25.08.2017 - 17:18 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Hohe Schulden, aber auch viel investiert Was ihnen wichtig ist

Wie wollen die beiden Bürgermeisterkandidaten Wernberg-Köblitz weiterentwickeln? Welche drei Projekte liegen ihnen besonders am Herzen?

Die beiden Bürgermeisterkandidaten Konrad Kiener (CSU, Zweiter von rechts) und Alexander Werner (SPD, Zweiter von links) stellten sich den Fragen der NT-Lokalredaktion. Bilder: Tietz (3)
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

(am/cv) Bei Alexander Werner (SPD) bildet die Jugendarbeit einen Schwerpunkt. Als Polizeibeamter kennt er die zunehmende Drogenproblematik und würde gerne innerorts einen Jugendtreff realisieren und sich Tipps aus Nabburg holen, wo das Projekt erfolgreich läuft. Werner möchte das Industriegebiet weiterentwickeln und das Projekt "Betreutes Wohnen" für Senioren nicht beiseite legen. Hier sollte das Gespräch mit privaten Investoren gesucht werden. Den Fokus richtet er auch auf eine Tagespflege für Demenzkranke, um Angehörige zu entlasten.

Konrad Kiener (CSU) analysiert "was Wernberg-Köblitz hat" und wo er den Markt "in den nächsten fünf bis zehn Jahren sieht". Priorität hat für ihn das Zusammenwachsen der Ortsteile Wernberg, Ober- und Unterköblitz. Sein Bestreben ist ein Begegnungspark in Nähe der Streuguthalle, ein attraktives Eingangstor in dem Markt.

Zur Attraktivität gehören für ihn auch eine gute Homepage und Akzente im Tourismus. Burg, Marktplatzbelebung - "alle Rädchen müssen ineinander greifen" und in dem Räderwerk müssten die Bürger intensiv einbezogen werden. "Man muss mit den Bürgern reden, über Beschlüsse, über Kosten", damit nicht das Gefühl entstehe, "die haben über unsere Köpfe hinweg entschieden".

Welches Profil sollen Jugendheim und Mehrzweckhalle später einmal bekommen? Für Konrad Kiener (CSU) ist klar: Die Halle ist für den Sport da und für jährlich bis zu zehn Großveranstaltungen mit bis zu 1000 Leuten, zum Beispiel im Fasching oder bei kulturellen Anlässen. Bei der Jugendheim-Sanierung sehe das entworfene Architektenkonzept Nutzungen mit bis zu 200 Leuten vor. Kiener denkt da an eine Kulturscheune mit teilweiser Verwendung als Vereinsheim, zum Beispiel von Naabtalern, Kirwa- und Theaterverein. Er sieht diesen kleineren Veranstaltungsort als sinnvolle Ergänzung, keineswegs als Konkurrenz zur Halle oder zu den Wirten.

Alexander Werner (SPD) zeigt sich als einer der Verfechter eines Baus einer großen Halle. Denn ein aufstrebender Ort brauche sie, um den Leuten etwas bieten zu können, zum Beispiel Konzerte oder Kabarett. Die sportliche Auslastung, ob durch Training oder Wettkämpfe, sei zwar wichtig, aber nicht alles.

Auch die Dr. Loewschen Einrichtungen oder die Schule sollten sie nutzen können. Beim Jugendheim sei es zunächst bedauerlich gewesen, nicht in die EFRE-Förderung rein gekommen zu sein. Es stelle sich nun die Frage, was mit der geringeren Förderung überhaupt möglich wird. Das weitere Vorgehen möchte er abhängig machen von den Zuschussmöglichkeiten.

