Ehefrau erstochen: Elf Jahre Haft

Wegen der tödlichen Messerstiche gegen seine Frau muss der 48-Jährige - hier im Bild im Gespräch mit Verteidiger Michael Schüll (links) - eine langjährige Haftstrafe absitzen. Bild: Steinbacher
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Wernberg-Köblitz
09.12.2016
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Für ihn und seine Kinder wird es nie mehr sein, wie es einmal war. Als sich die Türen des Polizeifahrzeugs hinter ihm schlossen, wusste der 48-Jährige aus Wernberg-Köblitz endgültig, dass er mit sechs Messerstichen eine Situation schuf, die sich durch nichts bereinigen lässt. Wegen Totschlags muss der Mann nun für elf Jahre ins Gefängnis.

Amberg/Wernberg-Köblitz. Mord und Totschlag liegen im Gesetzbuch eng beieinander. Nie zuvor in den letzten Jahrzehnten musste sich ein Amberger Schwurgericht so intensiv mit einer juristischen Einordnung beider Paragrafen auseinandersetzen. Das geschah in sehr eingehender Beweisaufnahme, bei der das Umfeld beider unmittelbar Beteiligten sorgsam ausgeleuchtet wurde.

Sie: Eine Frau aus Thailand, zierlich und nur 1.48 Meter groß, dessen ungeachtet aber nach der Übersiedlung zu ihrem deutschen Ehemann sehr rasch bestimmend, herrisch, fordernd und dominant. Er: Ein Arbeiter, der Geld für die Verwandtschaft seiner asiatischen Ehefrau herbeischaffen musste, sich fügte und auch dann nicht auf den Tisch haute, als die bei ihrer Heirat gerade einmal 21 Jahre alte Thailänderin angesichts geforderter Barmittel damit drohte, die gemeinsam in einem Siedlungshaus in Wernberg-Köblitz bewohnten Räumlichkeiten samt der beiden Kinder zu verlassen.

Nur Einschüchterungen?

Sie wollte angeblich zurück in ihre Heimat. Doch waren das nicht nur Einschüchterungen, um den Gatten zu bewegen, weiter in der Rolle der finanziellen Melkkuh sein Dasein zu fristen? Die über Jahre andauernden Auseinandersetzungen bekamen einen Gipfel. Im wahrsten Sinn des Wortes: Denn was sich am 20. März dieses Jahres abspielte, geschah unter dem nur wenige Quadratmeter großen Dachfirst des Hauses. Wieder hatte es Streit gegeben, abermals kündigte die 31-Jährige an, die Koffer zu packen und ohrfeigte ihren Mann, als der sich widersetzte, eine unmittelbar bevorstehende Doppelstaatsbürgerschaft für die kleine Tochter zu unterschreiben.

Eine Lage, die gekennzeichnet war von Wut, Ärger und - so sah es jetzt das Schwurgericht - dem Willen des 48-Jährigen, "jetzt Ernst zu machen." Er nahm ein Keramikmesser aus der Küchenschublade, ging seiner im Dachraum nach den dort liegenden Koffern greifenden Frau nach. Dann gab es ein Gerangel, stach er sechs Mal wuchtig zu. War das Mord? Das Schwurgericht verneinte. Die Mordmerkmale der Heimtücke und das Ausnutzen von Arg- und Wehrlosigkeit der Frau seien nicht gegeben, hieß es in der Urteilsbegründung.

Keine Mordmerkmale

Die Thailänderin habe gesehen, dass ihr Mann "diesmal anders reagierte". Sie sei auf den Angriff auch nicht unvorbereitet gewesen, habe sich gegen die Attacke gewehrt. Von daher kam die Strafkammer zu dem Schluss, dass der 48-Jährige wegen Totschlags schuldig zu sprechen sei. Dafür wurden elf Jahre Haft verhängt. Bei Mord hätte es, wie von der Staatsanwaltschaft verlangt, lebenslänglich gegeben. Doch das sind nach deutscher Rechtsprechung 15 Jahre. Von daher traf diese Entscheidung den Angeklagten wie ein Keulenhieb. Mit einer solchen Strafhöhe hatte er nicht gerechnet.

Was bleibt in der trostlosen Rückschau? Vor allem zwei Kinder, die ihre Mutter verloren und ein sechsjähriger Junge, der alles mitbekam. Eine Familie, die trotz der Bluttat irgendwie zum Sohn und Bruder steht. Und ein Mann, der durch seinen Übergriff auch das eigene Leben nie mehr in geordnete Bahnen bringen kann. Denn wo er auch nach der Entlassung hingehen mag: Die tödlichen Messerstiche werden sein ständiger Begleiter sein. Kommt es zur Revision beim Bundesgerichtshof? Weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigung gaben nach dem Urteil Erklärungen ab. Anwalt Schüll sagte nur: "Ich werde das prüfen."

Ich werde das prüfen.Verteidiger Michael Schüll zur Frage nach einer möglichen Revision.
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