28.08.2017 - 20:00 Uhr
WiesauOberpfalz

Jennifer Danler stellt im Kunsthaus Waldsassen erstmals ihre Werke aus „Postfaktisch“ in die Kunst eintauchen

Waldsassen. Nächstes Jahr wird sie 30 Jahre alt. Jennifer Danler ist noch jung. Dennoch versteht sie es, mit ihrer Kunst zu verblüffen, Kritik zu entfachen, Diskussion auszulösen. Die Kunsterzieherin für Gymnasien, die in Marktredwitz geboren und in Mitterteich aufgewachsen ist, unterrichtete bis Schuljahresende am Stiftland-Gymnasium Tirschenreuth und ist ab September 2017 in Schweinfurt tätig. Sie outet sich mit ihrer Ausstellung "Postfaktisch" im Kunsthaus Waldsassen als sehr interessantes Talent.

Jennifer Danler hat als Kunsterzieherin für Gymnasien ihre Passion zum Beruf gemacht. Bilder: ubb (3)
von Ulla Britta BaumerProfil

Die Vernissage war noch nicht eröffnet, als sich erste Gäste bereits mit Jennifer Danlers Kunst beschäftigten. Die Neugierde galt schon dem Ausstellungstitel "Postfaktisch". Dieser Begriff steht noch nicht im Duden, war das Wort des Jahres 2016 und bedeutet so viel wie gefühlsmäßig, nicht auf Tatsachen beruhend. Damit ist einiges erklärt zur Ausstellung der jungen Frau, die vor ihrem Staatsexamen ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg bei Professor Michael Munding für Freie Malerei und Kunsterziehung machte. Besagter Professor hielt im Kunsthaus die Laudatio für seine ehemalige Schülerin.

Vorher lobte er das Gesamtkonzept des Kunsthauses in höchsten Tönen. Das gefiel dem Vorsitzenden des Kunstvereins Waldsassen, Wolfgang Horn, der Jennifer Danler kurz vorstellte. Professor Munding sagte über die Künstlerin, dass sie sich in einem anstrengenden Selbststudium Zugang zur Thematik verschafft habe. Hier im Kunsthaus könnten die Betrachter ihre Biografie erleben. Nun ist die Geschichte einer 30-Jährigen, umgesetzt in Kunst, meist noch nicht derart umfangreich, dass sie gleich mehrere Räume füllen kann.

Fesselnde Ansichten

Jennifer Danlers Werke sind, wenn auch auf einige Spezialitäten reduziert, derart intensiv im Ausdruck, dass sie "postfaktisch" den aufmerksamen Betrachter jederzeit länger fesseln. So sorgt eine großflächige Pinnwand mit Magazinausschnitten, Spruchfetzen, Bildmaterial und handschriftlichen Notizen dafür, dass man unweigerlich zu lesen beginnt. Die Betrachter können sich schwer davon lösen, obwohl rein gar nichts ein persönliches Interesse hergibt. Faszinierend schön ist ein Windspiel in filigranster Arbeit. Weiße Gesichter drehen sich federleicht beim leisesten Windhauch in und um sich selbst. Vor schwarz-weißen Wandtafeln lädt dieses Kopfspiel zum Nachsinnen ein, wessen Gesicht hier wohl vor einem schwebt.

Jennifer Danlers Malerei bedarf weniger Worte. Etwa 15 Gemälde hat sie mitgebracht. Teils akribisch dem Original nachempfunden oder in moderner Fassung zeigt sie bauliche Innenansichten oder Seelenbilder, die gleichermaßen beeindrucken. An die Leinwand geworfen dann das "Nichts": Beim näheren Betrachten ist die leere Fläche eine Fotografie, deren grauweiße Pixel zur Wolke mutieren. Ein kritische Auseinandersetzung ist vorprogrammiert: "Ist das Kunst oder kann das weg?" Eine Frage, die jeder für sich beantworten muss. Mit ihren zwar wenigen, aber aufregenden Exponaten hat Danler ins Kunsthaus mehr mitgebracht, als manch ansonsten umfangreich bestückte Ausstellung verspricht.

Öffnungszeiten

Interessierte können die Ausstellung Sonntag von 18 bis 20 Uhr sowie Mittwoch von 16 bis 18 Uhr besichtigen. Die Werke können auf Anfrage erworben werden.

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