Bluttat in Wernberg: Staatsanwalt und Verteidiger legen Revision ein
Elf Jahre auf dem Prüfstand

Symbolbild: dpa
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
20.12.2016
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Nun muss der Bundesgerichtshof entscheiden. Das vor wenigen Tagen gegen einen 48-Jährigen aus Wernberg-Köblitz ergangene Urteil von elf Jahren Haft kommt auf den Prüfstand. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Verteidiger haben mittlerweile Revision eingelegt.

Amberg/Wernberg-Köblitz. Es wird wohl einige Zeit dauern, bis sich die Mitglieder des Ersten Strafsenats beim Bundesgerichtshof den Fall vornehmen. Ihrer Entscheidung ist heute schon mit großem Interesse entgegenzusehen. Denn in Karlsruhe soll jetzt endgültig festgestellt werden, ob es sich bei einem Verbrechen, das heuer am 20. März in einem Siedlungshaus geschah, um Mord oder Totschlag handelte.

Das Schwurgericht beim Landgericht Amberg hatte den von seiner rechtlichen Einordnung her sehr schwierigen Fall über mehrere Tage hinweg ausgeleuchtet. Dabei ging es (wir berichteten) um einen vorher völlig unbescholtenen Arbeiter, dessen aus Thailand stammende Ehefrau immer wieder damit drohte, ihn samt der beiden gemeinsamen Kinder zu verlassen. Daraus resultierten Auseinandersetzungen, die schließlich am 20. März einen dramatischen Höhepunkt erreichten.

Mord oder Totschlag?

Die 31 Jahre alte Frau stieg hinauf ins Dachgeschoss (wir berichteten mehrfach) und wollte dort lagernde Koffer holen. Der Ehemann folgte ihr und nahm aus der Küche ein langes Keramikmesser mit. Wenige Augenblicke darauf gab es ein Gerangel, beide stürzten auf den Boden. In dieser Situation stach der 48-Jährige sechs Mal auf die Thailänderin ein. Noch bevor Rettungskräfte eintrafen, war das Opfer an inneren und äußeren Verblutungen gestorben.

Mord oder Totschlag? Mit dieser Frage setzte sich der mehrtägige Prozess intensiv auseinander. Danach befand Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier: "Das war Mord." Der Täter habe heimtückisch gehandelt, die Arg- und Wehrlosigkeit seiner Frau ausgenutzt, schilderte Strohmeier den Richtern seine gewonnenen Eindrücke und forderte lebenslange Haft. "Es war niemals ein Mordverbrechen", stemmte sich Verteidiger Michael Schüll (Amberg) gegen diese Auffassung. Er stufte den tödlich endenden Vorgang nach allen vorausgegangenen Querelen als "minderschweren Fall des Totschlags" ein und verlangte "eine Haftstrafe von nicht mehr als fünf Jahren."

Das Schwurgericht am Landgericht in Amberg ordnete das Familiendrama juristisch ganz anders ein. "Es war Totschlag. Aber kein minderschwerer Fall", hieß es im Urteil. Dafür erhielt der Angeklagte elf Jahre Haft. Weit mehr, als er und sein Verteidiger wohl erwartet hatten.

Revision von beiden Seiten

"Ich habe das Rechtsmittel der Revision eingelegt", teilte Rechtsanwalt Michael Schüll nun auf Anfrage mit. Nach einer Revision in Karlsruhe hat unterdessen auch Oberstaatsanwalt Strohmeier verlangt. Für ihn bleibt die Bluttat von Wernberg-Köblitz trotz der schwurgerichtlichen Entscheidung ein Mordverbrechen.

Der von beiden Seiten aus gestellte Überprüfungsantrag erfolgte zunächst formlos im Zuge der einzuhaltenden Widerspruchsfrist. Bevor Strohmeier und Schüll nun ihre ausführlichen Revisionsbegründungen einreichen, werden sie abwarten, was die Amberger Richter genau in ihr schriftlich abgefasstes Urteil hinein schreiben.
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