Gericht lässt die Hintergründe der Bluttat beleuchten - Angeklagter sah sich mit Forderungen ...
In der dunklen Dachkammer keine Chance zur Flucht

Vermischtes
Wernberg-Köblitz
03.12.2016
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Amberg/Wernberg-Köblitz. Die Eltern des mutmaßlichen Täters wollten vor dem Amberger Schwurgericht keine Angaben machen. Wer mochte ihnen das verdenken? Das betagte Ehepaar aus Wernberg-Köblitz, von der Vorsitzenden Richterin Roswitha Stöber eingehend über bestehendes Aussageverweigerungsrecht belehrt, hätte dann wohl erneut eine Situation durchleben müssen, die man keinem wünscht.

Das Gesetz lässt es zu, dass in einem solchen Fall auf Mitteilungen zurückgegriffen werden kann, die vor einem Ermittlungsrichter gemacht wurden. Petra Froschauer vom Amtsgericht Schwandorf hatte im März den 83-jährigen Vater des Beschuldigten vernommen. Vor ihr sagte er aus. "Er hat seine Schwiegertochter nicht negativ geschildert", berichtete die Juristin. Gleichwohl aber nahm die Richterin auch zu Protokoll, dass sich die am 20. März dieses Jahres von ihrem Ehemann mit sechs Messerstichen getötete Thailänderin mehr und mehr zurückzog, ihre beiden Kinder nicht zu den im gleichen Haus wohnenden Großeltern ließ, ihren kleinen Sohn mit einem Kochlöffel schlug und sich Einmischungen in ihre Erziehungsmethoden verbat.

Noch nie so gesehen

Der 83-Jährige bekam mit, so stellte sich bei den Befragungen durch Richterin Froschauer heraus, was sich am Tatabend im Dachgeschoss anbahnte und zutrug. Sie diktierte seine Beobachtungen in die Unterlagen: "Sie lag am Boden, er war über ihr. Wie ein Knäuel". Sein 48-jähriger Sohn sei außer sich gewesen, sagte der alte Mann und beschrieb die Lage so: "Solch einen Zustand habe ich bei ihm noch nie zuvor gesehen."

Im Dachgeschoss, das zum Schauplatz einer Bluttat wurde, gab es keine Beleuchtung. Als Retter eintrafen, mussten sie im Schein einer Taschenlampe arbeiten. Dabei offenbarte sich: Der 31-Jährigen war nicht mehr zu helfen. Sechs Messerstiche hatten sie tödlich getroffen. Durch ein neuartiges dreidimensionales Verfahren wurde die Dachkammer von einem Team des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) auf Anweisung von Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier aufgenommen. Die Bilder sah sich das Schwurgericht während des ersten Prozesstages an. Dabei wurde offenkundig: Das Opfer hatte wenig bis gar keine Chancen zur Flucht.

Der 48-Jährige auf der Anklagebank ließ über seinen Anwalt Michael Schüll in großer Ausführlichkeit seine Ehe und deren Vorgeschichte schildern. Er hatte vor vielen Jahren längere Beziehungen zu deutschen Frauen, beendete sie und machte sich irgendwann auf zu Reisen nach Thailand. Dort lernten er und zwei seiner Freunde Asiatinnen kennen und heirateten sie. Die Frauen kamen mit ihren Partnern in die Oberpfalz und durften bleiben.

Zu Besuch in Thailand

Der 48-Jährige flog mit seiner Gattin mehrfach nach Thailand und besuchte deren Eltern. Da soll auch der kleine Sohn dabei gewesen sein. Nicht unwesentlich ist nun in dem Prozess die Frage: Waren die Verwandten tatsächlich so fordernd wie durch Anwalt Schüll beschrieben? Rund 51 000 Euro sollen in drei- und vierstelligen Beträgen an sie überwiesen worden sein. Daraus resultierte: Weshalb ließ sich der Mann aus Wernberg-Köblitz immer wieder vor den finanziellen Karren spannen?

Am 1. März 2006 hatten die beiden geheiratet. Trotz eines nicht unerheblichen Altersunterschieds. Doch das, hörten die Richter, spiele vielleicht in Deutschland eine Rolle. In Thailand nicht. Nach eineinhalb Jahren gab es erste Schwierigkeiten. Denn schon seinerzeit, damals noch ohne Kinder, habe die Frau geäußert, in ihre Heimat zurückkehren zu wollen. Solche Drohungen seien ab dann regelmäßig ausgesprochen worden. Der Mann sorgte sich, er berichtete auch Freunden davon. "Er selbst", unterstrich Verteidiger Schüll, "hatte keine Vorstellung darüber, jemals in Thailand leben zu wollen."

Viele Jahre der Auseinandersetzung. Immer schwelend. Mal mehr, mal weniger. Was sich dann am 20. März 2016 im Dachgeschoss der gemeinsamen Wohnung vollzog, war ein Gewaltakt, der durch nichts reparabel ist. Die Frau starb, zwei Kinder verloren ihre Mutter. Vor dem Schwurgericht ließ der des Mordes angeklagte Ehemann nun übermitteln: "Der Tod meiner Frau geht mir nahe. Ich wollte, ich könnte ihn ungeschehen machen."
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