Prozess gegen 48-Jährigen wegen Mordes an Ehefrau [Aktualisierung]
Lebenslange Haftstrafe gefordert

(Foto: dpa)
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Wernberg-Köblitz
07.12.2016
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Amberg/Wernberg-Köblitz. Weil er seine aus Thailand stammende Ehefrau mit sechs Messerstichen tötete, soll ein 48-Jähriger aus Wernberg-Köblitz (Kreis Schwandorf) lebenslang hinter Gitter. In seinem Plädoyer vor dem Amberger Schwurgericht stellte am Mittwoch Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier das Mordmerkmal der Heimtücke fest. Er kreidete dem Arbeiter ferner die Ausnutzung von Arglosigkeit seines Opfers an.

War es heimtückisch begangener Mord oder ein minderschwerer Fall des Totschlags? Kaum jemals zuvor klafften zwei vor dem Amberger Schwurgericht gestellte Strafanträge weiter auseinander als im Fall der Tötung einer 31-jährigen, aus Thailand stammenden Frau in Wernberg-Köblitz. Wie ist das Verbrechen einzustufen? Für Oberstaatsanwalt Dr. Strohmeier herrschte nach dreitägiger intensiver Beweisaufnahme Klarheit: "Es war Mord." Eine Stunde lang schilderte Strohmeier den Ablauf der Dinge aus seiner Sicht. Er machte Ausführungen zur Ehe des 48 Jahre alten Angeklagten und dessen aus Thailand nach Deutschland gebrachter Frau. "Ihr Leben endete am 20. März 2016 mit einem Verbrechen", unterstrich der Oberstaatsanwalt und verdeutlichte: "Der Täter hat bewusst und absichtlich getötet." Unter Mitnahme eines Messers, als er seiner 16 Jahre jüngeren Frau in ein Dachgeschoss gefolgt sei.

Zwei Sichtweisen

Thomas Strohmeier fragte: "Wieso greift er zum Messer, weshalb nahm er es mit, warum stach er zu?" Angesichts wiederholter Drohungen der 31-Jährigen, sie werde ihre Koffer packen und mitsamt der beiden Kinder nach Thailand gehen, "wollte der Angeklagte Ernst machen. Denn er mochte Sohn und Tochter zu keinem Zeitpunkt hergeben."

Mit Blick auf die räumliche Enge im Dachgeschoss stellte der Oberstaatsanwalt fest: "Die Person mit dem Messer entscheidet, wer diesen Raum lebend verlässt." Der Mann habe gewusst, "dass sie nicht so einfach weglaufen kann." Dann seien wuchtige Stiche mit einem Keramikmesser in den Körper der nur 1,48 Meter großen Frau gesetzt worden. Das Mordmerkmal der Heimtücke bejahte Strohmeier. "Das Opfer war völlig überrascht und rechnete nicht mit diesem Angriff." Daraus resultierte die Feststellung: "Er wollte töten!"

Für Mord gibt es nur eine Strafe: Lebenslange Haft. Diesen Antrag stellte der Oberstaatsanwalt und erinnerte auch daran, dass der sechsjährige Sohn des Ehepaars wohl Beobachtungen machte, als die Bluttat geschah. "Eine weitere fürchterliche Folge", sagte er dazu.

Verteidiger Michael Schüll konterte. Ebenfalls eine Stunde lang und leidenschaftlich. "Das war niemals ein Mord", führte er den Richtern vor Augen und schilderte, wie sehr die Ehe für seinen Mandanten "zur emotionalen Achterbahnfahrt wurde." Immer wieder Drohungen, schier endlose Geldforderungen für die thailändische Verwandtschaft. Der 48-Jährige habe zu keiner Zeit einen konkreten Tatplan gehabt, als er seine Frau am Kofferpacken hindern wollte. "Seine Absicht war es, nunmehr seinerseits zu drohen."

Anwalt Schüll erinnerte daran, dass der Angeklagte vor der Tat zwei schallende Ohrfeigen von seiner Frau erhielt. "Dabei hatte er alles für sie getan." Ein von Oberstaatsanwalt Strohmeier ins Feld geführtes bewusstes Ausnutzen der Arglosigkeit stellte Schüll energisch in Abrede.

"Sie war weder arg- noch wehrlos. Sie hat sich ja auch gewehrt." Dem Angeklagten schrieb Schüll zu: "Er hätte viel früher auf den Tisch hauen müssen."

Angesichts aller Umstände riet Michael Schüll dem Schwurgericht, bei der rechtlichen Einordnung von einem minderschweren Fall des Totschlags auszugehen. "Es war eine spontane Tat, die mit fünf Jahren Haft ausreichend gesühnt ist". Danach sagte der 48-jährige Beschuldigte in seinem Schlusswort: "Ich habe sie über alles geliebt. Was geschehen ist, tut mir unendlich leid." Das Urteil wird am Donnerstag verkündet.

Den Bericht über den dritten Prozesstag finden Sie hier.
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