Bürger mit ins Boot genommen

Vitus Bauer (rechts) und Stefan Ott treten den Vorwürfen einer mangelnden Informationspolitik entgegen. Bild: Völkl
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
21.04.2017
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Vitus Bauer und Stefan Ott breiten Zeitungsausschnitte - rund 20 - auf dem Tisch aus. Den Vorwurf, dass der Zweckverband zur Wasserversorgung Neunaigen-Kemnath erst heuer im Februar über die aktuellen Pläne zum Neubau des Wasserwerks informiert habe, weisen sie damit zurück. "Wir haben die Bevölkerung nicht außen vor gelassen".

-Neunaigen. In Neunaigen schwelt der Streit um den Wasserwerk-Neubau. Franz Krös, Josef Lippert und Wolfgang Rom halten ihn für überdimensioniert und zu teuer. Die Aktionsgruppe fordert eine Neuplanung (wir berichteten). Zweckverbandsvorsitzender Vitus Bauer und Bauamtsleiter Stefan Ott, zuständig für die technischen Angelegenheiten des Zweckverbandes, reagieren auf die letzte Veranstaltung der Kritiker. Darin seien Behauptungen aufgestellt worden, die "wir nicht stehen lassen wollen".

Bekannte Fakten


Bereits im November 2014 sei zu lesen gewesen, dass der Zweckverband eine Sanierung bzw. einen Neubau des rund 60 Jahre alten Wasserwerks thematisiere. Im Vorfeld habe noch das alte Verbandsgremium eine Studie in Auftrag gegeben, die neun Varianten untersucht habe. Es wurden Kosten hinterlegt, die sich in 50 Jahren ansammeln. Als wirtschaftlichste Variante habe sich ein Neubau herauskristallisiert. Nach ersten Gesprächen mit dem Ingenieurbüro sei die Bevölkerung über Kosten, Umlageschlüssel, Bauzeiten, Gebührensatzung und Raten informiert worden, betonen Vitus Bauer und Stefan Ott. Die Kostenschätzung liege bei rund einer Million inklusive Nebenkosten. Auch der Aufteilungsschlüssel sei bekannt. Stefan Ott skizziert ihn: 90 Prozent der Summe werden auf Verbesserungsbeiträge (75 Prozent Geschoß- und 25 Prozent Grundstücksfläche) umgelegt, zehn Prozent auf den Wasserpreis. In Neunaigen/Kemnath gebe es rund 400 Abrechnungseinheiten. Das Aufmaß sei gemacht, die Aufmaßblätter verschickt worden. Welche Kosten kommen auf den Einzelnen zu? Ott berechnet beispielhaft ein Wohnhaus mit 360 Quadratmetern Geschoß- und 800 Quadratmetern Grundfläche: Dafür wären dann bei der jetzigen Ausgangslage 1760 Euro - in drei Raten - zu zahlen.

"Wie Äpfel und Birnen"


Vitus Bauer und Stefan Ott kontern auch der Ansicht, dass der Neubau dreifach überdimensioniert wäre und bei einer Neuplanung 50 Prozent der Kosten eingespart werden könnten. Dem Zweckverband würden nach wie vor keine belastbaren Grundlagen für diese Einschätzung vorliegen. Vonseiten der Kritiker sei im Dezember 2015 das Angebot eines Unternehmens über 220 000 Euro unterbreitet worden, das aber nur die Aufbereitungstechnik beinhaltet habe, jedoch keine Kosten wie Demontage, Maurerarbeiten oder Kernbohrung. "Das war nicht verwertbar, das ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen", so Bauer. Seit Ende 2016 liegt dem Zweckverband nun auch ein Blatt vor, auf dem die Aktionsgruppe Jahresmenge, Bautechnik, Filtertechnik und Investitionskosten der aktuellen und alternativen Planung gegenüber gestellt hat. Doch laut Ott habe er "keine Zahlen, keine Berechnungen", die das belegen. "Es fehlen fundierte Aussagen hinsichtlich Kostenaufgliederung, Funktionfähigkeit und darüber, ob die anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden." Die Kritiker würden einen Neubau zudem mit einer Jahresmenge von 210 000 Kubikmeter verbinden und bei ihrer Alternativplanung 90 000 ansetzen. Dem sei nicht so: Die Jahresmenge steige in den nächsten 25 Jahren lediglich von jetzt 70 000 auf 75 000. Das sei so ausgelegt, als ob pro Jahr eine dreiköpfige Familie zuziehe, macht Ott die Dimension transparent.

"Unser Bestreben ist es, dass alle an einem Tisch zusammenkommen", so Vitus Bauer. Am Dienstag gibt es ein Gespräch mit Wasserwirtschaftsamt, Gesundheitsamt, den Bürgermeistern sowie der Rechtsaufsichtsbehörde des Landratsamtes. Dazu eingeladen sind auch die drei Gegner des Neubaus. Sie sammeln Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Kosten, die nicht der Zweckverband, sondern Wernberg-Köblitz und Schnaittenbach zu tragen hätten, also auch Bürger, die nichts mit dem Wasserwerk zu tun hätten, bemerkt Stefan Ott. Aus Erfahrungen mit bisherigen Entscheiden seien das für eine Kommune 15 000 bis 20 000 Euro.

Listen für ein Bürgerbegehren"Für die Neuplanung Wasserwerk Neunaigen/Kemnath" sind die Listen für ein Bürgerbegehren betitelt, die seit eineinhalb Wochen in Geschäften und Lokalen aufliegen. Benötigt werden die Unterschriften von zehn Prozent der Wahlberechtigten in Wernberg-Köblitz und Schnaittenbach. Die Frage lautet: "Sind Sie dafür, dass die Verbandsräte der Gemeinde Wernberg-Köblitz im Wasserzweckverband Neunaigen/Kemnath alle Maßnahmen ergreifen, damit das Wasserwerk Neunaigen-Kemnath hinsichtlich des Filtermediums, der Filtertechnik, der Durchsatzmenge und der Bauausführung neu geplant wird?"

Begründet wird dies mit "unverhältnismäßig hohen Kosten, die auf die Hausanschlüsse umgelegt werden." Dann folgen die Veränderungen in Filter- und Verfahrenstechnik, die nach Ansicht der Initiatoren des Bürgerbegehrens zur einer wesentlichen Verringerung der Investitionskosten führen könnten. (cv)
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