17.01.2018 - 20:00 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

50. Todestag von Sophie Maria Breu Schwester mit mütterlicher Sorge

1938 eröffnet Sophie Maria Breu ein Schlenz-Kurheim in ihrer Heimatgemeinde Wernberg. Die Ordensschwester führt es mit großem Erfolg bis zu ihrem plötzlichen Tod am 16. Januar vor genau 50 Jahren.

Das Schlenz-Kurheim in Wernberg - hier eine Aufnahme aus den Anfangsjahren - wurde im Jahr 1938 eröffnet.
von Autor SEFProfil

Die Schlenz-Kur kombiniert heiße Kräuterbäder, Packungen, Wickel, Massagen, Bürsten, Einreibungen, Darmspülungen, Ruhephasen, gesunde Ernährung und Bewegung in der Natur. Erfunden wurde diese Naturheilmethode von Maria Schlenz und deren Sohn Dr. Josef Schlenz. Sie stellt einen starken Reiz dar, der eine Fieber ähnliche Umstellung zur Folge hat. Eingesetzt wird die Überwärmungstherapie unter anderem bei Stoffwechsel- und Nierenbeschwerden, Gelenk-, Infektions- und Hautleiden, Erschöpfungszuständen sowie bestimmten Krebsformen.

1938 eröffnete Schwester Sophie Maria Breu - geboren am 16. April 1901 in Wernberg Nr. 19 - ein Schlenz-Kurheim in ihrer Heimatgemeinde. Ihre Eltern waren der Schuhmacher Andreas Breu und dessen Ehefrau Katharina, geborene Dorner. Die ersten Gäste Barbara Gatterer und Anastasia Pöllath logierten sich am 17. November ein und erinnerten sich "mit größter Dankbarkeit" an die erfolgreiche Behandlung.

Renommiertes Sanatorium

Vom Nabburger Medizinalrat Dr. Amrhein beaufsichtigt, entstand ein renommiertes Sanatorium mit Einzel- und Doppelzimmern, Diätküche und Hauskapelle. Gelernt hatte Sophie Breu die Therapie bei Maria Schlenz in Innsbruck. Aus ganz Deutschland und den Nachbarländern "pilgerten" in den Folgejahren Heilungssuchende wiederholt zu mehrwöchigen stationären Aufenthalten nach Wernberg. Unter ihnen waren auch viele Prominente, die sich in zahlreichen Gästebüchern lobend und originell über die "Rosskur" äußerten. Viele Einträge sind mit Zeichnungen und Fotos liebevoll illustriert.

Zwei Beispiele: Vom 28. Mai bis 21. Juni 1951 gab sich Petrus Möhler, letzter Abt von Tepl, die Ehre: "Das Sankt-Michael-Schlenz-Kurheim ist wirklich ein Heim, wo sich der Gast daheim fühlen kann, wo Schwester Sophie mit mütterlicher Sorge den ganzen Menschen betreut. Das ist wohl der Vorzug vor anderen Unterkünften. Nach drei Wochen Aufenthalt fühle ich mich wieder wohl und frisch. Für alle Mühe sage ich herzlichst Vergelt's Gott. Möge St. Michael das Heim beschützen, vor allem Unheil bewahren und recht viel Gesundung erbitten."

Vielfach geehrt

Petrus Möhler trat 1919 trat in das Prämonstratenserstift Tepl ein. 1944 wählten ihn die weiß gewandeten Mitbrüder zum 50. Abt. Doch 1945 wurde das Kloster aufgelöst. Abt Petrus hauste bis 1948 in einem Abschiebelager, fand dann Zuflucht im Kloster Schönau/Rhein-Lahn-Kreis. Dort engagierte sich der Chorherr für Sudetendeutsche in Bayern und Österreich. Er wurde vielfach geehrt, unter anderem mit dem Großen Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und dem Bayerischen Verdienstorden. Am 7. März 1968 starb Tepls letzter Abt im Alter von 70 Jahren.

1952 unterzog sich Landrat Jakob Plößl der Schlenz-Kur. Er war im Zimmer Nr. 4 untergebracht. Am 27. Oktober schrieb er ins Gästebuch: "Willst du haben, dass dein Körper wird von Krankheitskeimen frei. Dann schnell zu Sophie Breu. In ihrem schönen, niedlichen Heim, heizt sie dir besonders ein. Würde man einen Patienten zwingen zu dieser Kur, müsste man ihm sagen: Du brauchst zuvor eine Rossnatur. Nachdem es aber jeder freiwillig macht, hat Sophie schon viele gesund gemacht. Drei Stunden dauert dieses unangenehme Nass. Es wird belohnt! Und das Leben macht wieder Spaß!" Jakob Plößl - von 1948 bis 1960 Landrat des Kreises Nabburg - verunglückte am 25. April 1960 tödlich.

Nach dem plötzlichen Tod von Sophie Breu, Schwester des Münchener Caritas-Verbandes, am 16. Januar 1968 führten Franziskanerinnen aus Aiterhofen die 1964 erweiterte Heilstätte in der Vohenstraußer Straße im Sinne der Gründerin weiter. Viele erinnern sich noch an die tatkräftigen Schwestern Martina, Mathilde und Angela, die am 31. Dezember 1988 in das niederbayerische Mutterhaus zurückkehren mussten. Danach leitete Dr. Franz Josef Putz das anerkannte Kurheim bis zur endgültigen Schließung 1994. Derzeit wird das einstige Sanatorium, das die Marktgemeinde über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt gemacht hatte, unter anderem von einer internistischen Gemeinschaftspraxis belegt.

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Quellen: Erinnerungen von Zeitzeugen Marktarchiv Wernberg-Köblitz, Gästebücher des Schlenz-Kurheims.

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