Bürgermeisterwahl

Wernberg-Köblitz hat die Wahl: Am 24. September entscheidet sich, wer Nachfolger von Bürgermeister Georg Butz wird, der in den Ruhestand tritt. In der 5715 Einwohner zählenden Marktgemeinde können 4772 Wahlberechtigte ihre Stimme abgeben. Die CSU schickt den 42-jährigen Konrad Kiener ins Rennen. Der Sparkassenbetriebswirt arbeitet als Teamleiter bei der Sparkasse Neustadt. Kiener ist seit 2002 Marktrat, seit 2016 Fraktionsvorsitzender und war zwölf Jahre Jugendbeauftragter. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. Für die SPD tritt Alexander Werner an. Der 47-Jährige ist seit 1989 als Polizeibeamter bei der Bundespolizei tätig und derzeit hauptsächlich als Fahndungsbeamter in Weiden eingesetzt. Werner gehört dem Marktrat seit 2008 an und fungiert seit 2014 als Zweiter Bürgermeister. Er ist geschieden und hat vier Kinder. Wilhelm Amann und Claudia Völkl von Oberpfalzmedien befragten Konrad Kiener und Alexander Werner in einem Redaktionsgespräch zu ihren Vorstellungen und Ideen, mit denen sie die Marktgemeinde weiterentwickeln wollen. (cv)

Gegenwert sehen: Hohe Schulden, aber auch viel investiert

Die hohe Verschuldung der Marktgemeinde dramatisieren weder Alexander Werner (SPD) noch Konrad Kiener (CSU). Werner verweist auf die intakte Infrastruktur, Wasserwerk, Kläranlage, Schulsanierung und das neue Industriegebiet, für das es Interessenten und Reservierungen gebe. "Wir stehen gut da". Andere Kommunen "haben weniger Schulden, aber auch weniger vorzuweisen". "Wir haben zwar fast zehn Millionen Euro Schulden", konstatiert Konrad Kiener (CSU). Doch die Bürger ziehen ihren Nutzen aus diesen Investitionen. Die Großprojekte seien im Marktrat einvernehmlich angegangen worden - zum Wohl der Bürger. Und wenn das ins Industriegebiet investierte Geld zurückfließe, werde es auch gelingen, die Verschuldung zu senken. (cv)

Neubau kein Thema: Kandidaten stehen zur Rathaussanierung

Sowohl Konrad Kiener (CSU) als auch Alexander Werner (SPD) stehen zur Entscheidung des Marktrates, das Rathaus energetisch sanieren zu lassen."Das war der richtige Weg", meint Alexander Werner mit Blick "auf 90 Prozent Förderung". Man hätte in punkto Barrierefreiheit noch mehr machen können - eine rollstuhlgerechte Zufahrt, einen Außenaufzug -, doch das Ganze sei sehr kurzfristig zu entscheiden gewesen. Durch das günstige Förderprogramm bekomme die Kommune ein saniertes Gebäude, das bei einem Rathausneubau ja auch vermietet werden könnte: "Wir haben da nichts in den Sand gesetzt".

"Unser Rathaus ist ein Wohnhaus und kein Verwaltungsgebäude", gibt Konrad Kiener (CSU) Bürgermeister Georg Butz recht, wenn dieser das umständliche Handling, die fehlende Diskretion bemängelt. Das Rathaus passe nicht mehr zu der aufstrebenden Gemeinde. Ein Neubau wäre in der langfristigen Planung neben dem neuen Kindergarten vorgesehen, angesichts aktueller Projekte aber derzeit kein Thema. Zudem müsste man die Fördermittel zurückzahlen, wenn das sanierte Haus in der Bindungsfrist verkauft oder vermietet würde. (cv)

Die Zukunft des TSV-Geländes

Dauerbrenner TSV-Sportgelände: Kann es erhalten werden oder wäre es jetzt an der Zeit für eine Fusion von TSV Detag und FC Wernberg? Eine Fusion scheitere an den Vereinen, so Alexander Werner (SPD). Er sieht durchaus die Möglichkeit, das TSV-Sportgelände zu erhalten, wenn man mit dem Eigentümer Pilkington spreche. Der Markt sollte als Vermittler tätig sein, der Bürgermeister mit Nachdruck die Verhandlungen führen, damit das Sportgelände erhalten werde und eventuell die alte Halle eine Nachnutzung erfahre. Es könnte sein, dass eine Firma Interesse zeige. Konrad Kiener (CSU) wirft den Blick auf die Zusammenarbeit von TSV und FC, die in der AH-Spielgemeinschaft funktioniere und weiter ausgebaut werden könne. Fusion sei aktuell kein Thema. Beim Sportgelände habe der TSV das Gespräch mit Pilkington gesucht. Mündlich gebe es die Aussage, dass der TSV weiter Pächter sein könne. Es geht jetzt um die Vertragskonstellationen. Schwierig sei die Nachfolgenutzung der Halle, folglich wäre dann ein Abriss das Richtige. (cv)

