Dritter Verhandlungstag im Mordprozess
Schlimme Szenen einer Ehe

Symbolbild (Foto: dpa)
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
06.12.2016
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Die Konturen des vom Schwurgericht mosaikartig zusammengetragenen Bildes werden immer deutlicher. Das aus Thailand stammende Opfer einer Bluttat war streitbar, fordernd, drohend und herrschsüchtig. Zum Schluss lag die nur 1,48 Meter große Frau tot in einem Dachraum. Ihr Ehemann hatte sie erstochen.

Die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber leuchtet alle noch so kleinen Winkel einer Ehe aus, die zehn Jahre andauerte und alles andere als normal verlief. Am dritten Prozesstag kamen Leute aus dem Umfeld des Paares zu Wort. Darunter auch drei Frauen aus Thailand. Bei ihrer Vernehmung wurde offenkundig: Die 31 Jahre alte Ehepartnerin des wegen Mordes angeklagten Arbeiters aus Wernberg-Köblitz war resolut und dominierte die häusliche Gemeinschaft. Das Schwurgericht vernahm, dass die Frau wohl öfter damit drohte, ihre Koffer zu packen und zurück in ihre Heimat zu gehen. Eine Floskel? Fast schien es so. Denn eine enge Freundin von ihr, ebenfalls aus Asien, ließ durchklingen, dass auch sie selbst beim Streit mit ihrem deutschen Ehemann gelegentlich angekündigt habe, "die Koffer zu packen." Einfach nur, um Zeichen zu setzen.

Viel Geld nach Thailand

Nach drei Verhandlungstagen weiß das Schwurgericht jetzt,dass es in der Verbindung des Paares Vorkommnisse gab, die weit über das übliche Maß hinausgingen. Erstmals kam zur Sprache, dass im Verlauf der zehn Ehejahre soviel Geld nach Thailand floss, dass sich die Eltern der 31-Jährigen eine Villa für 2,6 Millionen Baht (über 60 000 Euro) bauen konnten. Hinzu kam ein Auto und auch das monatliche Schulgeld in Höhe von 160 Euro für den Bruder der Frau musste überwiesen werden. Gefallen und behagt hat das dem Ehemann nicht.

Doch er fügte sich angesichts ständig wiederkehrender Ankündigungen, sie werde mit den beiden Kindern in ihre Heimat zurückkehren. "Er hing sehr an seinem Sohn und der Tochter", wurde den Richtern mitgeteilt. Die 31-Jährige entfernte sich mehr und mehr von ihren im gleichen Haus lebenden Schwiegereltern, entwickelte bei der Erziehung des Sohnes merkwürdige Methoden. Der heute sechsjährige Junge hing an seiner Mutter. Gleichwohl wurde er mit Kochlöffelschlägen gezüchtigt.

Einer der Zeugenaussagen ließ sich entnehmen: "Wenn er einen Fehler machte, hat er gleich die Hand ausgestreckt." Wozu? "Damit sie ihn schlagen konnte." Ein düsteres Bild. Es wurde endgültig zur dunklen Apokalypse, als die Frau am 20. März dieses Jahres wieder einmal ihre Koffer packen wollte, in das Dachgeschoss stieg und dort von ihrem Mann erstochen wurde.

Mord oder Totschlag?

Der 48-Jährige hat unterdessen geschildert, wie das vor sich ging: Vorwürfe, Gerangel, Schubser, beide am Boden. Dann die Stiche, die eine Schlagader durchtrennten. Ganz so kann es nicht gewesen sein: Rechtsmediziner Professor Stefan Seidl aus Erlangen kam zu dem Schluss, dass bereits Verletzungen am Körper der Frau verursacht wurden, als beide sich vehement anfeindenden Eheleute noch standen. Noch immer steht die Frage im Raum, ob es Mord oder Totschlag war. Heute werden die Plädoyers erwartet. Dabei dürfte vorrangig von Interesse sein, ob Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier darauf beharrt, dass es rechtsverbindliche Merkmale für ein Mordverbrechen gegeben habe. Das Urteil könnte am Donnerstag fallen.

Den Bericht über den zweiten Prozesstag finden Sie hier.
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