24.11.2017 - 20:06 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

2651000 Zigaretten geladen Gefriertruhen mit heißer Ware

Ein 53 Jahre alter Lastwagen-Fahrer reist von Ungarn aus über Tschechien in Deutschland ein. Sein Ziel ist England. Doch statt dort anzukommen, wandert er in Untersuchungshaft.

von Autor AHSProfil

Wernberg-Köblitz/Regensburg. Den Frachtpapieren nach transportierte der Mann Gefriertruhen, die in Ungarn hergestellt und nach England ausgeliefert werden sollten. Misstrauisch geworden über die eigenartig wirkende Plombe an seinem Sattelzug, kontrollierten ihn Beamte des Zolls vor zwei Monaten auf einem Parkplatz nahe Wernberg-Köblitz. Diese staunten nicht schlecht, als sie in 23 Gefriertruhen insgesamt 2 651 000 zum Teil unversteuerte, teilweise auch mit ukrainischen Banderolen versehene Zigaretten entdeckten. Diese wären mit insgesamt 421 852 Euro zu verzollen gewesen, wurden aber vom Fahrer nicht deklariert. Nun musste sich der Mann wegen Steuerhinterziehung vor dem für Wirtschaftsstraftaten zuständigen Schöffengericht Regensburg unter Vorsitz von Richter Dr. Alexander Guth verantworten.

Verplombt übernommen

Nach Verlesen der Anklageschrift bat die Verteidigerin Iris Nickl die übrigen Prozessbeteiligten um ein Rechtsgespräch, bei dem es allerdings zu keiner Verständigung kam. Daraufhin gab sie für ihren Mandanten eine Erklärung ab. Dieser sei seit 27 Jahren Lkw-Fahrer und seit eineinhalb Jahren für die gleiche Spedition unterwegs, in deren Auftrag er mehrere Länder in Europa - vorwiegend England - bereisen würde. Einen Tag vor seiner letzten Fahrt sei er von seinem Vorgesetzten aufgefordert worden, den Lastwagen in der Ukraine aufzutanken, da dort der Treibstoff billiger sei. Dieser Aufforderung sei er nachgekommen und habe das bereits verplombte Fahrzeug übernommen.

Für die Fahrt habe er extra ein Handy bekommen. Über dieses sei er aus einem Begleitfahrzeug heraus dirigiert worden. Da sei ihm klar gewesen, dass er neben den Gefriertruhen auch Zigaretten an Bord hatte, er habe aber nicht gewusst, wie viele. Wohl sei ihm dabei nicht in seiner Haut gewesen, zumal er wenige Tage vorher die "ordnungsgemäße" Fracht eines Kollegen übernommen hatte, der ebenfalls beim Schmuggeln erwischt worden war.

Frachtbrief gefälscht

Beamte des Zolls sagten als Zeugen aus, dass die als Absender und Empfänger identische Firma von dieser Fahrt nichts wusste. Vielmehr seien ein Frachtbrief vom August dieses Jahres sowie die Plombe gefälscht worden. Auf einem im Führerhaus sichergestellten Tablet-Computer entdeckten die Beamten 40 Abfragen des Angeklagten, in denen er sich über Aufgriffe und Verurteilungen von Zigarettenschmugglern in England informiert hatte.

Trotz der großen Menge an Zigaretten und des hohen Steuerschadens zeigte die Staatsanwältin ein gewisses Verständnis für den Angeklagten, der als "Bauernopfer einer großen Organisation eingespannt worden war". Da er zudem bislang ein straffreies Leben geführt habe, plädierte sie auf eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Seine Verteidigerin schloss sich dem an.

Das Schöffengericht blieb schließlich noch einen Monat unter den Anträgen, weshalb der Angeklagte sofort nach Verkündung des Urteils die Heimreise antreten konnte.

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