20.01.2017 - 16:26 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Übung der Feuerwehr auf Burg Wernberg Löscharbeiten bei minus 26 Grad

Ausnahmezustand herrschte am 30. April 2016 auf Burg Wernberg: Insgesamt 205 Einsatzkräfte löschten einen "Brand", brachten Bedienstete und Gäste in "Sicherheit" und versorgten "Verletzte". Anders als bei dieser Großübung wurde vor 75 Jahren dieses Szenario bittere Realität.

Ein überregionales Vorzeigeobjekt: Burg Wernberg 75 Jahre nach dem Brand: Am meisten litt der hier abgebildete Westflügel. Total verschont blieb nur der 1930 aufgestockte Ostflügel. Bild: sef
von Autor SEFProfil

Am 21. Januar 1942 erlebte die Burg Wernberg den wohl schwärzesten Tag ihrer seit 1280 nachweisbaren Geschichte. Von diesem "dies ater" existiert ein Augenzeugenbericht der Gräfin Josefine, die ohne ihren Gemahl Graf Andreas von Schall-Riaucour die Notlage meistern musste, kämpfte er doch zur gleichen Zeit an der Front vor Moskau:

Bitterkalter Winter

"Der Brand brach in den frühen Morgenstunden des 21. Januar 1942 gegen 5 Uhr im Westflügel aus. Ich wurde um halb 6 Uhr durch Gepolter über meinem Schlafzimmer geweckt. Elektrisches Licht brannte nicht mehr. Über dem Speisezimmer schlugen Flammen aus dem Dach. Ich musste nun schnellstens meine Kinder und das Personal im östlichen Neubau sowie die Gärtnerfamilie über dem Tor wecken. Alle schliefen ja noch. Die vier Niederbronner Schwestern, die im Westflügel ebenerdig wohnten, wurden gleichzeitig auf den Brand aufmerksam und waren sofort zur Stelle. Als erstes rettete ich das Allerheiligste aus der Kapelle. Ich legte es meinem Sohn Franzi in die Arme und erteilte ihm den Auftrag, das kostbare Gut in den Pfarrhof zum Benefiziaten Johann B. Eindorfer zu tragen.

Inzwischen waren schon Leute aus dem Markt und Feuerwehrleute eingetroffen. Aber bei 26 Grad Kälte war es vorerst unmöglich, Wasser auf den Berg zu bekommen. Das Pumpwerk versagte von Anfang an, weil kein Strom floss. Außerdem war das Feuer in der Nähe des Wasserreservoirs im Speicher über dem Speisezimmer ausgebrochen und hatte dieses zerstört, so dass sich der Inhalt vor allem in den Kapellenhof ergoss. Mit der Wernberger Bevölkerung war sofort auch die ganze Abteilung kriegsgefangener Franzosen aus dem Brauhaus erschienen. Alle halfen beim Retten des Inventars. Schier Unmenschliches wurde geleistet, so dass fast sämtliche Möbel gerettet werden konnten. Sie wurden in Waschküche, Garage und Stall untergebracht, im Freien unterhalb der Brücke abgestellt oder gleich in die Häuser am Schlossberg getragen, wo die Leute bereitwilligst ihre Räume zur Verfügung stellten. Um 6 Uhr brannten bereits die Dächer des West- und Südflügels.

Obwohl die ersten fünf Stunden kein Wasser zur Verfügung stand, gelang es wegen absoluter Windstille dennoch der Feuerwehr, durch das Abdecken eines Teils des Bogengangs das Feuer vom Neubau im Osten ganz fern zu halten. Er blieb deshalb gänzlich verschont. lm Südflügel, wo sich die Flammen gefährlich nahe zum Bergfried vorgefressen hatten, glückte ein Zurückdrängen des Infernos. Dadurch blieb der Teil über meinem Schlafzimmer vor schwerem Schaden bewahrt. Das Dach ist nur teilweise beschädigt und der Part über dem Speiseraum wenigstens innen nicht ausgebrannt. Die Decke freilich ist verloren, an manchen Stellen durchlöchert. Vollständig niedergebrannt sind dagegen der Westflügel mit beiden schönen Wohnzimmern, der Gang zur Kapelle, das Treppenhaus und die Bibliothek.

Kapelle in Bedrängnis

Um 10 Uhr befand sich die 1401 konsekrierte Kapelle in größter Gefahr. Der Dachstuhl war schon erfasst worden, doch nicht ganz zerstört. Nun aber bedrohte das Feuer vom Haus her das Gotteshaus. Das Dach im Inneren brannte bereits. Ich wurde aufgefordert, ein "Agnus Dei" (geweihtes Wachsmedaillon mit Lammeinprägung) in die Flammen zu werfen. Merkwürdigerweise gelang es wenige Augenblicke später der Nabburger Feuerwehr, Wasser über den Berg heraufzubringen. So konnte die Inneneinrichtung gerettet werden.

Die verschiedenen Brandkommissionen waren bereits hier. Sobald wie möglich soll mit der Errichtung von Notdächern über Kapelle und Speisezimmer begonnen werden. Das Dach über meinem Schlafzimmer kann wieder ganz instandgesetzt werden, sobald es die Witterung erlaubt. Gott sei Dank ist niemand beim Brand selbst und den Rettungsarbeiten zu Schaden gekommen. Ein besonderes Glück im Unglück! Meinem Mann wurde die Nachricht durch ein Diensttelegramm mitgeteilt. Er und mein ältester Sohn Antonius stehen an der Ostfront vor Moskau."

Im Protokollbuch der Freiwilligen Feuerwehr Wernberg steht noch folgender Eintrag: "Da nicht genügend Löschwasser vorhanden war, musste eine Leitung vom Schilternbach am Fuß des Burgbergs gelegt werden. Der ungewöhnlich strenge Winter ließ das Wasser in den Schläuchen gefrieren. Zum Auftauen wurden diese wie Stangen in das Treibhaus der Burggärtnerei getragen. Der Einsatz aller Feuerwehrkameraden und Helfer an diesem bitterkalten Wintertag verdient höchstes Lob und außerordentliche Bewunderung."

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