Lebenswert bleiben - Demografie: Kandidaten sehen gute Chancen

Wie kann es gelingen, den demografischen Wandel zu bewältigen und junge Familien am Ort zu halten? Konrad Kiener (CSU) freut sich, dass es - entgegen dem Trend in der nördlichen Oberpfalz - in der Marktgemeinde wieder 40 Geburten im Jahr gibt. Er sieht klare Standort-Vorteile: die Lage am Autobahnkreuz, Nahversorgung, Hallenbad, Angebot für Kinder und Jugendliche. Er will dafür eintreten, dass die Schule im Verbund erhalten bleibt und Wernberg-Köblitz da auch mal Klassen bekommt, nicht nur Schüler an andere Orte abgibt. Gut vorstellen könnte er sich den Bau einer kleinen Eislaufbahn. Jugendliche müssten auch die Gelegenheit haben, sich selber zu organisieren. Wichtig sei neues Bauland.

Alexander Werner (SPD) möchte großen Wert darauf legen, die gute Infrastruktur zu erhalten. Er denkt da auch an die Mittelschule, die drei Kindergärten sowie die Einkaufsmöglichkeiten im Industriegebiet oder beim Metzger. Potenzial besitze noch der Tourismus, vor allem in den Landbereichen wie in Alletshof. Er betont: Die Leute, die da wohnen, sind begeistert. Er beabsichtigt, eine Vereinsbroschüre und Richtlinien für die zukünftige Vereinsförderung zu erstellen. (cv)

Akzente für den Ortskern

Was soll bei der Ortskernsanierung der nächste Schwerpunkt sein? Am Marktplatz, der die Ortsmitte ist und bleiben soll, möchte Konrad Kiener (CSU) noch ein paar gestalterische Kleinigkeiten verbessern, zum Beispiel mit dem Einbau von Schattenspendern. Dann sollen die Maßnahmen weitergehen in Richtung Jahnstraße, Jugendheim und Regensburger Straße mit jeweiligem Umgriff. Mit Hilfe der Städtebauförderung - vor allem beim Jugendheim - möchte er die brach liegenden Seiten Wernbergs deutlich aufwerten.

Der Marktplatz braucht noch mehr Grün, meint Alexander Werner (SPD). Zum Beispiel könnte er sich dort transportable Blumenkästen vorstellen. Aber das müsse mit den Leuten besprochen werden, die solche Vorhaben nämlich durchaus mittragen würden, aber nicht überrascht werden wollen. Das sehe man ja auch bei der Umgestaltung des Friedhofs, die gut gelungen sei. Insgesamt habe sich der Mittelpunkt des Orts in den letzten Jahren gut entwickelt. (am)

Halb und halb

Ich möchte Bürgermeister werden, weil . . . ". . . ich in Wernberg-Köblitz Lebensqualität und Attraktivität ausbauen will." (Konrad Kiener) ". . . ich das Beste für Lebensqualität und Zusammenleben erreichen will." (Alexander Werner)

Wernberg und am Sand sind. . . ". . . eins." (Alexander Werner) ". . . historisch gesehen schon immer eins, nur von der Naab getrennt." (Konrad Kiener)

Heimatgemeinde bedeutet für mich . . . ". . . Rückzugsort, an dem man sich wohlfühlt." (Konrad Kiener) ". . . Zusammenhalt und Miteinander." (Alexander Werner)

Ich möchte Bürger für Gemeindepolitik begeistern, indem . . . ". . . ich ein Bürgermeister für alle bin." (Alexander Werner) ". . . ich Offenheit und Transparenz lebe und mit Wissen und Kompetenz überzeuge." (Konrad Kiener)

Bürgermeister Georg Butz ist für mich . . . ". . . schuld, dass ich Bürgermeister werden will, weil er es geschafft hat, dass ich ins politische Geschäft eingestiegen bin" (Konrad Kiener) ". . . einer, der viel für Wernberg-Köblitz getan und erreicht hat." (Alexander Werner) (am)

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