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31.05.2017 - 20:01 Uhr
Wernberg-KöblitzOberpfalz

Der Zug in den Zukunftsmarkt

Flach, das ist bei der Flachglas nur das Produkt. Auch in der Unternehmensform der Mitarbeiterbeteiligungsgesellschaft - 1999 ein europaweites Novum - geht die Reise durch die Höhen und Tiefen der Wirtschaft. Das Unternehmen behauptet sich auf den internationalen Märkten, sucht stets nach neuen Kunden. Ein Blick geht nach China.

Traumschiff: Für die Aida-Zentrale in Hamburg wurden 500 verschiedene Designs in exakt der richtigen Einbaureihenfolge produziert und geliefert.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Das Werk im Herzen der Marktgemeinde Wernberg-Köblitz, 1938 gegründet, ist für Außenstehende ein Labyrinth. Von der Verladung bis hin zum neuen Schneidhaus - ein Caddy würde in dem langen Schlauch zwischen Bahnlinie und Nürnberger Straße gute Dienste leisten. "Bei einem Neubau auf der grünen Wiese sind Produktionsabläufe ganz anders angeordnet, hier muss jeder freie Platz genutzt werden", erzählt Marketingleiter Walter Schöpf. "Es ist schon eine Herausforderung, die Abläufe effizient zu gestalten." Seit einem Jahr ist Schöpf für die Flachglas tätig. Wie der neue Geschäftsführer Robert Meier kommt er aus der Autobranche, von Grammer.

Produkte der Flachglas finden sich weltweit an Fassaden repräsentativer Gebäude, im Interieurbereich, im Railwaygeschäft und - bei Jachten. Da ließ schon mal der russische Milliardär Roman Arkadjewitsch Abramowitsch seine neue Jacht verglasen - made in Wernberg. So spezielle Fertigungen aus Panzerglas müssen "allen Erschütterungen, auch einer Hubschrauberlandung", stand halten, erzählt Schöpf. Doch solche Aufträge gibt's natürlich nicht jeden Tag.

Bei Duschkabinen führend

Da ist das Einscheibensicherheitsglas für Duschkabinen schon eine sichere Bank. 80 Prozent der deutschen Duschkabinenhersteller verwenden über "Glasprofi" Einscheibensicherheitsglas der Flachglas. Da ist Just-in-time gefragt. "Es wird gefliest, das Aufmaß für die Dusche gemacht und von heute auf morgen geliefert. Wenn um 13 Uhr bestellt wird, kommt am nächsten Tag der Lkw mit den passgenauen Teilen." Ein weiteres Standbein ist Verbundsicherheitsglas aus Wernberg. Ob beim Flughafen München, als Vitrinenglas in renommierten Museen oder als Glasboden für den Messestand von Audi.

Längst wird nicht mehr "nur Glas" verkauft. Die Bauwelt wird bunter: Die Flachglas hat sich auf Sieb- und Digitaldruck spezialisiert. "Erst im April haben wir die neue Laserdruckanlage in Betrieb genommen", betont Schöpf. Damit werden bei Farbe und Dekor keine Kundenwünsche offen gelassen. "Wir müssen immer am Ball sein", skizziert er das fragile Glasgeschäft und die Überproduktionen am Markt. Darauf muss reagiert werden. Flachglas hat sich auf Spezialgebieten einen Namen gemacht.

Gut läuft das Zuggeschäft, sowohl deutschlandweit als auch international. Erst vor einigen Monaten wurde wieder eine neue australische Zug-serie ausgestattet. Womit Schöpf beim Thema China ist: Denn gebaut wird der australische Zug von einem chinesischen Hersteller. "China ist der größte und am schnellsten wachsende Markt der Welt", meint Schöpf. Die Flachglas habe bereits erste Anfragen, einen chinesischen Zug mit Glas auszustatten. "Man braucht einen Businessplan, die Verhandlungen müssen mit viel Diplomatie geführt werden. Man muss die Gepflogenheiten kennen", meint Schöpf. Der chinesische Eisenbahnhersteller CRRC hat traditionsreichen Unternehmen wie Bombardier längst Konkurrenz gemacht. "Wenn es gelänge, Glaszulieferer für Züge zu werden, die in China für den weltweiten Markt gebaut werden, hätte das für Walter Schöpf schon einen ganz besonderen Charme. Der Anfang ist jedenfalls im Februar gemacht worden. 7000 Stück Glas wurden für den von CRRC gebauten australischen Zug geliefert. "Der Markt ist da und wächst", betont Schöpf. "Wenn man sich überlegt, dass heute schon zwischen Peking und Shanghai in einer Stunde fünf ICEs verkehren ..."

Weltweit unterwegs

Weltweit ist die Flachglas im Fassadenbau tätig. Gerade fertig geworden ist die Ayandeh-Bank in Teheran: 8800 Quadratmeter Glas, Auftragsvolumen 900 000 Euro. Die Abschnitte M 20 und M 30 im Schwabinger Tor wurden gebaut, das "Vulcano" in Zürich. Am Geschäfts- und Wohnhaus "Cloud 7" in Stuttgart sind die Brüstungen aus Glas. 15 000 Quadratmeter Glas sind im Goodmas-Field in England - ein 1,6 Millionen-Auftrag - verbaut. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld hat 4500 Quadratmeter.

"Der Hochbau ist preislich stark umkämpft", sagt Schöpf. Doch die Flachglas habe eine gute Grundauslastung. Gefragt sind Schall- und Sonnenschutz, Einscheiben- und Verbundsicherheitsglas. Auch die Nische Kunst wird besetzt: Schöpf zeigt stolz Bilder von der S-Bahn-Station Jungfernstieg in Hamburg, die gerade fertig geworden ist. Der Künstler Florian Balze hat hier eine Lichtillusion konzipiert - mit bedrucktem Glas aus Wernberg.

Wir müssen immer am Ball sein.Marketingleiter Walter Schöpf

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