern

Georg Herold starb 22. Mai 1948 im Alter von 69 Jahren und wurde drei Tage später in Wernberg beerdigt. Pfarrer Josef Wittmann vermerkte in der Matrikel: "Der Herrgottschnitzer war weithin bekannt." Sohn Michael wurde 1922 geboren. Ihm lag ebenfalls das Schnitzen im Blut. Er hatte ein staunenswertes Gespür für die Holzstruktur. Doch seine Kurzsichtigkeit wurde mit der Zeit immer schlimmer. Weil er beim Arbeiten so nahe hinschauen musste, schnitt er sich nicht nur einmal in die Nase. Es kam auch vor, dass ein Herrgott wegen der ausgeprägten Sehschwäche sechs Finger oder Zehen hatte. Nach dem Tod des Vaters war Michl urplötzlich auf sich allein gestellt. Er fertigte Kochlöffel, fabrizierte Bambis und erkannte jeden weiteren Modetrend. Mit Erlaubnis der Gemeinde bewohnte er das Armenhaus in der Hinteren Gasse.

Michl, dem Schreinermeister Geitner das nötige Holz schenkte, beschränkte den Corpus oft auf den Kopf und verlangte dafür nur eine Mark. Deshalb hieß so ein Gebilde "Markl-Kreuz". Die Produkte verscherbelte er in der ganzen Oberpfalz. Am 2. November 1966 war Michael Herolds irdischer Weg beendet. Begraben wurde der junge Herrgottschnitzer ebenfalls auf dem Wernberger Friedhof, wo noch das Kreuz seines Vaters hängt.

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