Zweiter Prozesstag gegen 48-Jährigen: Mord oder Totschlag?
Vor den Stichen zwei Ohrfeigen

(Foto: dpa)
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Wernberg-Köblitz
05.12.2016
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Was genau ging vor sich, als am Abend des 20. März in Wernberg-Köblitz ein Gewaltverbrechen geschah? Der mutmaßliche Täter nannte bisher vor dem Schwurgericht keine Einzelheiten. Doch einem Kripobeamten, der ihn seinerzeit vernahm, erzählte der Mann: "Sie hat mich geschlagen." Kurz darauf erstach der 48-Jährige seine Ehefrau.

Amberg/Wernberg-Köblitz. Die Ehe mit einer 16 Jahre jüngeren Thailänderin muss für den Arbeiter wirklich so gewesen sein, wie sie sein Anwalt Michael Schüll am ersten Prozesstag geschildert hatte: "Eine emotionale Achterbahnfahrt." Als am Montag in der zweiten Prozessrunde ein Hauptkommissar der Amberger Mordkommission aussagte, wurde erneut deutlich: Die Asiatin stellte immer wieder Geldforderungen für Angehörige in Thailand. 51 000 Euro sollen so vom Familienkonto abgebucht worden sein. Doch möglicherweise war der Betrag weitaus höher. Denn wiederholt war das spätere Opfer offenbar bei einem Bekannten aufgetaucht, hatte ihn um Überweisungen von dessen Bankverbindung aus gebeten und wissen lassen, sie bringe die Summen dann schon.

Lautstarke Streiterei

Nur wenige Stunden nach den in einer schmalen Dachkammer gesetzten tödlichen Stichen kam es zu einer ersten Vernehmung des mutmaßlichen Täters bei der Kripo in Amberg. Dort räumte er das Verbrechen sofort ein und nannte Details zur Vorgeschichte. Dazu gehörte nach Angaben des als Zeugen gehörten Hauptkommissars: "Wieder einmal mit Auszug samt den beiden Kindern gedroht, wieder einmal hinauf in den Speicher, um die Koffer zu holen." Doch bevor dies geschah, so hörte der Beamte heuer im März bei der Vernehmung, sei es in der Küche des Wohnhauses zu einer lautstarken Streiterei gekommen. Dabei, so nahm der Fahnder zu Protokoll, versetzte die Thailänderin ihrem Mann zwei Ohrfeigen. Dann stieg sie hinauf in den unbeleuchteten Dachraum. Ihr Gatte nahm aus der Küchenschublade ein Messer mit 12,5 Zentimetern Klingenlänge und folgte ihr. Gleich darauf gab es ein Gerangel zwischen beiden, stach der 48-Jährige zu. Insgesamt sechs Mal und so heftig, dass er selbst unmittelbar nach den Stichen gesagt haben will: "Das wird sie nicht überleben." Zu diesem Zeitpunkt war die 31-Jährige bereits tot.

"Aus Verzweiflung"

Musste der sechsjährige Sohn die Bluttat mit ansehen? "Wohl nicht unmittelbar", ließ der Hauptkommissar nach eigener Einschätzung erkennen. Doch der Bub stellte Fragen an seinen aus dem Dachraum kommenden Vater. Er wollte wissen: "Warum hast du das gemacht?" Sein Papa will geantwortet haben: "Ich weiß es selbst nicht." In seiner ersten Befragung äußerte er ferner: "Was da oben vorging, ist mir ein Rätsel. Ich bin doch sonst ein ganz friedfertiger Mensch." Nächste Frage dann: "Warum haben Sie zugestochen?". Die Antwort: "Aus Verzweiflung."

Gewiss ist: Der sechsjährige Sohn besaß heuer im März eine deutsch/thailändische Doppelstaatsbürgerschaft. Für die kleine Tochter, erst einige Monate alt, war sie beantragt. Im Verlauf immer wieder aufflammender Streitigkeiten soll der 48-Jährige gegenüber seine Frau geäußert haben, er werde diesen Antrag nicht unterschreiben. Denn damit wäre wohl die endgültig letzte Hürde, die einer komplikationslosen Rückkehr der 31-Jährigen gemeinsam mit den zwei Kindern nach Thailand im Wege stand, beseitigt gewesen. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Den Bericht über den Prozessauftakt finden Sie hier.
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