Grüne Politiker auf Bauernhof
Gesunde Böden für gesunde Menschen

Sigi Hagl umriss die Ziele der Grünen in der Landwirtschaft. Bild: m
Politik
Wernberg-Köblitz
28.03.2018
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So viel "grüne" politische Prominenz kommt eher selten in den kleinen Weiler Deindorf direkt an der B14 bei Wernberg-Köblitz. Als Landwirt Josef Hägler und die Regensburger "Interessengemeinschaft gesunder Boden" am Mittwoch zum "Informationstag Bodenfruchtbarkeit und Humusaufbau" einluden, waren unter anderem der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt, die bayerische Landesvorsitzende Sigi Hagl und die Oberpfälzer Bezirksvorsitzende Tina Winklmann mit von der Partie.

"Ein achtsamer Umgang mit den Böden liegt den Grünen sehr am Herzen", umriss Hagl die Motivation ihrer Parteikollegen. Der Weg der Landwirtschaft führe immer weiter in die Industrialisierung, "zum Schaden von Boden, Wasser und Tieren". Die Grünen wollen laut Hagl unter anderem den Pestizideinsatz bis zum Jahr 2030 um die Hälfte reduzieren.

Der Landwirtschaftsmeister Georg Dietl aus Diepoltsried im Landkreis Cham beschrieb anschließend seine persönliche Wandlung vom konventionell ausgebildeten und wirtschaftenden Hofbesitzer zum Verfechter einer alternativen Bodenbewirtschaftung: "Ich bin selber ein Beispiel für die falsche Agrarpolitik." Nicht zuletzt von Josef Hägler habe er viel gelernt, "und wir können in der Landwirtschaft noch sehr viel besser machen".

Hägler nannte als Ziel die Gesundheit von Böden, Pflanzen, Tieren und letztlich auch Menschen. Dabei sei er keineswegs ein klassischer Ökobauer, sondern führe sogar einen sehr intensiven Betrieb. "Ich will von der Landwirtschaft leben können, nicht nur von Prämien." Allerdings müssten dazu auch die Preise für landwirtschaftliche Produkte erhöht werden. Hägler bewirtschaftet insgesamt 50 Hektar, davon neun Hektar Dauergrünland. An die Stelle der Milchviehhaltung trat vor einigen Jahren eine Kalbinnenaufzucht und -mast auf Stroh. Gefüttert werde Heu, keine Silage.

Basis seiner Wirtschaftsweise sei ein ausgewogenes Verhältnis der Nährstoffe mit einem ausreichenden Humusgehalt im Boden, erklärte Hägler, der bundesweit Vorträge hält. Er sprach sich sowohl gegen die Ausbringung von Gülle oder Mist als auch gegen die Einarbeitung grüner Pflanzen in den Boden aus. Um wichtige Bakterien in den einzelnen Bodenschichten zu erhalten, sollte auch nicht gepflügt werden. Stickstoffverluste müssten so gering wie möglich gehalten werden und eine hohe Wasseraufnahme des Bodens beuge der Erosion vor. Besonderes Augenmerk legt Hägler auf das Verhältnis der Elemente Kalzium und Magnesium im Erdreich, denn daran seien auch die anderen Nährstoffe gekoppelt.

Die "Interessengemeinschaft gesunder Boden" stellte schließlich deren Vorsitzender Franz Rösl vor. Der Diplom-Ingenieur erklärte, Josef Hägler imitiere sozusagen in der Bodenbearbeitung den Regenwurm. "Wenn ich gegen die Biologie kämpfe, werde ich Probleme haben", betonte Rösl. Die Interessengemeinschaft wolle den Landwirten, die mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen an sie heranträten, vor allem vermitteln, dass nicht Größe sondern Wissen ihr Produktionskapital sei. Seit der Gründung im Jahr 2016 sei man zwar auf über 150 Mitglieder angewachsen, doch sei das nicht das vorrangige Ziel der Interessengemeinschaft, "sondern wir sehen uns als Wissensvermehrer." Hierfür arbeite man auch mit Universitäten zusammen.
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