07.03.2018 - 20:00 Uhr
Wernberg-Köblitz

Bürgermeister Konrad Kiener 100 Tage im Amt Konzepte statt Schnellschüsse

"Ich fühle mich, als ob ich im Leben nichts anderes gemacht hätte", fasst Konrad Kiener die ersten 100 Tage im Amt als Bürgermeister der Marktgemeinde Wernberg-Köblitz zusammen. "Ich habe volles Programm, das habe ich erwartet". Am Wichtigsten sei, bei all dem Input Prioritäten zu setzen.

Vor exakt 100 Tagen hat Bürgermeister Konrad Kiener im Wernberg-Köblitzer Rathaus die Nachfolge von Georg Butz angetreten. Zur Wahl schenkten ihm Freunde für alle Fälle eine Art "Notfall-Ordner" . Gebraucht hat er ihn bisher noch nicht. Die Blume haben ihm die Töchter gebastelt. Bild: Völkl
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Das Büro ist frisch gestrichen, fiel doch die energetische Rathaussanierung in die Zeit des Amtswechsels von Georg Butz auf Konrad Kiener. An der Wand hängt ein Bild, das die Marktgemeinde zeigt. "Es gibt für mich keinen anderen Ort, an dem ich leben möchte", meint Kiener im Gespräch mit Oberpfalz-Medien über 100 Tage im Bürgermeisteramt. Im Leben des 43-Jährigen hat sich einiges geändert. Abendliche Sitzungen, Versammlungen - in der Marktgemeinde gibt es 70 Vereine - "das habe ich gewusst, ich mache es gerne. Man muss dem Ehrenamt Anerkennung entgegen bringen." Jetzt gibt es halt am Abend ein Bussi für Frau Judith, die Töchter Mathilda und Luisa. Dann geht es oft zu Terminen. "Doch ich kann andererseits jetzt je nach Terminlage auch mittags zu Hause sein, mit der Familie essen". Das liegt ihm am Herzen.

Projekte am Laufen

Im Bürgermeisterzimmer sitzen die Mitarbeiter des Bauamtes fast täglich mit am Tisch. Der Bau des Hochbehälters Fischberg läuft, die Pläne für die Mehrfachhalle werden in Kürze präsentiert. Das Jugendheim muss auf den Weg gebracht werden. Straßenbauprojekte sind im Etat 2018 eingetütet - unter dem Vorbehalt, wie es mit "Strabs", dem Wegfall der Straßenausbaubeiträge, weitergeht.

Was hat sich in der Verwaltung geändert? Immerhin 50 Mitarbeiter inklusive Kindergarten. "Ich neige nicht zu Schnellschüssen", so Kiener. "Ich schaue mir alles an, bewerte es, halte es fest und mache meinen Haken dahinter". Diplomatie und Toleranz, "ohne das geht es nicht", hat Kiener in seinem früheren Beruf als Banker gelernt. Er führt Mitarbeitergespräche, möchte einen direkten Einblick in Arbeitsabläufe gewinnen, offen und ehrlich mit den Mitarbeitern umgehen, auch diskret. "Ich nehme Themen auf. Die Entscheidung liegt dann bei mir und dem Marktrat."

Inzwischen wurden auch die Antrittsbesuche bei Behörden, Ämtern und Firmen absolviert. Dieser Dialog ist ihm wichtig. Der Terminkalender ist "von oben bis unten voll. Doch ich bin bis jetzt ganz gut durchgekommen". Die großen Herausforderungen der Zukunft sieht er im E-Government in der Verwaltung, der Digitalisierung der Schule. "Das darf kein Wirrwarr geben, das muss ein Konzept sein", um "dem Bürger einen Mehrwert zu bieten". Doch dabei dürfe die Verwaltung nicht überfordert werden.

Kiener möchte die Digitalisierung auch im Marktrat nutzen: Keine großen Baupläne mehr vorlegen, sondern den Räten ein "digitales Zimmer" bieten, in dem sie sich damit befassen. Auch der äußere Eindruck des Rathauses sei zu überdenken. Den Grundriss sei vorgegeben. Aber man könne die Ausstattung verbessern und einen freundlicheren Eingangs- und Wartebereich schaffen.

Infos für Markträte

Trotz der Einbindung ins tägliche Geschäft braucht Kiener Input von außen. Das heißt, auch mal ein Seminar für Bürgermeister besuchen. Frau Judith, die als Förderlehrerin arbeitet, steht hinter dem neuen Lebensplan und die Töchter haben dem Papi eine Blume fürs Büro gebastelt. Froh ist Kiener, dass das Klima im Marktrat stimmt. Die Sitzungen gehen zügig vonstatten. Das hat einen Grund: In der Fraktionsführerrunde bekommen die Fraktionen ein Paket an Infos zu den Themen der Sitzung. "Das ist wichtig, wenn man um die richtige Entscheidung ringt", und das werde von den Kollegen auch honoriert, so der Bürgermeister.

Was er unterschätzt habe, sei "das, was an dieser fundierten Vorbereitung dran hängt", ein enormes Pensum für die Verwaltung. "Ich gehe in keine Sitzung, wenn ich nicht im Detail weiß, um was es geht", betont Kiener. "Und ich denke ebenso über Alternativen nach." Kiener kümmert sich auch um die Babyparty für Familien, das Überarbeiten der Homepage. Doch man dürfe sich "im Amt auch nicht aufarbeiten".

Nach dem Gespräch mit Oberpfalz-Medien wartet schon der nächste Termin. Ein erfreulicher: Es geht zum Notar, kann Konrad Kiener doch die erste Industrieansiedlung in seiner Amtszeit besiegeln. Noch heuer möchte die TC Lasergroup in "West II" bauen.

Halb und halb

Das Bürgermeisteramt ist für mich . . . "eine Berufung, kein Beruf. Ich mache das gerne und aus voller Überzeugung für Wernberg-Köblitz".

Wenn ich nach 100 Tagen noch einmal die Wahl hätte . . . "würde ich nichts ändern und alles genauso machen, wie ich es bisher getan habe".

Der Marktrat ist für mich . . . "das Gremium, wo wir gemeinsam die wichtigsten Entscheidungen für den Markt Wernberg-Köblitz treffen. Für mich ist eine gute und harmonische Zusammenarbeit sehr wichtig. Dafür werde ich meinen Teil leisten".

Wernberg-Köblitz ist . . . "mein Heimatort. Ich möchte nirgendwo anders leben".

Eine Herausforderung ist . . . "das, was täglich hereinkommt, zu koordinieren und zu priorisieren, um nicht den Überblick zu verlieren. Das gelingt mir bisher sehr gut." (cv)

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