25.05.2017 - 15:12 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Baubeginn – ohne Überprüfung

Die Entscheidung ist gefallen: Der Wasserzweckverband Neunaigen-Kemnath hat die Gewerke für den Neubau des Wasserwerks vergeben - ohne die von den Gegnern geforderte Plan- und Kostenüberprüfung. Der Zweckverbandsvorsitzende peilte eine Lösung an, doch bei der Wahl eines geeigneten Büros gab es keinen Konsens.

Zweckverbandsvorsitzender Vitus Bauer sowie die Bürgermeister Georg Butz und Josef Reindl (von links) erläutern den Sachstand. Bild: Völkl
von Claudia Völkl Kontakt Profil

-Neunaigen. Die Vorgeschichte ist bekannt. Gegner des Neubaus meinen, dass die Anlage wesentlich günstiger gebaut werden kann. Um das Thema zu erörtern, initiierte Zweckverbandsvorsitzender Vitus Bauer ein Fachstellengespräch mit Wasserwirtschaftsamt, Landrats- und Gesundheitsamt, Zweckverband sowie den Bürgermeistern aus Wernberg-Köblitz und Schnaittenbach. Die federführenden Gegner Franz Krös, Josef Lippert und Wolfgang Rom nahmen am Vormittagstermin aus beruflichen Gründen nicht teil. In der Runde wurde festgestellt, dass ein Anbau an das bestehende Gebäude nicht möglich und im Fassungsbereich ein gewisser Abstand einzuhalten sei. Von den Fachbehörden gab es an der bestehenden Planung "nichts zu beanstanden", so Zweckverbandsvorsitzender Vitus Bauer. Der Neubau sei nicht überdimensioniert. Der Zweckverband startete dann am 5. Mai einen neuen Gesprächsversuch. Neben den Bürgermeistern saßen diesmal auch Lippert und Krös am Tisch, ebenso Landrat Thomas Ebeling.

Zweckverbandsvorsitzender Vitus Bauer sowie die Bürgermeister Georg Butz (Wernberg-Köblitz) und Josef Reindl (Schnaittenbach) fassten nun bei einem Pressegespräch das Resultat zusammen. Der Landrat habe unterstrichen, dass "alles sauber gelaufen ist". Eine Mitbeteiligung der Interessensgruppe an der Planung werde es nicht geben, da es sich um einen Behördenvorgang handle. Zudem gebe es keine Ausnahme von den Abständen im Fassungsbereich. Vitus Bauer stellte eine Überprüfung der Planung durch ein neutrales Büro in Aussicht. Vorgeschlagen wurde ein Regensburger Büro, "das dem Landkreis als seriös bekannt ist". An Kosten wurden 5000 bis 10 000 Euro in die Waagschale geworfen. Die Planungsgegner, die laut Bauer nach wie vor keine mit Zahlen unterlegte Alternativplanung vorgelegt hätten, erbaten sich Bedenkzeit. Nach Ablauf der Frist erklärten sie, dass das Regensburger Büro "zu wenig Referenzen" bei Wasserwerken vorweisen könne. Die Gegner schlugen ein ihrer Ansicht nach spezialisierteres Ingenieurbüro aus Haßloch vor. Das aber wiederum soll mit dem das Wasserwerk planenden Büro Wolf "in strenger Konkurrenz" stehen, deuteten Vitus Bauer und die Bürgermeister auf Nachfrage an. Womit sich die Frage nach der Neutralität stelle.

"Die Zeit läuft davon"

Am vergangenen Montag tagte der Zweckverband nichtöffentlich. Angesichts der Überprüfungskosten und weiteren zwei Monaten Zeitverzug beschloss das Gremium laut Vitus Bauer "mit breiter Mehrheit" auf die Überprüfung zu verzichten und mit dem Bau zu beginnen. Im März war Submission. Die Zuschlagsfrist habe man dank des Entgegenkommens der Firmen bis Ende Mai verlängern können. Bei weiteren Verschiebungen wären Regressforderungen nicht auszuschließen. "Uns läuft die Zeit davon", betonen die beiden Bürgermeister. Und mit einer Million Euro liege man in der Kostenschätzung.

In der Sitzung wurden die Gewerke vergeben. Die Baumeisterarbeiten übernimmt das Unternehmen Bauer aus Erbendorf, Elektro- und Steuerung die Firma Wilo-Emu aus Hof und die Verfahrenstechnik WKS aus Dresden. In den nächsten drei Wochen gibt es laut Bauamtsleiter Stefan Ott ein Einweisungsgespräch. Als Fertigstellungstermin für das Wasserwerk ist Ende 2018 angepeilt. Für Ott ein "zukunftsgerichteter Bau."

"Vor den Kopf gestoßen"

Franz Krös, einer der federführenden Gegner des Wasserwerk-Neubaus in der geplanten Form, fühlt sich "vor den Kopf gestoßen". Man habe sich Bedenkzeit und die Möglichkeit eines Alternativvorschlags bei der Auswahl des überprüfenden Büros auserbeten.

Das Haßlocher Unternehmen habe weitaus mehr Referenzen im Bau von Wasserwerken vorzuweisen, als das Regensburger. Wenn es Zweifel an der Neutralität des Büros gebe - ihm sei hier nichts bekannt - , hätte er sich ein persönliches Gespräch mit dem Zweckverband gewünscht. Man sollte miteinander sprechen, bevor abgestimmt werde. Stattdessen seien nun der Bau beschlossen, die Aufträge vergeben.

Krös persönlich möchte das Bürgerbegehren, für das Unterschriftenlisten ausliegen, weiter betreiben und an der Forderung einer Neuplanung festhalten. (cv)

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