Nachtisch und 50 rote Rosen

Sich unterhalten, Alltagsprobleme besprechen, eine Kleinigkeit essen - das Begegnungscafé hat immer Zulauf. Beim Einjährigen war auch für Live-Musik gesorgt. Nächster Termin ist der 16. Dezember. Bilder: Völkl (3)
Vermischtes
Wernberg-Köblitz
06.12.2016
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Susanne Götte (rechts) hat das Begegnungscafé ins Leben gerufen. Sie kann dabei auf ihren Mann, Pfarrer Georg Hartlehnert, Irene Kaschner, Stefan Falter, Akiko Pischulti und Lisa Kick (von links) bauen.

Ein Korb voller roter Rosen und 50 Portionen Nachspeise von einem syrischen Koch - sie brachen das Eis beim ersten Begegnungscafé, das der Helferkreis Asyl und die evangelische Kirchengemeinde vor einem Jahr eingerichtet hatten. Ein Jahr der Annäherung, das beide Seiten nicht missen möchten.

Sommer 2015: Die Gemeinde hatte Asylbewerber aufzunehmen. Sie fanden eine Bleibe in Unterkünften im Weiherner Weg, in der Weidener Straße, in der Bergstraße. Sie hatten ein Dach über dem Kopf, waren aber auf sich gestellt, ohne Kontakte, ohne Sprachkenntnisse, ohne Bezug zum Behörden-Deutschland. Einige Privatinitiativen entstanden. Im November gründete sich der Helferkreis Asyl, der Frauenbund richtete die Kleiderkammer ein.

Neugierde und Skepsis

"Was können wir anbieten?" Susanne Götte, die Frau des evangelischen Pfarrers Georg Hartlehnert, initiierte mit den Helfern ein Begegnungscafé im Gemeindesaal der evangelischen Kirche. Ein völlig zwangloser Treff für beide Seiten. Jeder brachte mit, was er geben wollte, Teigtaschen, mal einen Kuchen, Speisen verschiedenster Kulturkreise. "Gleich beim ersten Mal war es rappelvoll", so Susanne Götte. Die Neugierde war groß. Wie wird man miteinander ins Gespräch kommen? Die erste Geste kam ohne Worte aus: 50 Rosen von syrischen Asylbewerbern und ein Zettel mit der Aufschrift "Danke". Seitdem bietet der Gemeindesaal regelmäßig an Freitagen Raum für Begegnungen. Was Susanne Götte aufgefallen ist: Es kamen anfangs durchaus auch Skeptiker, doch sie sind geblieben. Das Begegnungscafé ist zum Fixpunkt für im Schnitt 30 Flüchtlinge und Einheimische geworden. Es haben sich Kontakte zwischen einzelnen Flüchtlingen und Wernberg-Köblitzern ergeben. Behördengänge, Arztbesuche- ohne die Helfer oft schier unüberwindliche Hürden. Elisabeth Klein und Maria Hirsch, die pensionierten Lehrerinnen, die den ersten Sprachkurs gaben, sind weiter im Boot. Stefan Falter, Leiter der Marktverwaltung, kommt in seiner Freizeit vorbei. Einer der Helfer schildert das Problem, dass doch etliche Flüchtlinge kein Englisch können, in der Familie arabisch gesprochen wird. Übersetzen, Formulare ausfüllen, zu Anhörungen begleiten: Die Integration "wird dauern, sehr lange dauern". Wichtiges Verbindungsglied sind die Kinder. Der 14-jährige Achmad besucht in Wernberg-Köblitz die Schule. Er ist ein gefragter Dolmetscher.

Beim "Einjährigen" des Begegnungscafes sitzen Naser Alali (28) und seine Frau Jehan (28) am Tisch. Daneben Mohamad Habib (28) und seine junge Frau Reem Shesbi (17). Alle haben Speisen fürs Buffet mitgebracht, die Kinder spielen. Naser Alali macht große Fortschritte. Sechs Monate Intensiv-Sprachkurs zeigen Wirkung. Der gelernte Schweißer ist glücklich: Er hat bei Dr. Loew Soziale Dienstleistungen ein Praktikum in Aussicht. Ziel: Heilerziehungspfleger. Ab Februar ist das Ganze fix.

Problem Wohnungssuche

Isam Madeli arbeitet bereits in einer Kfz-Werkstatt. Der junge Syrer Hasan hat eine Lehrstelle bei EMZ-Hanauer. Die Vermittlung von Praktika und Arbeitsplätzen scheint nicht das Hauptproblem zu sein. Mit deutscher Fürsprache und Vermittlung tut sich mancher Weg auf. Das Problem für alle Flüchtlinge, ob in Wernberg-Köblitz, Pfreimd, Nabburg oder anderen Orten im Landkreis ist die Wohnungssuche. Wenn der Asylantrag befürwortet ist, müssten die Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen. Doch wohin? Es gibt Leerstände, freie Wohnungen in Zweifamilienhäusern, doch kaum jemand vermietet. Die Helfer klopfen an viele Türen. Herbergssuche.
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